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Samsung NX1 - Der Fotomodus der Profi-DSLM im Test

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Zur photokina 2014 überraschte Samsung mit der NX1: Während sich viele der etablierten Hersteller vor allem mit Modellpflege begnügten oder eher das Zubehörangebot ausbauten, wurde die NX1 so weder erwartet, noch in der Form. Bis Anfang Dezember hat die Markteinführung gedauert, nun hatten auch wir (endlich) die Chance zu einen ausführlichen Test.

Samsung NX1: Die vier Tasten für ISO-Wert, Weißabgleich, Belichtungsmessung und Autofokus sind sehr klein geraten

Design und Verarbeitung

Im Vergleich zu den Prototypen auf der photokina fühlt sich die finale NX1 auch wirklich "fertiger" an. Viele Einstellräder sind aus Metall, der Lock-Mechanismus am Moduswahlrad ist Samsung außerordentlich gut gelungen und auch sonst stehen zur Bedienung viele Knöpfe und Einstellräder zur Verfügung. Mit nicht einmal 600 Gramm fällt die NX1 zudem sehr leicht aus.

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Ganz ohne Schnitzer sind aber auch Samsungs erste Gehversuche im Profisegment nicht: Nur ein einzelner Slot für SD-Speicherkarten sind im Profibereich unüblich, auch könnte das Gehäuse generell etwas griffiger sein und bietet vor allem großen Händen zu wenig Platz. Gespart hat Samsung zudem beim Zubehör: Ein Akkuladegerät gehört nicht zum Lieferumfang, der Akku muss in der Kamera über das beiliegende USB-Kabel geladen werden. Ein externes Ladegerät soll in Kürze unter dem Namen Samsung BC4NX03 erscheinen - für 40 Euro.

Serienbild und Autofokus

Geschwindigkeit ist gewiss eines der beiden Hauptmerkmale der Samsung NX1: Knackige 15 Bilder je Sekunde befördert die NX-Kamera in den internen Pufferspeicher, egal ob RAW oder JPEG. Im Falle von RAW-Bildern kann das Tempo für knappe 20 Bilder gehalten werden (also kaum mehr als eine Sekunde), danach wird die SD-Speicherkarte zum limitierenden Faktor. Zwar unterstützt die Samsung NX1 UHS-II-Speicherkarten mit bis zu 312 MB/s, mehr als 70 MB/s sind in der Realität jedoch nicht möglich. Damit ist man nicht schneller als beispielsweise Nikon mit seiner Einsteiger-DSLR D3300. Wer nicht die vollen 15 Bilder/s benötigt, kann die Rate auch reduzieren und so zwar langsamer dafür aber längere Serien aufnehmen.

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Das Autofokus-Modul wurde komplett neu entwickelt und setzt auf eine Mischung aus 205 Phasen- und 209-Kontrast-Autofokuspunkten direkt auf dem Sensor. Als wäre dies nicht bereits Superlativ genug, führt Samsung auch noch 153 der 205 Phasen-AF-Sensoren als Kreuzsensor aus. Der Vorteil liegt in der praktisch kompletten Abdeckung des Sensorbildes, an der Präzision muss Samsung jedoch noch etwas feilen. Auch die Auswahl einzelner AF-Punkte oder die Gruppierung selbiger haben Konkurrenten wie Canon, Nikon und Sony besser im Griff und bieten damit für den Fotografen ein besseres Nutzungserlebnis.

Bildqualität

Als zweites Hauptmerkmal würden wir das Thema Bildqualität einordnen: Ein 28,2-Megapixel-Sensor ist in APS-C-Größe derzeit Rekord (zumindest abseits von Technikstudien einiger Hersteller), umso erstaunlicher war Samsungs Aussage dies ohne eine Verkleinerung der Pixeloberfläche im Vergleich zum Vorgänger (ca. 20 Megapixel) erreicht zu haben. Der "Trick" ist ganz einfach: Anstelle eines klassischen CMOS-Sensors setzt Samsung auf einen BSI-CMOS-Sensor (rückseitig belichtet). Hierbei wandert die Verdrahtung auf die Rückseite der Pixel und lässt somit mehr Platz für die eigentlichen Photodioden.Beispielbild der Samsung NX1 mit 16-50 mm f/2-2.8 OIS | 50 mm, f/8, 1/5 s, ISO-100

Doch genug der Theorie: Mehr Pixel bedeuten meist auch mehr Bildrauschen, konnte Samsung das verhindern? Nicht nur das! Nach unseren Tests lässt sich sagen, dass Samsung das Rauschverhalten trotz einer um 40 Prozent erhöhten Auflösung sogar noch etwas senken konnte. Selbst mit nur minimaler Filterung lassen sich Bilder mit ISO-3.200 noch problemlos für große Ausdrucke verwenden, selbst Aufnahmen mit ISO-12.800 lassen sich noch für kleinere Ausdrucke - oder herunterskaliert im Web - nutzen. Das Maximum von ISO-51.200 empfehlen wir hingegen nur für Notfälle.Beispielbild der Samsung NX1 mit 16-50 mm f/2-2.8 OIS | oben ISO-51.200, unten ISO-100

Wer die maximale Bildqualität erleben will sollte, neben einem geringen ISO-Wert, auch ein hochwertiges Objektiv nutzen. Im Test mit dem Premium-Standard-Zoom [[ASIN:B00I0QZCH2|Samsung 16-50 mm f/2-2.8 OIS]] konnten wir problemlos bis auf den letzten Pixel scharfe Bilder erzielen - bisher leider auch das einzige Samsung-Objektiv, das uns wirklich überzeugen konnte. Als Erweiterung im Tele-Bereich hat Samsung seit kurzem noch das [[ASIN:B00NKZHB2W|50-150 mm f/2.8 S OIS]] im Angebot, weitere "Premium-Objektive" werden hoffentlich bald folgen.

Fazit und Empfehlung

Es ist geschafft! Die [[ASIN:B00NKZHAUK|Samsung NX1]] ist der erste Gehversuch vom südkoreanischen Giganten im Profisegment der Fotografie und man steht definitiv auf beiden Beinen, wenn auch zum Teil noch etwas wackelig. Durchweg überzeugen kann der Bildsensor mit einer sehr hohen Auflösung und einem ausgezeichneten Rauschverhalten für eine APS-C-Kamera.Samsung NX1: SD-Speicherkarten und UHS-II werden unterstützt

Wirkliche Konkurrenz gibt es derzeit eigentlich auch nicht: Die Canon EOS 7D Mark II spielt in anderen Preisregionen, die Nikon D7100 kann vom Funktionsumfang nicht mithalten und auch die Sony Alpha 77 Mark II kommt nicht an die Samsung NX1 heran. Nur beim Objektivangebot muss Samsung nach kräftig nachlegen oder zumindest Anreize für Dritthersteller bieten.


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