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Nikon D810: 36-Megapixel-Monster im Praxis-Test

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Mitten im Sommerloch stellte Nikon Ende Juni sein Update der High-End-DSLRs D800 und D800E vor. Den von Nikon verwendeten Terminus "komplett neu" konnte damals bereits ein flüchtiger Blick ins Datenblatt als arg übertrieben enttarnen, heute wollen wir im Praxis-Test nun auch abseits von Zahlen und Daten einen Blick auf die neue DSLR werfen.Nikon D810 mit AF-S 24-120 mm VR [Bildmaterial: Nikon]

Design und Verarbeitung

Immerhin gut 3.000 Euro will Nikon für die D810 vom Käufer haben, ein Preispunkt der praktisch von A bis Z nach dem "Besten vom Besten" schreit. Beim Gehäuse geht man keine Kompromisse ein und setzt auf viel Metall, großzügig dimensionierte Gummierungen für einen sicheren Halt und hat auch sonst ergonomisch ein sehr gutes Rundumpaket geschnürt. Auch die seitlichen Anschlüsse sind wieder gut zusammengefasst, so befinden sich beispielsweise Mikrofon- und Kopfhöreranschluss unter einer Abdeckung.

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Auf der Rückseite finden wir das hochauflösende und 3,2 Zoll große RGBW-LCD mit 1,229 Millionen Pixeln wieder, genauso wie den optischen Sucher mit gewohnten 100 Prozent Sichtfeldabdeckung und einer Vergrößerung von 0,72. Zur einfachen Navigation im Menü (und, je nach Modus, auch Auswahl der AF-Felder) steht ein Steuerkreuz zur Verfügung. Am neuen "Einstellrad" mögen sich die Geister scheiden: Ein klassisches Moduswahlrad gibt es bei der D810 nicht, dafür eine Mischung aus Aufnahmeart-Einstellrad (Einzel-, Serienbild und Co.) sowie vier Knöpfen an der Oberseite (Weißabgleich, RAW/JPEG, Belichtungsmessung und ISO-Wert).

Serienbild und Autofokus

5 Bilder je Sekunde schaufelt die Nikon D810 bei voller Auflösung (14 bit NEF, FX-Modus) in den internen Pufferspeicher, wer auf den DX-Modus zurückgreift kommt sogar auf 6 Bilder in der Sekunde. Gespeichert wird wahlweise auf einer CompactFlash- und/oder SD-Speicherkarte - wie immer gibt es zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten, beispielsweise "RAW -> CF und JPEG -> SD" oder ein Backup auf der zweiten Karte. Für die maximale Leistung im Serienbildmodus empfiehlt sich auf jeden Fall eine CompactFlash-Speicherkarte, leider verschmäht die D810 insbesondere Modelle von Billigherstellern. Eine Auflistung funktionierender CompactFlash-Speicherkarten für die Nikon D810 finden Sie in unserer CompactFlash-Bestenliste.Beispielbild Nikon D810 + AF-S Nikkor 24-120 mm f/4G ED VR | 86 mm, f/4, 1/1600 s, ISO-1000

Das Autofokus-Modul bleibt im Vergleich zum Vorgänger unverändert und kommt auf 51 Autofokus-Felder, davon 15 Kreuzsensoren. Einstellen kann man bei Bedarf nahezu jedes Detail: Von den Klassikern (Einzelbild- oder kontinuierlicher Autofokus) über die Gruppierung von Messfelder, 3D-Tracking bis hin zur Prioritätensetzung auf Auslösung oder Scharfstellung hat der Fotograf freie Hand. Einziger Knackpunkt: Die AF-Felder decken nicht einmal den DX-Bereich des Bildsensors ab, was insbesondere beim 3D-Tracking die Möglichkeiten arg eingrenzt.

Bildqualität

Den Bildsensor hat Nikon, im Vergleich zur D800E, nur marginal verändert: Der Tiefpass-Filter ist nun wirklich vom Sensor verschwunden und sorgt für die bekannt hohe Bildschärfe. Doch 36 Megapixel wollen auch an einer Vollformat-Kamera erst einmal vom Objektiv erreicht werden, entsprechend hochwertige (und damit teure) Objektive sind von Nöten. Neben der sehr guten Bildschärfe ist auch der Dynamikumfang wieder ausgezeichnet, selbst bei Lichtempfindlichkeiten um ISO-1.600 ist noch kein merklicher Abfall zu sehen.Beispielbild Nikon D810 + AF-S Nikkor 24-120 mm f/4G ED VR | 120 mm, f/6.3, 1/1600 s, ISO-12.800

Das Bildrauschen kann aufgrund der hohen Auflösung natürlich nicht mit dem ausgezeichneten Rauschverhalten der Nikon Df oder Canon EOS 6D mithalten. ISO-51.200 ist dementsprechend nur in äußersten Notsituationen zu empfehlen, Aufnahmen bei ISO-12.800 lassen sich noch gut für Ausdrucke auf A4-Größe nutzen, wenn auch feine Strukturen wie Haare schon merklich an Schärfe verlieren. Das Farbrauschen lässt sich bis ISO-25.600 noch verhältnismäßig gut im Griff halten, tritt aber bereits sehr flächig auf.

Videomodus

Im Videomodus kann mit einer Lichtempfindlichkeit ab ISO-64 gefilmt werden, was insbesondere in sehr hellen Umgebungen das Maximum an Bildschärfe und Rauscharmut ermöglicht. Aber auch im Videomodus konnte uns die D810 leider nicht vollends bei hohen ISO-Werten überzeugen und verliert bereits bei ISO-1.600 viele Details. Gespeichert wird im QuickTime-Container, komprimiert wird mit gängiger H.264 Kompression (Profil: High@4.2) und unkomprimierter Audio-Spur (PCM Stereo, 48 kHz @16 bit).

Folgendes Video wurde komplett mit der Nikon D810 aufgezeichnet:

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Die Farben wirken zuweilen leicht übersättigt, der hohe Dynamikumfang des Bildsensors sorgt hingegen auch in sehr kontrastreichen Situationen für gut differenzierte Spitzenlichter und Schatten. Für den richtigen Klang kann ein externes Stereo-Mikrofon an die Nikon D810 angeschlossen werden, der Pegel lässt sich natürlich auch in der Kamera einstellen. Auch Online-Audio-Monitoring ist dank des Kopfhörerausgangs problemlos möglich.

Fazit und Empfehlung

Ob die Nikon D810 auf dem eigenen Wunschzettel stehen sollte hängt, einmal mehr, von den eigenen Vorlieben und Prioritäten ab. Lassen wir unsere Erfahrungen mit der D810 Revue passieren, lässt sich die DSLR als "auffällig unauffällig" beschreiben. Die [[ASIN:B00LI3UC24|Nikon D810]] hat keine echten Schwächen, nur Details die man gerne etwas besser sehen würde. Ein großes Highlight ist zweifelsohne der hochauflösende Bildsensor sowie das sehr gute und griffige Gehäuse.Beispielbild Nikon D810 + AF-S Nikkor 24-120 mm f/4G ED VR | 82 mm (DX-Modus), f/5, 1/1000 s, ISO-64

Wer einen Available-Light-Künstler sucht, auf ein sehr gutes Gehäuse nicht verzichten möchte und im Bereich Video sowie Autofokus noch etwas mehr Spielraum bevorzugt, sollte sich den direkten Konkurrenten, die [[ASIN:B007KKKJYK|Canon EOS 5D Mark III]] genauer anschauen. Sollten Sie Hilfe bei der Wahl der passenden Kamera benötigen, treffen wir Sie gerne im ValueTech-Community-Forum wieder.


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