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Super-Tele-Zoom-Objektiv im Test: Tamron 150-600 mm f/5-6.3 Di VC USD

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Erst im vergangenen November kündigte der japanische Objektivhersteller Tamron das neue Super-Tele-Zoom SP 150-600 mm f/5-6.3 Di VC USD an, mittlerweile sind erste Modelle im Handel verfügbar und wir schauen uns den verhältnismäßig leichten Boliden einmal genauer an. Weitere Details zum Objektiv finden Sie in unserer ersten Analyse zur Ankündigung.

Design und Verarbeitung

Der sehr große Zoom-Ring am Tamron 150-600 mm sticht direkt ins Auge und nimmt (im eingefahrenen Zustand) gut ein Viertel der Gesamtlänge ein. Aufgrund der Größe und des Gewichts der zu bewegenden Baugruppen fällt der Widerstand beim Zoomen recht hoch aus, dank der großzügigen Dimensionierung des Zoom-Rings ist dies jedoch kein echtes Problem. Über einen kleinen Lock-Schalter lässt sich das Objektiv bei 150 mm "einrasten": Zwar fährt das Objektiv kopfüber prinzipiell nicht aus, kommen jedoch leichte Erschütterungen hinzu (z.B. beim Laufen) ist diese Art der Sicherung durchaus sinnvoll.

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Mit knapp unter zwei Kilogramm ist das Tamron SP 150-600 mm f/5-6.3 Di VC USD fasst schon als Leichtgewicht zu bezeichnen - immer bezogen auf Super-Tele-Zoom-Objektive, versteht sich. Das geringe Gewicht wird durch viel Kunststoff an der Außenhaut erkauft. Die Wertigkeit von Canon L-Objektiven mit Metallgehäuse erreicht man damit nicht, die Verarbeitung ist jedoch prinzipiell gut bis sehr gut und die Konstruktion grundlegend staub- und spritzwassergeschützt.

Autofokus und Bildstabilisator (VC)

Die richtige Kamera und die richtigen Einstellungen vorausgesetzt arbeitet der Autofokus sehr flott und präzise, Geräusche sind ebenfalls kaum wahrzunehmen. Jedoch wird die geringe Naheinstellgrenze von nur 2,7 Metern (max. Abbildungsmaßstab 1:5 bei f = 600 mm) dem Tamron 150-600 immer dann zum Verhängnis, wenn der Kamera-AF kurzfristig das Ziel aus den Augen verliert und anfängt über die gesamte Distanz zu suchen. Wer unter gleichbleibenden Bedingungen fotografiert kann jedoch den Fokusbereich auf 15 m bis ∞ begrenzen und damit wesentlich bessere Ergebnisse erzielen. Auch während der Autofokus aktiv ist kann der Fotograf jederzeit eingreifen und manuell nachfokussieren.

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Ein optischer Bildstabilisator (oder ein Stativ) ist bei diesen Brennweiten praktisch Pflicht, andernfalls wären ausreichend kurze Belichtungszeiten für ein verwacklungsfreies Bild unter ISO-800 nur im prallen Sonnenlicht möglich. So jedoch lassen sich selbst die 600 mm an Kameras mit APS-C-Sensor (entspricht 960 mm entsprechend KB) noch mit 1/200 Sekunden Belichtungszeit nutzen, was einer Verlängerung um etwas über 2 EV entspricht - ein guter Wert, wenn auch nicht in der absoluten Oberklasse. Zum Filmen sollte man jedoch trotzdem zu einem Stativ greifen, außer man benötigt den "speziellen Look" für sein Projekt.

Bildqualität

Die Bildschärfe ist überraschend hoch für ein Super-Tele-Zoom-Objektiv, insbesondere in der Preisregion. Wie von beinahe allen Objektiven gewohnt erreicht man über den gesamten Brennweitenbereich hinweg mit leichtem Abblenden (gut 1 bis 2 EV) die besten Resultate. Im Pseudo-Makro-Bereich fällt die Schärfe gefühlt etwas höher aus als auf weite Distanzen, insbesondere feine Details (Mikrokontrast) kommen hier sehr gut zur geltung.Tamron SP 150-600 mm f/5-6.3 Di VC USD - Beispielbild | Canon EOS 650D, 600 mm, f/8, 1/250 s, ISO-800 Neben der Bildschärfe oft das größte Problem in dieser Objektiv- und Preisklasse: Das Bokeh - die "Schönheit des Hintergrunds". Unter anderem neun abgerundete Blendenlamellen sollen laut Datenblatt für ein weiches, cremiges Bokeh sorgen und tun dies auch mit Bravour. Nur selten sind leichte Doppelkonturen erkennbar, meist verschwimmt der Hintergrund angenehm weich und sorgt damit für die nötige Ruhe in den unscharfen Bildbereichen. Sehr gut!Tamron SP 150-600 mm f/5-6.3 Di VC USD - Beispielbild | Canon EOS 5D III, 600 mm, f/7.1, 1/500 s, ISO-640 Chromatische Aberration (Farbquer- und längsfehler) ist, wie auch der Mikrokontrast, eher bei weiten Fokus-Distanzen ein kleines Problem. Aufgrund der Auslegung auf Vollformat-DSLRs haben Nutzer von Kameras mit APS-C-Bildsensor nichts zu bemängeln, an Vollformat-Kameras sind zu den extremen Bildrändern hin leichte Ausfransungen zu erkennen.Tamron SP 150-600 mm f/5-6.3 Di VC USD - Beispielbild | Canon EOS 5D III, 500 mm, f/7.1, 1/500 s, ISO-640 Die Vignettierung (Randabschattung) lässt sich, wie auch die chromatische Aberration, sehr einfach im Nachhinein beheben, ist jedoch selbst bei Offenblende am Vollformat nicht störend. Auch hier profitieren Nutzer von APS-C-DSLRs wieder vom kleineren Bildausschnitt und erhalten ein sehr homogen ausgeleuchtetes Bild.

Fazit und Empfehlung

Konkurrenz in dem Brennweitenbereich ist durchaus vorhanden, jedoch reduziert sich die Anzahl der Objektive schnell, wenn man den Preisbereich auf unter 2.000 Euro eingrenzt. Objektive wie das [[ASIN:B001542X6E|Sigma 150-500 mm f/5-6.3 DG OS HSM]] sind noch einmal merklich günstiger, liegen jedoch auch in den Bereichen Bildschärfe und Bokeh hinter dem Tamron SP 150-600 mm zurück.

Tamron SP 150-600 mm f/5-6.3 Di VC USD - Beispielbild | Canon EOS 650D, 600 mm, f/6.3, 1/800 s, ISO-800Das [[ASIN:B00HA072DG|Tamron SP 150-600 mm f/5-6.3 Di VC USD]] kann hingegen in den genannten Bereichen punkten und bietet damit, im Falle des Bokehs wortwörtlich, rundere Gesamtpaket ab. Auch der Lieferumfang fällt mit einer Stativschelle und der Gegenlichtblende gut aus. Die derzeit vielerorts geforderten 1.200 Euro (Stand 23.03.2014) erscheinen fair, werden im Laufe der kommenden Monate mit besserer Verfügbarkeit jedoch sicherlich noch weiter nach unten tendieren.


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