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Nikon 1 AW1 - Unterwassertaugliche DSLM im Test

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Wer bisher einen Schutz vor Staub und Spritzwasser als besonderes Highlight bei DSLR- und DSLM-Kameras ansah, dürfte bei der Nikon 1 AW1 große Augen machen: Die Kamera vereint die Möglichkeit Wechselobjektive zu nutzen mit einer echten Unterwassertauglichkeit (bis 15 Meter Tiefe) sowie dem Versprechen auch Stürze aus bis zu zwei Metern Höhe, zumindest innerlich, unbeschadet zu überstehen.Nikon 1 AW1

Design, Verarbeitung und Bedienung

Allein das Gehäuse lässt erkennen, dass Nikon bei der AW1 keine halben Sachen machen wollte: Große Teile der Kamera bestehen aus Metall und verleihen der Kamera ein entsprechend hohes Gewicht. Zudem bricht Metall bekanntlich bedeutend schwerer - insbesondere bei Stürzen aus besagten zwei Metern Höhe sollten dementsprechend maximal leichte Verformungen (sprich Dellen) zu erwarten sein - aber kein Riss im Gehäuse.

Des Weiteren auffällig sind die vielen Dichtungen am Gehäuse. Neben dem Objektiv, welches einen entsprechend widerstandsstarken Zoom-Ring mitbringt, ist insbesondere das Bajonett, das Akku-/Speicherkarten-Fach sowie die Zubehörbuchse mit Gummidichtungen versehen. Letztere beiden Fächer müssen zudem mit zwei statt einem Schalter "entriegelt" werden, um ein versehentliches Öffnen zu verhindern.

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Der Unterwassertauglichkeit zum Opfer gefallen sind viele Bedienelemente - und das wo die Nikon 1-Serie bisher keineswegs durch eine große Anzahl an Knöpfen und Einstellrädern aufgefallen ist. Dementsprechend schwer gestaltet sich insbesondere die Bedienung in (halb)manuellen Modi (A, S, M). Aber auch einige sehr interessante Lösungen hat Nikon für die Bedienung gefunden. So lässt sich beispielsweise ein Menü zur Auswahl der Aufnahmemodi (Kreativ, Automatik, Unterwasser...) über einen Knopfdruck aufrufen und der Modus mithilfe des integrierten gyroskopischen Sensors auswählen - die Kamera muss also gedreht werden. Insbesondere Unterwasser soll dies die Bedienung enorm vereinfachen.

Serienbild und Autofokus

Wie alle anderen Nikon 1-Kameras richtet sich auch die AW1 nicht an Profifotografen - so gibt es zwar einen Serienbildmodus mit bis zu 60 Bildern in der Sekunde (nur mit elektronischem Verschluss), jedoch hält die Kamera selbigen keine Sekunde am Stück durch. Wer sich auf 5, 10 oder 15 Bilder je Sekunde beschränkt (mechanischer Verschluss) hat etwas länger Spaß an schnellen Serienbildern, aber spätestens beim Abspeichern auf die SD-Speicherkarte ist die Nikon 1 AW1 dann leider gewohnt langsam und braucht teilweise über eine halbe Minute um den Pufferspeicher zu leeren.Nikon 1 AW1 Beispielbild | 18,7 mm, f/4.5, 1/1250 s, ISO 160 Beim Autofokus-Modul setzt Nikon auf einen modernen Hybrid-Autofokus - eine Kombination aus Kontrast- und Phasen-AF - der auch bei weniger Licht noch eine ganz passable Leistung abliefert. Wirklich überzeugen kann der Autofokus aber erst bei Tageslichtbedingungen: Praktisch mit dem Drücken des Auslösers findet die Kamera auch bei kontrastarmen Motiven den Fokus und zeigt hier auch nicht das für Systemkameras sonst typische Pumpen vom Kontrast-AF.

Bildqualität

Eine große Schwäche von Nikons Systemkameras war bisher die Bildqualität, genauer das Bildrauschen, bei wenig Licht. Daran hat sich leider auch bei der AW1 nichts geändert - der Bildsensor ist schlichtweg um einiges kleiner als bei der Konkurrenz, egal ob mit µFT- oder gar mit APS-C-Sensor ausgestattet. Das Bildrauschen liegt dementsprechend eher auf dem Niveau hochwertiger Kompaktkameras wie der Sony DSC-RX100.

Nikon 1 AW1 Beispielbild | 23,1 mm, f/5.3, 1/125 s, ISO 160Unter Tageslichtbedingungen reicht es hingegen problemlos für knackscharfe und rauscharme Bilder, wenn auch bereits bei ISO-160 nie die Bildschärfe erreicht wird, wie man sie von günstigen DSLR- und DSLM-Kameras mit APS-C großem Sensor kennt. Trotz all der Kritik dürfte Nikon den im Bezug auf Unterwasserkameras größten Sensor am Markt haben und dementsprechend hier weitaus bessere Ergebnisse liefern als andere Modelle mit 1/2,3"-Sensor. Wir werden einen entsprechenden Test nachholen, wenn die Witterungsbedingungen dies zulassen.

Videomodus

Filmen kann man mit der Nikon 1 AW1 natürlich auch und das auch im zweitgemäßem Full HD (1080p). Leider unterstützt man Full HD nur mit 30 Bildern je Sekunde - den für Europa wichtigen PAL-Modus mit 25 Bildern je Sekunde hat man in der aktuellen Firmware-Version leider nicht integriert. Auch bei HD-Ready-Auflösung gibt es nur NTSC-Bildraten (60p, 30p) zur Auswahl. Hier muss man definitiv nacharbeiten.

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Dem Unterwassergehäuse ebenfalls zum Opfer gefallen ist die Möglichkeit ein externes Mikrofon anzuschließen und so die Tonqualität auf ein Niveau zu heben, das auch gehobenen Ansprüchen genügt. Das integrierte Stereo-Mikrofon liefert zumindest bei wenig Wind eine passable Qualität ab, klingt aber recht blechern. Insgesamt bleibt der Videomodus leider hinter der Konkurrenz zurück: Die für Europa wichtigen PAL-Bildraten fehlen und der Ton ist nie mehr als akzeptabel.

Fazit und Empfehlung

Mit einem Preis von knapp unter 750 Euro (Stand 02.02.2014) ist die [[ASIN:B00FASUTGM|Nikon 1 AW1]] "an Land" schlichtweg zu teuer und hat mit zu vielen Einschränkungen zu kämpfen - egal ob es dabei um die Bedienung, Bildqualität oder den Videomodus geht. Richtig interessant wird die Kamera erst mit der Möglichkeit sie auch im nächsten Urlaub in die Unterwasserwelt mitzunehmen. Etwas, das wir alsbald nachholen werden.

Nikon 1 AW1Denn hier wird wohl nicht nur die Unterwassertauglichkeit ein echtes Highlight sein - auch GPS und GLONASS zur Positionsbestimmung sowie ein Höhen- und Tiefenmesser dürften für den Außeneinsatz äußert interessant werden. Wir sind gespannt und freuen uns, unabhängig von dem eher mageren Resultat unter "Normalbedingungen", auf einen etwas anderen Ausflug mit der Nikon 1 AW1.


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