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Sony Alpha A7s - Vollformat-DSLM für Video-Profis im Test

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Es war schon eine kleine Überraschung, als Sony im April mit der Alpha 7s eine kompakte Vollformat-DSLM vorstellte, die "nur" mit 12 Megapixeln auflöst. Die geringe Auflösung versprach prinzipiell zwei Vorteile: Das obligatorisch geringe Bildrauschen sowie Vorteile im Videomodus (Stichwort Moiré), da sich der komplette Bildsensor bis zu 50 Mal je Sekunde auslesen lässt.

Design und Verarbeitung

Inklusive Akku und Speicherkarte bringt die Alpha 7s keine 500 Gramm auf die Waage und ist damit ein echtes Leichtgewicht. Nicht ganz so federleicht wiegt der Preis mit stolzen 2.399 Euro (UVP) - ohne Kit-Objektiv, wohlbemerkt. Dafür gibt es viel Metall an die Hände des Fotografen oder Filmers sowie eine, für die Größe, erstaunlich griffige Kamera. Aufgrund der kompakten Abmessungen muss auf ein zweites LC-Display an der Oberseite verzichtet werden, Bedienelemente sind jedoch ausreichend vorhanden: Frei belegbare Funktionstasten, zwei Einstellräder, ein Moduswahlrad sowie ein extra Einstellrad für die Belichtungskorrektur erleichtern die Handhabung.

Sony Alpha A7s: Die Materialien sind hochwertig und die Bedienung einfachAuf der Rückseite finden wir das 3,0-Zoll-TFT-Display mit 922.000 Pixeln, genauso wie den elektronischen OLED-Sucher (EVF) mit gewohnten 2,4 Millionen Pixeln und 100 Prozent Sichtfeldabdeckung. Neue Maßstäbe setzt man damit nicht und bleibt auch hinter den hauseigenen DSLT-Kameras zurück, zum Einstellen der Bildschärfe hätten wir uns zudem einen etwas höher auflösenden Bildschirm (z.B. aus der Alpha 77 Mark II) gewünscht.

Serienbild und Autofokus

Immerhin 5 Bilder je Sekunde lassen sich mit der Sony Alpha 7S aufnehmen, angesichts der geringen Auflösung sowie des spiegellosen Design hätten wir hier mit weitaus höheren Bildraten gerechnet. Freunde der Sport- oder Wildlife-Fotografie wird man damit eher nicht zum Kauf animieren, für eine "kurze Bildserie zwischendurch" reicht die Leistung aber allemal.

Beispielbild Sony A7s + Zeiss SEL55F18Z Sonnar T* FE ZA | f/1.8, 1/60 s, ISO-3200Beim Autofokus-Modul setzt Sony auf einen Kontrast-Autofokus mit 25 Zonen, hier spielt man dann auch die sehr hohe Lichtempfindlichkeit aus und kann selbst in tiefster Nacht noch treffsicher den Fokus einstellen. Zum Fokussieren regelt die Kamera kurzzeitig den ISO-Wert entsprechend hoch und schaltet bei Bedarf noch das AF-Hilfslicht hinzu. Lediglich weit entfernte Objekte mit wenig Textur stellen hier naturgemäß ein Problem dar, da weder das AF-Hilfslicht (zu hohe Entfernung) noch der Kontrast-Autofokus selbst (fehlende Kontrastkanten) dafür ausgelegt sind.

Bildqualität

Spannend wird es bei der Bildqualität der Sony Alpha 7s insbesondere bei wenig Licht. Wir haben dazu Beispielbilder während des 'Festival of Lights' in Berlin aufgenommen - von der Langzeitbelichtung bei ISO-100 bis hin zu Aufnahmen aus der Hand bei ISO-65.535.Beispielbild Sony A7s + Zeiss SEL55F18Z Sonnar T* FE ZA | f/10, 10 s, ISO-100

Die geringe Auflösung hat hierbei gleich zweierlei Vorteile: Das Bildrauschen ist erwartungsgemäß gering und erlaubt bis etwa ISO-16.000 noch problemlos Ausdrucke auf A4-Größe, auch bei höheren ISO-Werten hält sich das Helligkeitsrauschen in Grenzen, das Farbrauschen wird hingegen spätestens ab ISO-32.000 zum echten Problem. Auch der hohe Dynamikumfang dürfte den sehr großen Pixeln zu verdanken sein.Beispielbild Sony A7s + Zeiss SEL55F18Z Sonnar T* FE ZA | f/6.3, 10 s, ISO-125

Die geringe Auflösung wird der Alpha 7s immer dann zum Verhängnis, sobald das Bild nachträglich beschnitten werden soll. Wer plant in Ultra-HD (2160p) zu produzieren, kann in Standbildern nur etwa 10 Prozent "hineinzoomen" ohne an Bildschärfe zu verlieren. Auch für Sport- und Tierfotografen eignet sich die Sony-DSLM so nur bedingt.

Videomodus

Im Falle der Videoaufnahme (und damit auch Paradedisziplin der Sony Alpha 7s) sind die zuletzt genannten Nachteile hingegen zu verschmerzen. Die Einstellmöglichkeiten in der Kamera sind umfangreich: Vom Blu-Ray-tauglichen AVC- und MP4-Format (bis zu 24 Mbit/s) bis hinzu XAVC-S (H.264-Kompression; Profil: High@4.2; 50-60 Mbit/s) mit unkomprimierter Audiospur (PCM; 48 kHz; 16 bit) lässt sich in der Kamera alles speichern.

[[YT:DvAmf__zhok]]

Wer in der Nachbearbeitung einen möglichst hohen Freiheitsgrad braucht, kann dank der S-log 2 Gammaeinstellung (Bildprofil PP7) ein stark in Sättigung und Kontrast reduziertes Video aufnehmen. Für actionreiche Aufnahmen stehen in Full HD-Auflösung bis zu 60 Bilder zur Verfügung (1080p24/25/30/50/60). Wer nur in HD-Ready-Auflösung filmen will oder kann, kann sogar auf bis zu 120 Bilder/Sekunde zurückgreifen (720p100/120). Folgendes Video wurde komplett mit der Sony Alpha 7s aufgezeichnet:

[[YT:0TOiQLbf4Jk]]

Aufnahmen in XAVC-S setzen zwingend eine mindestens 64 GB große SDXC-Speicherkarte voraus, dafür entfällt (dank des exFAT-Dateisystems) das übliche 4-GB-Dateilimit und auch längere Videoaufnahmen werden in einer Datei gespeichert. Trotz all des Lobes bleibt aber auch beim Videomodus ein Pferdefuß - ein gewaltiger: UHD-Videos lassen sich nicht direkt in der Kamera aufzeichnen sondern ausschließlich über einen externen, UHD-tauglichen HDMI-Rekorder wie dem Atomos Shogun (UVP: 1.450 Euro zzgl. Steuern).

Fazit und Empfehlung

Es ist leider typisch für Sony, dass man hervorragende Produkte entwickelt, sich am Ende aber selbst ein Bein stellt. Die [[ASIN:B00KPV1RW4|Sony Alpha 7s]] hätte definitiv das Zeug gehabt die neue Referenz für semiprofessionelle Filmer zu werden und den Erfolg zu wiederholen, den Canon mit der EOS 5D Mark II vor 6 Jahren dank des "HD-Booms" feiern durfte. Der große und sehr gute Sensor bietet zudem diverse Vorteile um sich von der [[ASIN:B00IN2V9UC|Panasonic Lumix GH4]] abzusetzen.

Sony Alpha A7s: Die Auswahl an FE-Objektiven ist noch geringDie (angesichts des leistungsstarken Bildprozessors) womöglich reine Marketing-Entscheidung, UHD-Videos nicht direkt in der Kamera aufzeichnen zu können, eliminiert jedoch enorm viel Potential. Die Kombination aus Sony A7s und einem 4K-HDMI-Rekorder kostet derzeit etwa 3.000 Euro und konkurriert damit sowohl preislich als auch in Sachen Komplexität (Bedienung) mit Profi-Kameras wie der Blackmagic Production Camera 4K, die dank Canon EF- und PL-Anschluss eine deutlich größere Objektivauswahl zu günstigeren Preisen bieten.

Sollten Sie Hilfe bei der Wahl der passenden Kamera benötigen, treffen wir Sie gerne im ValueTech-Community-Forum wieder.


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