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Acer S240HLBD - Günstiger Monitor für Anspruchsvolle?

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"Der Acer S240HLBD ist speziell für anspruchsvolle Multimedia-Anwender entwickelt." - So bewirbt Acer den neuen LED-Backlight Monitor aus der besonders dünnen S0-Serie. Angesichts des Preises eine genauso krasse Kampfansage wie ein Kontrast von 100.000.000:1 - Spätestens an dieser Stelle werden wirklich: "anspruchsvolle Multimedia-Anwender" die Nase rümpfen. Zurecht? 

LED Backlight?

LEDs gehören gewiss die Zukunft, denn im Vergleich zu Kaltlichtkathoden sinkt der Stromverbrauch und die Umweltbelastung beim Recycling fällt ebenfalls geringer aus. Noch dazu ist es möglich mit LEDs ein breiteres Farbspektrum zu erzeugen und somit die Bildqualität zu steigern - also alles gut?

Wie immer das Aber: Um den Preis nicht ins Unendliche ausufern zu lassen, setzten die Hersteller bei den "günstigen" LED-Umsetzungen auf Edge-LEDs, also einen Ring oder mehrere Leisten aus LEDs die mittels Diffusoren gleichmäßig ausleuchten (sollen) - So auch hier beim neuen Acer PC-Monitor. Höherwertigere Geräte setzen hier auf "echte" LED-Backlight-Panels und können somit auch wesentlich höhere Kontraste erreichen.

Acer S240HLBD (LED Backlight) Testergebnisse

Trotz alledem, LED gehört die Zukunft und für den TV- sowie Monitor-Markt ist die Investition auf jeden Fall zu empfehlen: 16 bis 27 Watt Leistungsaufnahme bei 0 respektive 100 Prozent Helligkeit sprechen für sich. Im Normalbetrieb ist also mit einer Leistungsaufnahme von etwa 20 Watt zu rechnen.

Bei einer durchschnittlichen Nutzung (3 Stunden am Tag; 40% Helligkeit) und gewöhnlichen Strompreisen (21 Cent/KWh) kommt man so auf gerade mal etwa 5 € Stromkosten im Jahr. 

Bildqualität - Erster Eindruck

Doch kommen wir zum wichtigsten Punkt im Multimedia-Bereich. Erstaunt, und das nicht im positiven Sinne - So war mein erster Eindruck vom Acer S240HLBD. Wie von günstigen Monitoren gewohnt ist alles extrem bunt und hell voreingestellt. Als wäre dem ersten Eindruck noch nicht genüge getan, wirkt das gesamte Bild blass. Wo ist hier der angebliche 100.000.000:1 Kontrast, der ja ein super dunkles Schwarz (2,5 µcd/m²) voraussetzen würde?!

Acer S240HLBD (LED Backlight) Testergebnisse

Auch gibt es im oberen und unteren Bildbereich starke Lichthöfe - ebenfalls typisch für günstige LED-Backlight Geräte, keineswegs aber was für den anspruchsvollen Multimedia-Nutzer! Um den schlechten Ersteindruck noch zu komplettieren ein paar Worte zum Blickwinkel. Wer den Acer S240HLBD wirklich für anspruchsvolle aufgaben nutzen will, sollte sich kaum bewegen. Viel mehr als 20° Blickwinkelstabilität gibt es nicht. Danach wird es schon dunkler und kontrastärmer. Die Farben kippen ab etwa 160° leicht in die Komplementärfarben über.

Dazu gibt es noch einen Pixelfehler - Die einzige Sache die aber in Ordnung geht. Null defekte Pixel können vorkommen, sind aber selten und werden entsprechend teuer bezahlt.

Bildqualität - Messung

Rücken wir dem S240HLBD aber mal mit etwas Messtechnik auf die Pelle. Mit einem Spyder 3 Elite-Kolorimeter lassen sich schon gute Erkenntnisse gewinnen und objektiv bewerten, was vom eingangs genannten Werbeversprechen zu halten ist.

Im Auslieferungszustand erreicht der Acer-Monitor eine Helligkeit 247 cd/m² - Damit sind zumindest die 250 cd/m² Herstellerangaben schon mal erfüllt. Mit einer Farbtemperatur von etwa 6300 Kelvin liegt man auch sehr nahe am Ideal von 6500 Kelvin (sRGB-Standard). Allerdings fehlen allgemein ein paar Blauanteile.
Daher empfiehlt es sich die Farbtemperatur nicht auf Warm zu belassen, sondern etwa folgende Werte einzustellen (Anwender): 97 - 93 - 100 (Rot - Grün - Blau). Dies ergibt etwa 6500 Kelvin und schon ein besseres Bild. Stellt man jetzt noch die Helligkeit auf etwa 40-50 Prozent, lässt sich zumindest farblich bereits ganz gut mit dem Acer S240HLBD arbeiten. Zwar sinkt die Maximale Helligkeit so auf 230 cd/m² - der Zugewinn an Bildqualität ist es aber auf jeden Fall wert.Acer S240HLBD (LED Backlight) TestergebnisseEin Problem aber bleibt, und das ist das sehr blasse Bild. Sprich dunkle Töne werden prinzipiell zu hell dargestellt und somit wirkt das Bild kontrastarm. Das Problem ließe sich Herstellerseitig durch andere Gamma-Einstellungen zumindest abschwächen. So entspricht der Verlauf des Acer S240HLBD etwa einer Gammaeinstellung von 2,0 - besser wären 2,2 gewesen. Leider bietet der Monitor keinerlei Konfigurationsmöglichkeiten um einen anderen Gamma-Wert einzustellen.

Weiter geht es mit den schon subjektiv bewerteten Lichthöfen. Diese lassen sich natürlich auch messen und schlagen sich in bis zu +12 Prozent Helligkeit am oberen und unteren Rand sowie bis -8 Prozent am linken und rechten Rand nieder. Sprich einige Stellen des Monitors sind etwa 20 Prozent dunkler als andere. Besonders bei dunklen Filmszenen fällt dies leider störend auf. Bei überwiegend hellen Bildern (z.B. Fotobearbeitung) fällt der Effekt aber weit weniger stark auf.Acer S240HLBD (LED Backlight) Testergebnisse

Kommen wir zum Kontrast - Das die 100.000.000:1 ein Traum der Hersteller sind und unter Bedingungen ermittelt werden, die jedem gesunden Menschenverstand widersprechen, sollte jedem klar sein. Real erreicht der Acer S240HLBD gerade einmal ein Kontrastverhältnis von 470:1 bis  550:1 (je nach Einstellung). Normale Monitore für den Multimedia-Einsatz sollten mindestens 2.000:1 schaffen, viele heutige Geräte schaffen bereits 10.000:1 und mehr.

Am Ende benötigt man ein Farbprofil (.icc Datein unter Windows) um mit dem S240HLBD halbwegs anspruchsvolle Dinge wie Fotobearbeitung zu tun. Zumindest wenn zum Beispiel der Ausdruck im Fotobuch so aussehen soll wie das Bild auf dem Monitor. Denn nur so lässt sich bei Acer's schmalen LED-Monitor auch beispielsweise die Gamma-Kurve in den Griff bekommen - genauso wie die Eigenschaft in dunkleren Bildbereich zu einer kalten Farbwiedergabe (ca. +400 Kelvin) zu tendieren.

Fazit

Viel ungenütztes Potential steckt in der Hardware und vieles lässt sich erst mit Messtechnik und Programmen beheben, die mehr kosten als der Acer S240HLBD selbst. Wer also wirklich in die Kategorie: "anspruchsvolle Multimedia-Anwender" fällt, sollte einen weiten Bogen um den Acer-Monitor machen, etwas mehr Geld in die Hand nehmen und sich bei Konkurrenzfirmen wie NEC oder Eizo umsehen.

Wer Hochglanz-Lack nicht scheut, sich nicht an der wenig ergonomischen Bedienung stört sowie einen billigen und sparsamen Office-Monitor sucht, der vielleicht auch mal ein paar Urlaubsbilder oder YouTube-Videos anzeigen soll, kann zugreifen.

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