ValueTech
Technik. Einfach. Verstehen.

Sigma dp2 Quattro - Premium-Kompaktkamera mit Foveon-Sensor im Test

|

"Die sieht ja heiß aus! Welches Modell ist das?" - Keine Frage: Wer die neue Sigma dp2 Quattro in den Händen hält, der fällt auf. Dies mag vor allem dem futuristischen Äußeren geschuldet sein, die Technologie im Inneren kann sich jedoch ebenfalls sehen lassen und dürfte noch für die eine oder andere Diskussion sorgen. Wir werfen einen exklusiven Blick auf Sigmas neue Premium-Kompaktkamera.

Sigma dp2 Quattro

Design und Verarbeitung

Einen echten Vergleich konnten wir nicht finden, um die Formgebung der Quattro-Kameras zu beschreiben. Einige Kollegen haben die Sigma dp2 Quattro als Star-Trek-Kamera tituliert, womöglich eine nicht ganz falsche Bezeichnung. Hat man sich einmal an die Form gewöhnt, liegt die Quattro sicher in der Hand. Zwei kleine Designfehler verhindern jedoch, dass man von einem rundum gelungenen Konzept reden kann: Das Steuerkreuz auf der Rückseite ist genau dort, wo der Knöchel des Daumens gerne wäre und drückt dementsprechend. Die Befestigung für den Tragegurt an der rechten Seite hätte man besser anders platziert, in der aktuellen Position liegt der Gurt so entweder unter dem Zeigefinger oder zwischen letzterem und dem Mittelfinger.

[[YT:Nf4zINIg5iU]]

Die Verarbeitungsqualität ist hingegen erstklassig und wird dem Preis von knapp unter 1.000 Euro (UVP zur Markteinführung) gerecht. Nur der manuelle Fokusring am 30-mm-Objektiv gibt zu wenig Rückmeldung und könnte etwas straffer abgestimmt sein. Die beiden Einstellräder sind das exakte Gegenteil: Gutes Feedback und ein deutliches Einrasten in der nächsten Position.

Das Kameramenü wirkt aufgeräumt, generell dürften sich Canon-Nutzer sehr schnell zurechtfinden, der grundlegende Aufbau ist sehr ähnlich und gut durchdacht. Das (frei konfigurierbare) Quickset-Menü hat es uns besonders angetan, erlaubt es doch die acht am häufigsten verwendeten Einstellungen sehr schnell zu verändern (mehr dazu im Video unten).

Bildqualität

Doch kommen wir zum spannendsten Punkt: Die Bildqualität war bei Sigmas hauseigenen Kameras schon immer besonders, speziell aufgrund des Foveon X3-Direktbildsensors. Anstelle der typischen Bayer-Matrix sind die drei farbsensitiven Schichten hintereinander aufgereiht. Der Vorteil liegt bekanntermaßen in einer sehr guten Farbauflösung und einem sehr hohen Mikrokontrast: Wo "gewöhnliche" Kameras interpolieren müssen (Demosaicing), greifen Kameras mit Direktbildsensor auf die volle Farbinformation je Pixel zurück.Sigma dp2 Quattro Beispielbild | 30 mm, f/4, 1/250 s, ISO-100

Zwar sind entsprechende Sensoren alles andere als einfach in der Entwicklung, das Ergebnis kann jedoch zweifelsohne überzeugen. Um einen Eindruck von der hohen (Farb-)Auflösung zu bekommen, stellen wir das obige Bild in voller Auflösung zur Verfügung (Achtung: ca. 11 MB Dateigröße). Wer sich die Zeit nimmt und das Bild in der 100-Prozent-Ansicht betrachtet, der wird in der Mauer jede Pore erkennen und jeden noch so kleinen Farbklecks finden. Der Schärfeabfall an den Bildrändern ist zudem nur minimal. Sehr gut!

Einziger Nachteil: Um dieses Niveau an Bildschärfe zu erreichen, muss Sigma ein Objektiv mit fester Brennweite verbauen. Wer mit den 30 mm der dp2 Quattro nicht zurecht kommt, findet demnächst auch wieder mit den Modellen dp1 Quattro (19 mm) und dp3 Quattro (50 mm) entsprechende Alternativen.Sigma dp2 Quattro Beispielbild | 30 mm, f/2.8, 1/1'250 s, ISO-100Auch der Dynamikumfang konnte im Test überzeugen. Wer sich die Zeit nimmt und die Bilder im RAW-Konverter bearbeitet, kann weiterhin mit den Reglern für Spitzen, Tiefen und insbesondere "X3 Fill Light" auch in sehr kontrastreichen Situationen eine gute Durchzeichnung in dunklen wie hellen Bereichen erzielen. Einziger Wermutstropfen: Die Nachbearbeitung in Sigma PhotoPro 6 bringt auch eine leistungsstarke Workstation ordentlich ins Schwitzen. Die hohe Auflösung schreit förmlich nach einer optimierten Fassung mit OpenCL-Beschleunigung.Sigma dp2 Quattro Beispielbild | 30 mm, f/7.1, 1/30 s, ISO-1600

Das Bildrauschen konnte Sigma zwar merklich senken, auf dem Niveau vergleichbarer APS-C-Sensoren im klassischen Design ist man jedoch noch nicht. ISO-800 kann problemlos eingestellt werden, ISO-1600 (siehe oben) ist für Schwarz-Weiß-Aufnahmen ebenfalls noch gut zu gebrauchen. Darüber hinaus wird das Bildrauschen zunehmend zu einem echten Problem und ISO-6400 ist wirklich nur für Notfälle (lieber ein Foto als keines) zu empfehlen.

Autofokus und Serienbildmodus

Aber die Bildqualität war bereits bei der Merrill-Generation auf sehr hohem Niveau, ein Problem war hingegen schon immer die Geschwindigkeit. Der neue TRUE III-Bildprozessor (Three-layer Responsive Ultimate Engine) soll, so Sigma, eine schnelle Verarbeitung der "voluminösen Bilddateien" ermöglichen. Gelogen hat man dabei nicht, zumindest wenn man als Vergleich die sehr rechenintensive Konvertierung am PC heranzieht. Dank des vergrößerten Pufferspeichers lassen sich immerhin sieben RAW-Bilder in schneller Folge aufnehmen, das Abspeichern (und damit auch das Leeren des Puffers) dauert aber weiterhin viel zu lange (ca. 5 Sekunden je Bild).

[[YT:_kOoFgORhBs]]

Der 9-Punkt-Autofokus hat hier schon eher praxisrelevante Verbesserungen erfahren und fokussiert flotter als der Vorgänger, auch sehr starke Helligkeitsänderungen bringen den Autofokus nicht mehr so schnell aus dem Konzept. Den Videomodus hat man komplett entfernt - leider oder zum Glück, je nach Standpunkt.Sigma dp2 Quattro Beispielbild | 30 mm, f/2.8, 1/1'250 s, ISO-100

Die Implementierung im Vorgänger hat wohl eh niemand ernsthaft eingesetzt. Angesichts des Sensor-Layouts ist die Entfernung sehr schade. Mit einem Crop-Faktor von 1,4 könnte man 1.920 x 1.080 Pixel ansteuern (oder alternativ auch 2,5K bieten) und durch das Foveon-Konzept praktisch jegliches Moiré verhindern. Feine Strukturen wie z.B. Textilgewebe (siehe Bild oben) kann der Sensor beispiellos abbilden. Wenn auch sicherlich nicht als Firmware-Update für die dp2 Quattro, so könnten wir uns die Foveon-Sensoren sehr gut in einer Video-Kamera vorstellen!

Fazit und Empfehlung

Es kommt heute, bei all den Mini-Aktualisierungen, nur noch selten vor, dass ein neues Kameramodell einen bleibenden Eindruck hinterlässt, ja auch nur echtes Interesse weckt. Sigma hat es mit der dp2 Quattro geschafft - und wir werden zweifelsohne nicht der letzte Tester sein, der so denkt. So überragend die Bildqualität ist (und Kenner unserer Seite wissen, wie selten wir Superlative verwenden), so kontrovers kann man sicherlich das Äußere diskutieren.

Sigma dp2 Quattro - Der Lieferumfang kann sich sehen lassenWer kein Problem mit der außergewöhnlichen Form hat und es versteht mit einer Festbrennweite zu fotografieren, der wird nicht viele Negativpunkte finden. Die Akkulaufzeit ist weiterhin eher mager, immerhin gehören zwei Akkus zum Lieferumfang, sowie eine kleine Tasche für den Zweitakku. Auch das Abspeichern auf die Speicherkarte dauert noch immer zu lange, die Problematik im Serienbildmodus umschifft man aber zumindest durch den großen Pufferspeicher elegant. Zudem sehen wir die Quattro-Kameras sowieso nicht als Kamera für Fotografen in Action-betonten Umgebungen.

Wer sich diesen Limitierungen bewusst ist, der erhält mit der [[ASIN:B00KXNIBPK|Sigma dp2 Quattro]] eine verhältnismäßig kompakte und leichte Kamera mit einer Bildqualität, die auch nach häufigem Hinschauen immer wieder positiv überrascht.


Kommentare