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200 Euro-Kopfhörerduell: Logitech UE 6000 Vs. beyerdynamic Custom One Pro

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Auch wenn "Der Trend" im Bereich Audio auf der letzten IFA zweifelsohne das Thema 'kabellos' war, wollen wir uns zwei hochwertige, kabelgebundene Kopfhörer ansehen und vor allem anhören. Der erste Kandidat kommt aus dem Hause Logitech und hört auf den Namen Ultimate Ears UE 6000, beyerdynamic stellt den Custom One Pro zur Verfügung. Beide Kopfhörer sind aktuell für 199 Euro zu erwerben - Mit einem Gleichstand geht es ins packende Duell.

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Die Logitech UE 6000 konnten wir bereits auf der IFA, für eine Messe sogar recht ausgiebig, probehören und insbesondere zur Verarbeitung einiges erzählen. Mehr dazu im verlinkten Video. Auch mit den beyerdynamic Custom One Pro hatten wir das erste Mal auf der IFA 2012 Kontakt und fanden das Konzept, die Bassintensität mechanisch zu verändern (mehr dazu siehe unten), sehr interessant.

Logitech UE 6000

Logitech UE 6000 Kopfhörer mit integriertem AMP und aktiver Rauschunterdrückung (ANC)Die UE 6000 sind Logitechs beinahe-Topmodell. Bis auf die fehlende Möglichkeit auch via Bluetooth mit Musik versorgt zu werden und wenigen Änderungen am Design, sind sie mit den 349 Euro teuren [[ASIN:B00A668MZ8|Logitech UE 9000 identisch]].

Im Bereich Verarbeitung bestätigt das Serienmodelle unsere Eindrücke vom IFA-Testgerät. Die Polsterung umhüllt auch größere Ohren und ist außerordentlich weich. Auch das Tragen über mehrere Stunden wird so nicht zur unangenehmen Tortur sondern bleibt stets angenehm, beinahe unauffällig. Gleiches gilt für den Kopfbügel.

Letzterer ist zudem sehr stabil und übersteht auch starke Verwindungen oder den Transport in der Tasche. Für letzteren legt Logitech noch eine, farblich zum UE-Label passende, Stoff-Tasche bei. Am rechten Kopfhörer befindet sich ein An/Aus-Schalter um damit zwei Dinge zu aktivieren:

Die aktive Rauschunterdrückung (ANC, Active Noice Cancelation) soll Umgebungsgeräusche weiter mindern als es die Polsterung bereits tut. Wir haben in unseren Tests jedoch subjektiv keinen Unterschied wahrgenommen. Einzig und allein der Ton wird etwas lauter und damit zwangsläufig auch lauter im Vergleich zur Umgebung. Dies liegt am integrierten Verstärker (AMP), welcher für eine merklich bessere Klangqualität sorgt (mehr dazu siehe unten).

beyerdynamic Custom One Pro

beyerdynamic Custom One Pro im standardmäßigen Lookbeyerdynamic setzt bei den Custom One Pro weniger auf ausgefeilte Elektronik als vielmehr auf Physik und ein anpassbares Äußeres. Mittels eines einfachen, in passender Größe beiliegenden, Sechskant lassen sich die vier Schrauben lösen und das dahinterliegende 'Cover' auswechseln. Die einzelnen Cover lassen sich paarweise direkt bei beyerdynamic erwerben (Zubehör).

Im Gegensatz zur ovalen Form der Logitech UE 6000 sind die Ohrhörer des beyerdynamic Custom One Pro rund und bieten etwas mehr Raum. Die Polsterung ist ebenfalls sehr weich und sorgt für einen sehr guten Tragekomfort, auch bei längeren Musik-Sessions.

Das Thema 'Custom' geht jedoch noch weiter. Der Klang der Custom One Pro lässt sich mit je einem Regler pro Hörerseite regulieren. Die Regler öffnen unterschiedlich große Öffnungen, die dem Tieftontreiber mehr Luft zur Erzeugung tiefer Bass-Klänge gibt.

Klangqualität

Alle Tests zur Klangqualität werden standardmäßig mit einem Cowon Z2 (MP3/FLAC/WAV-Player) als Zuspielgerät durchgeführt. Zum Einsatz kommen dabei "handelsübliche" MP3-Dateien sowie unkomprimierte Aufnahmen in Studioqualität. Vielen Dank an dieser Stelle an Denny Schneidemesser für die Bereitstellung entsprechender Aufnahmen.

Die Logitech UE 6000 fehlt es im Passivbetrieb (ohne AMP) an Dynamik im Klangbild. Tiefen werden zu weich und dumpf wiedergegeben, die Höhen sind nicht klar genug ausdifferenziert. Mit aktiviertem AMP ändert sich das Klangerlebnis dann merklich zum Besseren: Instrumente klingen voll und satt, besonders Akustik- und E-Gitarren haben es uns angetan. Der Bass wirkt wesentlich präziser und vor allem kräftiger. Kein hohles Wummern oder Dröhnen, sondern ein kräftiges, druckvolles und präzises Zupacken.

Einzig und allein die Wiedergabe von Stimmen hat uns weniger gut gefallen, insbesondere im Vergleich zu den beyerdynamic Custom One Pro. Das Klangbild ist leicht verzerrt, die Stimmen klingen etwas zu hoch und leicht kratzig.Cowon Z2 Die beyerdynamic Custom One Pro sind in gewisser Weise das exakte Gegenteil von den UE 6000. Besonders Stimmen geben die Kopfhörer sehr präzise, natürlich und voll wieder. Fans von Opern oder anderen, stimmlastigen Genren werden hier ihre Freude haben. Weniger gut gefallen hat uns die Wiedergabe von Instrumenten gefallen. Insbesondere die beim UE 6000 erwähnten Akustik- und E-Gitarren klingen leicht verzerrt, der Bassdrum eines Schlagzeugs generiert des Weiteren zu wenig Druck und klingt nicht präzise genug.

Die "Bassregler" ergeben auf der zweitkleinsten Stufe eine beinahe lineare Wiedergabe, auf der geringsten Stufe ist merklich zu wenig Präsenz im Tieftonbereich zu verzeichnen. Die Stufen Drei und Vier klingen merklich bis, je nach Geschmack, gar dominant Bass-lastig, jedoch weiterhin ohne den präzisen Druck der Logitech UE 6000 zu erreichen - Die Custom One Pro klingen an dieser Stelle schlichtweg etwas dumpf.

Fazit

Beide Kopfhörer haben ihre Stärken und Schwächen und würden sich, sofern denn möglich, sehr gut ergänzen. Das [[ASIN:B008XEYT48|beyerdynamic Custom One Pro]] liefert eine sehr schöne Wiedergabe von Stimmen, kann bei den Instrumenten jedoch nicht ganz mithalten. Der Bass ist zwar "dosierbar", jedoch leider nie wirklich druckvoll sondern eher dumpf dröhnend. 'All das bessert sich beim Betrieb am A/V-Receiver, mittels des beiliegenden 6,35 mm Klinke-Kabels, dies ist jedoch hier nicht Bewertungsgrundlage.

Die [[ASIN:B00A668MZI|Logitech UE 6000]] klingen nur im aktiven Modus überzeugend und den 199 Euro (UVP) angemessen - Auf längeren Reisen sollten also zwingend auch ein oder zwei Paar AAA-Batterien mit im Handgepäck liegen. Hier ist man mit den Custom One Pro unabhängiger. Dafür werden besonders Doubstep-Fanatiker den druckvollen und präzisen Bass im aktiven Modus mögen.

In Sachen Verarbeitung macht man weder mit dem Custom One Pro noch den UE 6000 etwas falsch. beyerdynamic als auch Logitech haben an dieser Stelle sehr gute Arbeit geleistet und werden den Ansprüchen, die jeder Kunde bei 200 Euro an einen Kopfhörer stellen sollte, gerecht.


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