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Sony Alpha 7R II - DSLM mit 42 Megapixeln Auflösung im Kurztest

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42 Megapixel, verteilt auf den weltweit ersten BSI-CMOS-Sensor im Vollformat, kombiniert mit einem 5-Achsen-Bildstabilisator, 399 Autofokus-Feldern und einem nativen 4K-Videomodus. Was nach dem Traum vieler Profi- und technikbegeisterten Hobby-Fotografen klingt, schickt sich an Canon und Nikon den Kampf anzusagen. Wie schlägt sich die Sony Alpha 7R II?Sony Alpha 7R Mark II [Bildmaterial: Sony]

Design und Verarbeitung

Für immerhin 3.500 Euro (ohne Kit-Objektiv) wird man als potentieller Käufer so einiges erwarten - und auch nicht enttäuscht. Das mit 582 Gramm nun etwas schwerer Kameragehäuse wurde vor allem im Bereich des Handgriffes überarbeitet und liegt so nun sicherer in der Hand. Auch hat Sony einige Bedienelemente neu angeordnet. Besonders erfreulich: Die Funktion zum Starten und Stoppen der Video-Aufnahme lässt sich nun auf viele andere Tasten legen. Ein versehentliches Betätigen wie beim Vorgänger (die Taste befindet sich seitlich am Handgriff)) wird dadurch endlich unterbunden.Sony Alpha 7R Mark II [Bildmaterial: Sony]

Verbessert hat Sony ebenfalls den Sucher. Zwar bleibt die Auflösung bei, durchaus guten, 2,4 Millionen Pixel, dafür wurde die dahinterliegende Optik überarbeitet, was in mehr Schärfe zum Bildrand hin sowie einem etwas größeren Sucherbild resultiert. Verbessert wurde die Auflösung des 3"-Displays auf der Rückseite um etwa 30 Prozent.

Weiterhin schlecht ist die Akkulaufzeit. Leider hat Sony die Änderungen am Gehäuse nicht für einen größeren Akku genutzt und setzt weiter auf den [[ASIN:B003NJVY14|NP-FW50]] mit 7,7 Wh. Zum Vergleich: Canon und Nikon setzen, trotz des weitaus stromsparenderen Designs mit Spiegelkasten, auf Akkus mit jeweils 13,3 Wh (72 Prozent mehr) und ermöglich so problemlos tausende Aufnahmen mit einer Akkuladung.

Serienbild und Autofokus

Das ein Bildsensor mit üppigen 42 Megapixel viele Daten produziert ist nicht verwunderlich, trotzdem konnte Sony die Geschwindigkeit im Serienbildmodus immerhin von 4 auf 5 Bilder/s steigern. Für sehr actionreiche Szenarien eignet sich die Kamera damit immer noch nur bedingt, immerhin erlaubt der sehr große Pufferspeicher problemlos 20-25 RAW-Bilder am Stück aufzunehmen.Testbild Sony Alpha 7R II + ZEISS Batis 85 mm f/1.8 | f/3.2, 1/200s, ISO-125

Der Hybrid-Autofokus kommt auf 399 Phasen-AF-Punkte, kombiniert mit dem Kontrast-AF vom Bildsensor - und das auf immerhin 45 Prozent der Bildfläche. Die große Abdeckung sowie die vielen AF-Felder ermöglichen endlich eine gute Nachverfolgung von Objekten (AF-Tracking), wenn auch der Fokus im ersten Praxistest nicht immer auf den Punkt saß.

Bildqualität

Ein besonderes Highlight der Sony Alpha 7R II ist natürlich der neue 42-Megapixel-Vollformatsensor mit rückwärtiger Belichtung (BSI-CMOS), von Sony kurz Exmor R (R = Reverse) genannt. Vorteil an dieser Konstruktionsweise ist eine höhere Lichtausbeute bei gleicher Pixelgröße, Sony münzt den Vorteil primär in eine höhere Auflösung um. Das Rauschverhalten bei wenig Licht ist, angesichts der Auflösung, sehr gut. Ab Lichtempfindlichkeiten von ISO-12.800 lässt die Detailschärfe jedoch merklich nach.

Testbild Sony Alpha 7R II + ZEISS Loxia 35 mm f/2 | f/3.5, 1/8000s, ISO-12800Doch die Sony Alpha 7R II gehört mit der hohen Auflösung wohl eh eher ins Studio oder soll Landschaftsfotografen bei Langzeitbelichtungen glücklich machen. Bei geringen ISO-Werten sollte dies auch kein Problem sein, ist die Bildschärfe praktisch über jeden Zweifel erhaben. Nur bei sehr feinen Strukturen (wie Haaren) sieht man weiterhin die Interpolation vom Bayer-Sensor und kann nicht mit Konstruktionen wie dem Foveon-X3-Direktbildsensor mithalten.

4K-Videomodus

Viel Kritik musste Sony einstecken, insbesondere bei der Alpha 7s: Zwar bot man einen 4K-Videomodus, jedoch nur mit einem externem Aufnahmegerät. Mit der Alpha 7R II gehört nun auch dies der Vergangenheit an - und nicht nur das. Die Alpha 7R II kann entweder den kompletten Bildsensor (36 MP; 16:9-Ausschnitt) auslesen oder einen Bildausschnitt in der Größe von Super 35mm (15 MP). Im letzteren Fall wird jedes einzelne Pixel zur Berechnung herangezogen (Für die Experten: Full Pixel Read-Out ohne Line-Skipping und ohne Binning), beim kompletten Bildsensor muss dann auch Sony vor der Datenflut kapitulieren und fasst einige Subpixel vor dem Auslesen zusammen (Binning).

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So oder so weiß die Bildschärfe im 4K-Videomodus zu überzeugen, dank S-log2 Gamma ist auch wieder ausreichend Potential in der Nachbearbeitung vorhanden. Zum guten Ton gehören natürlich ein Mikrofoneingang sowie Kopfhörerausgang. Einige Kritikpunkte, neben der schon erwähnten Akkulaufzeit: Die Kamera heizt sich merklich auf und selbst mit passenden Speicherkarten (SDXC-Speicherkarten mit U3-Geschwindigkeitsklasse) verweigert die Sony Alpha 7R II die Aufnahme in maximaler Qualität (100 Mbit/s). Hier kann Sony hoffentlich bald mit einem Firmware-Update Abhilfe schaffen.

Update, 06.08.2015: Sony hat uns darüber informiert, dass die zur Verfügung gestellten SD-Speicherkarten fehlerhaft waren. Wir werden dies möglichst zeitnah überprüfen.

Fazit und Empfehlung

Zumindest nach dem ersten Kontakt steht eines fest: Canon und Nikon müssen sich warm anziehen, denn mit der Alpha 7R Mark II hat Sony ein (sehr) heißes Eisen im Feuer. Preislich liegt man auf dem Niveau mit der genannten Konkurrenz, bei den Objektiven sogar meist noch ein gutes Stück darüber. Ob sich die Alpha 7R II lohnt hängt schlussendlich von vielen Faktoren ab.Testbild Sony Alpha 7R II + ZEISS Batis 85 mm f/1.8 | f/3.2, 1/200s, ISO-125

Geht es "nur" um die Bildqualität, haben Canon (EOS 5Ds) und Nikon (D810) ähnlich gute Pakete im Angebot - vor allem für den Einsatz im Studio oder bei Landschaftsaufnahmen. So richtig Punkten kann Sony vor allem mit der Kompaktheit (was in Kombination mit großen Tele-Objektiven wiederum kein Vorteil sein muss) und dem 4K-Videomodus, im Gegenzug ist die Akkulaufzeit weiterhin gerade noch Befriedigend.


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