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Mehr Evolution als Revolution? Die Canon EOS 650D im Test

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Mittlerweile kann man sich sicher sein, dass Canon etwa im Jahresrhythmus ein neues Modell seiner dreistelligen Einsteiger DSLR-Serie veröffentlicht. So auch 2012 geschehen mit der Canon EOS 650D. Wirklich große Neuheiten gibt es wenig, der Sensor bleibt bei den bekannten 18 Megapixeln, wurde nach Angaben von Canon jedoch vollkommen neu entwickelt. Dies zeigt sich in der Unterstützung der STM-Objektive und soll sich auch in einem besseren Rauschverhalten zeigen. Im Bereich der Bedienung sorgt ein Touch-Display für neu Akzente.

Verarbeitung und Bedienung

Auch wenn es die Überschrift vielleicht nicht ganz erahnen lässt, ein bisschen Revolution ist die EOS 650D dann doch. Wer die Gerüchteküche aufmerksam verfolgt hat, wusste schon seit etwa einem Jahr von einem Canon-Patent zum Thema Touch-Bedienung für DSLR-Kameras - Und die im Patent abgebildete Kamera sah auch aus wie eine EOS aus der "dreistelligen Serie".

Natürlich gibt es schon länger berührungsempfindliche Bildschirme in Digitalkameras und insbesondere neuen Camcordern. Doch wer den Vergleich mit einem guten Smartphone kennt, der stößt schnell an die Grenzen. "Multi-Touch" oder allgemein eine hohe Empfindlichkeit sind selten Stärken der entsprechenden Modelle. Der Canon EOS 650D gelingt das Alles bedeutend besser und man ist - wenn auch nicht durchgehend - durchaus auf dem Niveau von Smartphones und Tablets.

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Im Diashow-Modus kann einfach mit den Fingern durch die Bilder navigiert, mit "pinch-to-zoom" das Bild vergrößert und verkleinert oder mit einer einfachen Berührung Videos gestartet und auch wieder gestoppt werden. Ebenfalls sehr gelungen ist die Bedienung im Quickset-Menü ("Q"-Taste) - Dank der großen Symbole lassen sich auch in halbmanuellen und manuellen Modi (P/A/S/M) alle wichtigen Einstellungen schnell vornehmen.

Lediglich beim Basismenü ist Canon die Umsetzung für Touch-Eingaben nicht gut gelungen. Im Vergleich zu den Vorgängern wurden keine wirklichen Designveränderungen vorgenommen - wer die Größe der einzelnen Textzeilen und Symbole kennt, kann sich in etwa vorstellen, wie "einfach" sich diese mit normalgroßen Fingern treffen lassen. Erfreulicherweise trifft man die gewünschten Felder trotzdem meist. Eine Verdopplung der Logo-Größe in der oberen Reihe könnte unserer Meinung nach jedoch nicht schaden.

Bildqualität - Foto

Weitaus evolutionärer geht es beim eigentlichen "Kerngeschäft" zu. Weiterhin arbeitet, wie schon bei der EOS 550D/600D/60D/7D, ein 18 Megapixel-Sensor in der neuen EOS 650D. Dieser wurde laut Angaben von Canon jedoch komplett neu entwickelt um für weniger Bildrauschen zu sorgen und neue Möglichkeiten beim Videodreh zu ermöglichen (mehr dazu im entsprechenden Abschnitt).Testbild der Canon EOS 650D Das Rauschen hat sich, wohl auch dank des neuen DIGIC V-Bildprozessors, besonders bei hohen ISO-Werten (1.600 und höher) gegenüber der EOS 550D verbessert. Gegenüber der EOS 600D ist auch ein kleiner Unterschied vorhanden, kaufentscheident ist dieser jedoch nicht. Etwas verbessert hat sich auch die Detailauflösung (RAW- und JPEG-Format), alles in allem hat man aber auf einem (sehr) guten Gesamtkonzept aufgebaut und die Kamerawelt hier nicht neu erfunden.

Gleichzeitig passt dies auch zur neuen, langsam erkennbaren Leitlinie bei Canon: Die Zeit des großen Megapixel-Rennens scheint (endlich) vorbei zu sein. Auch die High-End Vollformatmodelle EOS 1D X und 5D Mark III sind mit 18 respektive 22 Megapixel nicht sonderlich besser bestückt, sondern konzentrieren sich eher auf ein besseres Rauschverhalten. Einen Trend den wir nur befürworten können.Testbild der Canon EOS 650D Das verfügbare Kit-Objektiv 18-55 mm IS II hat bezüglich der Optik keine Änderung zum Vorgänger (ohne II) erfahren, lediglich ein paar Designänderungen (böse Zeitgeister würden es Einsparungen nennen) hat Canon vorgenommen. Für den Anfang sicherlich "ganz nett", aber mit dem Objektiv kann die EOS 650D nicht ihre Stärken ausspielen - Besonders nicht im Bereich Auflösung. Wer wirklich ambitionierte Ziele hat, sollte sich von Vornherein nach besseren Objektiven umschauen.

Eine gute Alternative zum 18-55 mm Kit ist das [[ASIN:B002ZNJB32|Sigma 17-70 mm DC Macro OS HSM]], wer eher auf Portraits aus ist kann mit dem günstigen [[ASIN:B00005K47X|Canon EF 50mm 1:1.8 II]] ein echtes Schnäppchen machen. Von den allseits beliebten "Super-Zoom"-Objektiven (18-2xx mm und Co) raten wir ab, die Bildqualität des Objektivs wird auch hier nicht der Leistung der EOS 650D gerecht.Testbild der Canon EOS 650D Im Bereich Serienbildaufnahmen kann die EOS 650D auch etwas mehr bieten als die Vorgänger, jedoch bleibt es weiterhin bei gerade einmal 6-7 RAW-Bildern in voller Geschwindigkeit. Das kann die Konkurrenz in Form der Nikon D3200 mittlerweile besser (12-14 RAW-Bilder in voller Geschwindigkeit). Problematisch auch: die Canon EOS 650D scheint Probleme beim Umgang mit UHS-I Speicherkarten zu haben.

Bildqualität Video

Den verbesserten Videomodus konnten wir mit dem [[ASIN:B0089SWZDU|Canon EF 40 mm STM-Objektiv]] testen. Neu bei der EOS 650D ist, dass nun auch nativ ein kontinuierlicher Autofokus (AF) beim Filmen bereit steht, der sowohl schnell als auch präzise arbeiten soll.

Möglich wird dies durch im Bildsensor eingebaute Phasen-AF-Sensoren. Diese stehen normalerweise nur separat bei hochgeklapptem Spiegel (sprich Fotomodus) zur Verfügung. Der Vorteil gegenüber dem bei System- und Digitalkameras anzutreffenden Kontrast-AF: Der Phasen-AF ist weitaus schneller, leider aber nicht so präzise. Die EOS 650D kombiniert nun die Vorteile von Kontrast- und Phasen-AF im Videomodus.

[[YT:dyJ1wnHy19I]]

In Kombination mit den neuen STM-Objektiven (Stepping-motor/Schrittmotor) kann die EOS 650D im Videomodus sehr weich nachfokussieren. Das ganze funktioniert noch nicht perfekt und ab und an greift der AF auch immer noch daneben. Trotzdem ist es unserer Meinung nach die erste Video-AF Implementierung in einer DSLR-Kamera, die das Prädikat "brauchbar im Alltag" erreicht.

Trotzdem bleibt es dabei: Wer wirklich anspruchsvoll mit einer DSLR-Kamera filmen und auch die Vorteile der geringen Schärfeebene voll ausnutzen möchte, sollte manuell fokussieren.

Fazit und Empfehlung

Die [[ASIN:B0089U6854|Canon EOS 650D]] macht nicht alles anders als die bestehenden Produkte aus der Canon EOS Familie oder die Konkurrenz, aber vieles einen Tick besser als seine Vorgänger und die Mitbewerber im gleichen Preisbereich. Die Bedienung ist dank Touch-Display noch einmal intuitiver geworden, der Videomodus wurde noch freundlicher für Einsteiger gestaltet und der Fotomodus im Detail verbessert.Testbild der Canon EOS 650D Besitzer einer [[ASIN:B0037KM2II|Canon EOS 550D]] oder gar EOS 600D werden wohl nur im Ausnahmefällen eine Aktualisierung in Betracht ziehen - hier sind die Vorteile absolut dann doch zu gering. Wer von einer kleineren DSLR (EOS 1x00D) aufsteigen oder generell neu einsteigen möchte, sollten den geringen Aufpreis zu den Vorgängern jedoch investieren.


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