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Panasonic Lumix S1 - Bildqualität, Autofokus, Serienbild und 4K-Video im Test

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Unter dem Motto „Vollformat ohne Kompromisse“ kündigte Panasonic seine zwei ersten Vollformat-DSLM-Kameras aus der S-Serie vor. Bereits beim Kurztest Ende Januar machte die Lumix S1 einen guten Eindruck, nun folgt der umfangreiche Test in den Bereichen Bildqualität, 4K-Video, Autofokus, Serienbild und vielen mehr. Und die Antwort auf die Frage: Ist der Preis gerechtfertigt?

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Denn im Vergleich zur Nikon Z6 und Sony Alpha 7 III kostet die Panasonic Lumix S1, inklusive Kit-Objektiv, fast 1.000 Euro mehr. An der Ausstattung hat der japanische Kamerahersteller definitiv nicht gespart: Die Lumix S1 bietet ein staub- und spritzwasserfestes Magnesiumgehäuse, zwei Speicherkarten-Slots (XQD/CFe, SD), einen modernen USB-C-Anschluss inklusive Power-Delivery-Unterstützung (27 W; Akkuladung und Dauerbetrieb) sowie die in der Preisklasse üblichen Anschlüsse (HDMI, Mikrofon, Kopfhörer).

Neue Maßstäbe setzt Panasonic beim elektronischen Sucher (EVF): Das OLED-Panel löst mit 5,8 Megapixel gut 50 Prozent höher auf als die Spitzenklasse andere Hersteller und bietet zudem eine 0,78-fache Vergrößerung. Das rückseitige 3,2“ RGBW-LCD kommt auf 2,1 Megapixel und lässt sich in drei Achsen bewegen. Dreh- und schwenkbar, wie bei der bei Filmern beliebten GH5, ist das Display nicht.

4K-Videomodus

Als neuen Videospezialisten hat Panasonic in der Zwischenzeit die Lumix S1H auserkoren, die S1 nimmt die Rolle eines soliden Foto-Video-Hybriden ein. Folglich gibt es Einschnitte für professionelle Filmer: 6K-Anamorph-Video und Timecode fehlen gänzlich, eine zeitlich unbeschränkte 4K-Aufnahme ist nur bei bis zu 30 Bilder/s möglich, V-log und eine 10-bit-Aufzeichnung (4:2:2) müssen mit dem Firmware-Upgrade DMW-SFU2 kostenpflichtig aktiviert werden (199 Euro; als Einführungsaktion bis September kostenfrei).

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An den Grundlagen gibt es derweil wenig zu meckern: Auch feine Strukturen bereiten der Lumix S1 keine Probleme (Moiré), dank Kopfhöreraus- und Mikrofoneingang im klassischen 3,5-mm-Klinke-Format kann der Ton bequem in der Kamera aufgezeichnet und überwacht werden, neben Bildprofilen lassen sich Luminanzbereiche sowie (rudimentäre) Tonwertkurven einstellen und der große Akku speichert genügend Energie für mehrere Stunden Aufnahmezeit.

Die Lumix S1 arbeitet immer ohne Pixel Binning und bei 24-30 Bilder/s auch ohne Beschnitt, bei 50 respektive 60 Bilder/s erfolgt im 4K-Modus jedoch ein deutlicher 1,5x Crop (APS-C-Format). Der einzig echte Kritikpunkt: Beim Video-Autofokus muss sich Panasonic weiterhin Canons DPAF, Sony und Fujifilm geschlagen geben. Auch Nikon konnte hier zuletzt deutlich aufholen.

Ganz ohne Kompromisse geht es für Panasonic im Vollformat offensichtlich auch nicht. Der Vollständigkeit halber sei aber erwähnt, dass derzeit kein anderer Hersteller 4K-Videoaufnahmen mit bis zu 60 Bilder/s in einer Vollformat-DSLM anbietet. Zur "4K-Krone" fehlt nun nur noch ein wirklich zuverlässiger Video-Autofokus.

24 und 96 Megapixel in einer Kamera

Panasonic verbaut auch in der S-Serie stabilisierte Bildsensoren (IBIS), die bis zu 5,5 EV längere Belichtungszeiten respektive 6 EV in Kombination mit stabilisierten Objektiven (Dual I.S.) erlauben. Wir konnten im Test mit der Lumix S1 bei Verschlusszeiten von 1/10 s und 200 mm Brennweite über 90 Prozent scharfe Aufnahmen erzielen, vereinzelt gelangen auch bei 1/3 s noch scharfe Aufnahmen.

Testbild Panasonic Lumix S1 + Lumix S PRO 70-200 mm f/4 O.I.S. | 70 mm, f/4, 1/20 s, ISO-160

Doch die beweglichen Bildsensoren können noch mehr: Wie bereits in der Lumix G9, einigen Olympus- und Pentax-Kameras kann auch die Lumix S1 mehrere Bilder mit minimalem Versatz aufnehmen und diese zu einem (RAW-)Bild zusammenfügen. Die Technik dahinter wird gemeinhin als High-Resolution-Shot oder Pixel-Shift bezeichnet. Im Falle der S1 werden acht Aufnahmen mit 24 Megapixeln angefertigt (192 Megapixel Bildinformationen), die zu einem Bild mit 96 Megapixel Auflösung verrechnet werden.

Einziger Nachteil: Da die acht Bilder hintereinander aufgenommen werden, muss die Szenerie so unbewegt wie möglich sein. Aufnahmen von Menschen, Tieren oder Sport sind folglich nicht sinnvoll, für die Architektur-, Produkt- oder Landschaftsfotografie bietet die S1 hingegen eine willkommene und massive Auflösungssteigerung gegenüber der Konkurrenz.

Panasonic Lumix S1: Bildrauschen bei ISO-50 (li.) und ISO-6400 im Vergleich

Neben der steigenden Auflösung profitieren Fotografen auch von einem reduzierten Bildrauschen, da mehr Bildinformationen pro Pixel zur Verfügung stehen. Und ohne High-Resolution-Shot? Zwar gehen ab ISO-3200 bereits sichtbar Details im Rauschen unter, bis ISO-6400 können die Bilder aber problemlos auch für größere Ausdrucke herhalten. Klassenstandard im Jahr 2019.

KI-Autofokus und Serienbild

Der Autofokus wurde mittels Deep Learning trainiert und kann Augen, Gesichter, Menschen und Tiere (Hunde, Katzen, Vögel) erkennen – sowie verfolgen. Bei mehreren erkannten Objekten im Bild kann mit einem Druck auf den AF-Joystick zwischen den Objekten gewechselt werden. Doch selbst "unbekannte Objekte" verfolgt die S1 oftmals, wie die Biene im Bild unterhalb.

Einziges Problem: Wie im Videomodus sorgt der DFD-Autofokus (Depth from Defocus; Kontrast-AF mit Phasen-AF-ähnlicher Arbeitsweise) gelegentlich für ein leichtes Pumpen, das vor allem bei kurzen Fokusdistanzen und hohen Lichtstärken im Sucher auffällt.

Testbild Panasonic Lumix S1 + Lumix S 24-105 mm f/4 O.I.S. | 105 mm, f/5.6, 1/400 s, ISO-400

Führt die Lumix S1 den Fokus nach (AF-C), sind bis zu 6 Bilder/s im Serienbildmodus möglich, ohne Nachführung sogar 9 Bilder/s. Die Länge der Serienaufnahme hängt von der verwendeten Speicherkarte ab, beim Einsatz von schnellen SD- und XQD-Speicherkarten sind 90 RAW-Bilder und mehr am Stück möglich. Nach unseren Tests sind mit SD-Speicherkarten bis zu 135 MB/s möglich, mit den zumeist deutlich teureren XQD-Karten nur unwesentlich schnellere 150 MB/s.

Fazit und Empfehlung

Die [[MMID:2525121|Panasonic Lumix S1]] kostet bereits ohne Kit-Objektiv (Lumix S 24-105 mm f/4 Macro O.I.S.) so viel wie eine Sony Alpha 7 III und Nikon Z6 mit Kit-Objektiv – stolze 2.500 Euro. Mit Kit-Objektiv klettert der Preis auf 3.400 Euro und damit in eine ganz andere Preisklasse. Womit mir wieder bei der Ausgangsfrage wären: Ist der hohe Preis gerechtfertigt?

Panasonic Lumix S1: Die Kamera bietet die Möglichkeit SD- und XQD-Speicherkarten einzulegen

Ja und nein. Nein, denn vor allem für ambitionierte Hobbyfotografen bietet Sony mit der Alpha 7 III ein deutlich erwachseneres System mit einer großen Objektivauswahl samt immer mehr Fremdherstellern mit moderateren Preisen als die Hausmarken. Ja, denn Panasonic packt neben dem wohl besten elektronischen Sucher auch andere Funktionen in die S1, die keine anderen Vollformat-DSLM bietet: 4K-Video mit bis zu 60 Bilder/s, einen High-Res-Shot mit 96 Megapixeln, beleuchtete Tasten und vieles mehr. Ferner kombiniert man ein Schulterdisplay mit zwei Speicherkarten-Slots. Bisher mussten sich Vollformat-DSLM-Fans für eines entscheiden.