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Der Videomodus der Samsung NX1 - von der Aufnahme bis zum Schnitt

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Vor einer Woche haben wir uns ausführlich mit dem Fotomodus der Samsung NX1 beschäftigt: Vom Autofokus und Serienbildgeschwindigkeit, die Handhabung bis hin zur Bildqualität. Im zweiten Teil dreht sich alles um den UHD/4K-Videomodus der Samsung NX1 und wie sich dieser in der Praxis schlägt - von der Aufnahme bis zum Videoschnitt.

Samsung NX1: Die vier Tasten für ISO-Wert, Weißabgleich, Belichtungsmessung und Autofokus sind sehr klein geraten

Die Aufnahme

Umständlich gestaltet Samsung leider die Bedienung der NX1 im Videomodus. In der von uns getesteten Firmware-Version 1.1 verhageln viele (zumeist) unnötige Detailfehler das Bild: Die Samsung NX1 bietet beispielsweise keinen gesonderten Videomodus sondern lediglich den Rec-Schalter sowie einen Video-Stand-By-Modus. In den letzteren gestellt fehlen elementare Funktionen wie Fokushilfen (MF-Lupe und -Skala) oder ein Histogramm zur Einstellung der Belichtung. Wer den Fokus einmal eingestellt hat wird sich darüber ärgern, dass der Fokus im Stand-By oder beim Speicherkartenwechsel automatisch auf 'unendlich' zurückgesetzt wird.

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Der "HDR-Videomodus" SmartRange+ wiederrum scheint noch nicht vollends ausgereift, neigt er doch zum Flackern. Auch der Akkuverbrauch erschien zu hoch: Selbst mit angestecktem Ladekabel verliert die Samsung NX1 noch Akkukapazität während der Aufnahme. Ein kleiner Konstruktionsfehler sind auch die sehr eng beieinanderliegenden Anschlüsse für Mikrofon und Kopfhörer - Kopfhörer oder Mikrofone mit breiteren Anschlüssen blockieren schnell den jeweils anderen Anschluss.

Der Schnitt

Leider reißen die Probleme damit nicht ab. Wie auch bei der neuen Samsung NX500 setzt man auch bei der NX1 auf den modernen, platzsparenden H.265-Codec, auch als HEVC bekannt. Prinzipiell eine gute Sache: UHD-Videos lassen sich so praktisch mit den gleichen Datenmengen abspeichern wie Full-HD-Videos zuvor in H.264. Trotz vierfache Detailmenge steigen demzufolge nicht die Anforderungen an die Datenspeicherung.

Der Samsung Movie Converter nutzt beim Um-codieren von H.265-Videos nur etwa zwei ProzessorkerneWäre da nicht das Wörtchen "aber". Das Problem: Kein Videoschnittprogramm unterstützt derzeit H.265. Selbst wenn entsprechende Plug-Ins bereitstehen sollten, fehlt es derzeit zudem schlichtweg an einer Hardwarebeschleunigung durch moderne Grafikkarten. So werden nur beim Abspielen des Videomaterials bereits Hochleistungsprozessoren wie ein [[ASIN:B00CLD9URS|Intel Core i7-4770]] komplett ausgelastet, an eine Nachbearbeitung ist gar nicht erst zu denken.

Dementsprechend muss das Videomaterial vor dem Bearbeiten in bekannte, kompatible Formate (mit deutlich mehr Speicherbedarf) umgewandelt werden. Samsung bietet dazu den Movie Converter an (zu finden direkt auf der Kamera), schlampt aber auch hier, zum Teil massiv, an der Programmierung: Kaum zwei Prozessorkerne werden ausgenutzt, dadurch skaliert das Programm nicht auf PCs oder Notebooks mit mehr Rechenkernen. Selbst Hochleistungs-PCs brauchen so schnell 6-8 Stunden zum Umwandeln von einer Stunde Videomaterial, Notebooks kommen problemlos auf 12-20 Stunden.

Wer sich den Aufwand macht und die Videos beispielsweise in Apple ProRes umwandelt, wird dafür mit einem gestochen scharfem UHD-Bild belohnt.

Fazit und Empfehlung

Seiner Zeit voraus! Die [[ASIN:B00NKZHAUK|Samsung NX1]] ist für Filmer ein wirklich zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite das knackscharfe UHD-Bild mit gutem Dynamikumfang und, bei Bedarf, auch geringem Kontrast für mehr Potential in der Nachbearbeitung. Auf der anderen Seite viele Softwarefehler und die Fehlentscheidung bereits 2014 auf H.265 gesetzt zu haben.Samsung NX1: SD-Speicherkarten und UHS-II werden unterstützt

Eine potentielle Samsung NX2 hätte damit wohl punkten können - in etwa 2 Jahren dürften auch Schnittprogramme und die Hardwareumgebung so weit sein um das neue Videoformat im Produktionsalltag effektiv zu nutzen. So bleibt die Samsung NX1 jedoch stellenweise überambitioniert und fehlerhaft. Zumindest im Videomodus.


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