ValueTech
Technik. Einfach. Verstehen.

Canon PowerShot G1 X Mark II - Oberklasse-Kompaktkamera im Test

|

Nach der Canon PowerShot G16 stellte Canon zur CP+ 2014 erwartungsgemäß die G1 X Mark II vor. Es gab auf dem Papier (fast) das übliche Paket zu sehen: Schneller (Serienbild, AF, Videomodus), mehr Weitwinkel, mehr Tele, eine bessere Ausstattung (Display, WiFi, NFC) und das ganze sogar etwas kompakter als zuvor. Auch am Trend hin zu größeren Pixeln hielt man mit 12 statt 14 Megapixeln ein. Doch wie schlägt sich das Update in der Praxis?Canon PowerShot G1 X Mark II - Die Oberseite wirkt aufgeräumt. Nur die Wiedergabetaste ist schlecht platziert.

Design und Verarbeitung 

In der europäischen Version liefert Canon die G1 X Mark II direkt mit einem etwas größeren Handgriff aus. Ein guter Schachzug, denn so liegt die neue PowerShot sicher in der Hand. Nur ist die Neuauflage leider weiterhin zu groß um in normale Hosentaschen zu passen. Und genau das sollte angesichts der (wahrscheinlich) avisierten Zielgruppe, eine Zweitkamera für professionelle DSLR-Nutzer, das Ziel sein.

[[YT:DtZkeASikP8]]

Die Bedienung wirkt an einigen Stellen leider noch nicht vollends durchdacht. Im Vergleich zur eigenen DSLR-Familie wirkt das Menü stellenweise chaotisch und macht auch die Umstellung schwer. Die beiden Einstellringe am Objektiv sind prinzipiell zu begrüßen, nur fehlen gebräuchliche Belegungsmöglichkeiten (ISO-Wert) und die Drehrichtung lässt sich nicht ändern. Da man so die Blende beispielsweise "seitenverkehrt" zur Anzeige auf dem Display drehen muss, dauert es lange die Kamera blind zu bedienen. Auch den Abspiel-Knopf auf der Oberseite verwechselt man schnell einmal mit dem An-/Ausschalter.

Bildqualität

Mit jedem neuen Bild, das wir betrachteten, schwankte die Meinung wieder ein Stück in die eine oder andere Richtung: Dem Preis entsprechend, auf DSLR-Niveau, "naja"... Besonders im Nahbereich und bei kürzeren Brennweiten (12 bis etwa 24 mm) ist das Bild gestochen scharf und könnte glatt von einer guten Festbrennweite stammen, wäre da nicht das eher durchschnittliche Bokeh.

Beispielbild: Canon PowerShot G1 X Mark II | 16 mm, f/3.2, 1/160 s, ISO-125Geht es jedoch weiter in den Tele-Bereich, nimmt die Detailauflösung schnell ab. Sehr feine Details wie Haare oder Gräser werden nur noch mäßig aufgelöst und halten keiner 1:1-Ansicht, sprich größeren Ausdrücken oder UHD-Monitoren, stand. Zur Verteidigung sei jedoch gesagt, dass bisher kaum ein RAW-Konverter nativ mit dem Bildmaterial der G1 X Mark II umgehen kann und hier womöglich noch Verbesserungen zu erwarten sind.

Beispielbild: Canon PowerShot G1 X Mark II | 57 mm, f/3.9, 1/200 s, ISO-320

Trotz des, für eine Kompaktkamera, sehr großen Bildsensors sowie nur 12 Megapixeln Auflösung fällt das Helligkeitsrauschen bereits bei ISO-100 auf, wenn auch noch nicht störend, steigt dann aber auch nur langsam an und ermöglicht auch bei wenig Licht noch gute Aufnahmen. Farbrauschen tritt erst bei wesentlich höheren ISO-Werten merklich auf. Im RAW-Modus fotografiert kann der Dynamikumfang zudem voll überzeugen und auch aus sehr hellen Bereichen noch viele Details herausholen.

Autofokus, Serienbild- und Videomodus

Wie bereits eingangs angeschnitten ist das Thema Geschwindigkeit eine der größten Baustellen gewesen: Canon setzt nun auf den DIGIC 6-Bildprozessor, reizt jedoch nicht dessen volles Potential aus. Mit aktiviertem Autofokus schafft die Mark II mit drei Bildern je Sekunde nun gut das 4-fache des Vorgängers und liefert eine halbwegs zeitgemäße Leistung ab.Beispielbild: Canon PowerShot G1 X Mark II | 12 mm, f/4, 1/500 s, ISO-100 Der Autofokus reagiert im Fotomodus meist eher träge, insbesondere im Makro-Bereich vergeht zuweilen über eine Sekunde bis zur Scharfstellung - und das auch bei guten Lichtbedingungen. Zwar lässt sich der zu fokussierende Bildausschnitt bequem mit dem Touch-Display auswählen, ähnlich teure Systemkameras bieten hier jedoch einfach mehr.

[[YT:GO3g2Zg7mSQ]]

Beim Thema Video hat man leider erneut enorm stark den Rotstift angesetzt: Der kontinuierliche Autofokus hat insbesondere bei der Gesichtsverfolgung Probleme, die integrierten Mikrofone liefern bei Sprachaufnahmen nur mittelmäßige Ergebnisse und lassen sich auch nicht durch ein externes Mikrofon "umschiffen". Die Bildwiederholrate bleibt mit 30 Bildern je Sekunde unter den Möglichkeiten - die PowerShot G16 erreicht mit dem gleichen Bildprozessor immerhin 60. Alles in allem sehr schade, da die Bildqualität prinzipiell überzeugen konnte, wenn das Bild stellenweise auch überschärft wirkt.

Fazit und Empfehlung

Es ginge einfach mehr: Die [[ASIN:B00II1KXL4|Canon PowerShot G1 X Mark II]] ist alles andere als eine schlechte Kompaktkamera und kann sich insbesondere dank des großen Bildsensors von den meisten Kompakten abheben. Doch die enormen Einsparungen am Videomodus, das stellenweise nicht ganz durchdachte Bedienkonzept und die nicht wirklich kompakten Abmessungen lassen andere Alternativen derzeit sinnvoller erscheinen.

Canon PowerShot G1 X Mark II - Die 2. Generation ist nur an dem kleinen Schriftzug oberhalb des Pop-Up-Blitzes zu erkennen.Die erst kürzlich getestete Olympus OM-D E-M10 mit 14-42 mm Kit-Objektiv ist mit dem integrierten Sucher kompakter als die G1 X Mark II mit dem Aufstecksucher [[ASIN:B00IFU12JA|EVF-DC1]], leichter, schneller, bietet eine DSLR-ähnliche Bedienung und ist zudem noch günstiger. Nur auf das in "Selfie-Position" klappbare Display der neuen PowerShot und NFC müsste man verzichten.


Kommentare