ValueTech
Technik. Einfach. Verstehen.

UHDTV - Es braucht noch Zeit [IFA IMB 2013]

|

Im Rahmen des IFA Innovations Media Briefings, einer Vorabveranstaltung der IFA in Berlin, fand parallel die Branchenkonferenz der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) Insight & Trends statt. Ein Thema dabei war neben SmartTV natürlich UHDTV mit teils interessanten Erkenntnissen.

IFA IMB 2013 - Präsentation Marcel GonskaMarcel Gonska, Geschäftsführer der WLC GmbH (ein breit aufgestelltes Beratungsunternehmen für Fernsehhersteller, -anbieter und -entwickler), präsentierte einen Überblick über den aktuellen Stand sowie anstehende Entwicklungen im Bereich Ultra-HDTV (UHDTV).

Was ist UHDTV? 

Die erste Frage die sich dabei stellt: Was UHDTV eigentlich ist und benötigen wie es überhaupt? UHDTV steht für den Nachfolger von HDTV und bietet in der ersten Ausbaustufe die vierfache Auflösung von Full-HD, sprich 3.840 x 2.160 Pixel. Die Notwendigkeit ergibt sich aus zwei Faktoren: Zum einen werden die verkauften Fernseher immer größer. Aktuell besitzt bereits ein Drittel der in Deutschland vorhandenen Flachbildfernseher eine Diagonale von 42 oder mehr Zoll. Die von uns Endkunden geplanten Größen für den nächsten Fernseher liegen, laut der Studie unter 9.000 Haushalten in ganz Europa, für entsprechend große Fernseher gar bei knapp über zwei Dritteln - und das ohne sich vergrößernde Wohnzimmer.IFA IMB 2013 - Präsentation Marcel Gonska Dementsprechend wird hier bereits per se eine höhere Auflösung benötigt um nicht wieder eine verpixelte Darstellung zu erzeugen. Ein weiterer Grund ist die sogenannte Hyper-Sehschärfe, eine von uns praktisch nur unterbewusst wahrgenommene Detailebene, die in der Theorie nicht mehr von unserem Auge erfasst wird. Der Effekt lässt sich selbst einfach überprüfen: Ein UHDTV-Bild wirkt wesentlich plastischer und vermittelt ein stärkeres Mittendringefühl, auch wenn ein Full-HD-Bild aus gleicher Entfernung noch nicht verpixelt wirkt.IFA IMB 2013 - Präsentation Marcel Gonska Je nach Sitzabstand und Bildschirmdiagonale wird UHDTV entweder unseren Sehsinn ausreizen (relativ nah an einem großen TV) oder bereits für das "echte Mittendringefühl" sorgen. Im Falle der immer größer werdenden Fernseher in kleinen und mittleren Wohnzimmern wird erst die zweite Ausbaustufe (UHDTV 2) mit nochmals verdoppelter Auflösung von dann insgesamt 7.680 x 4.320 Pixeln die notwendige Detailmenge liefern.

Bis dahin sind jedoch noch viele Hürden auf der Seite der Industrie zu nehmen. Diese sind weniger technischer Natur - die entsprechenden Technologien sind praktisch alle vorhanden oder am Abschluss der Entwicklung. Wie schon bei 3D heißt das aktuell größte Problem: Inhalt, oder "Neudeutsch" eben Content, Content, Content!

Der Weg ist das Ziel 

Der Unterschied zu 3D jedoch ist, dass viele Spielfilme oder Dokumentationen, egal ob digitalisierte 35 mm Filme oder neue Hollywood-Produktionen, bereits lange in entsprechend hoher Auflösung vorliegen - meist in 5k oder 6k für Kinoprojektoren. Die Inhalte selbst sind bereits vorhanden und auch für kleinere Produktionen rücken Aufnahmen in ausreichend hoher Qualität in greifbare Nähe.IFA IMB 2013 - Präsentation Marcel Gonska Das Problem ist jedoch der Weg der Inhalte auf den TV. Würde man die Datenraten einer handelsüblichen Blu-Ray hochrechnen, würde ein UHDTV-Film etwa 128 Mbit/s (16 MByte/s) benötigen und damit keine Stunde Filmmaterial aufnehmen können. Doch dank neuer Videokompressionsverfahren wie HEVC (aka H.265) wären recht problemlos ähnliche Datenraten wie aktuell für Full-HD (30 - 40 Mbit/s) möglich. Als Alternative wäre natürlich auch das Streaming via Internet zu nennen, allerdings ist hierfür der Breitbandausbau in Deutschland noch nicht weit genug fortgeschritten.

Auch die rein physikalische Übertragung vom PC, Notebook, Tablet oder eben dem Blu-Ray-Player sorgt derzeit noch für Probleme. Zwar kann HDMI in der aktuellen Version (1.4b) UHDTV mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde übertragen. Jedoch sind für UHDTV neben einer höheren Auflösung auch eine größere Farbtiefe (10 bit), weitere Farbräume sowie eine höhere Farbauflösung (4:2:2 oder 4:4:4 anstatt 4:2:0) im Gespräch - genauso wie 60 oder später bis zu 120 Bilder je Sekunde.IFA IMB 2013 - Präsentation Marcel Gonska Man erkennt an der, in dieser Hinsicht "anschaulich verwirrenden", Folie die aktuellen Baustellen bei der Standardisierung. Noch ist weder das Kompressionsverfahren (HEVC), die Übertragungstechnik (DVB-T/S/C), die Speicherung (Blu-Ray), der Kopierschutz (HDCP 2) oder die zu unterstützende Bildrate festgelegt. Dementsprechend gibt es auch noch kein UHDTV-Logo wie man es von HD-Ready oder Full-HD gewöhnt war. Die Käufer von den ersten UHDTVs laufen also Gefahr am Ende womöglich auf einem nicht vollends kompatiblen Endgerät sitzen zu bleiben.

Dies wurde in der Branche sowie von vielen Kollegen anderer Magazine oft als "selbst Steine in den Weg legen" wohl nicht ganz unzutreffend tituliert. Die Filmstudios und Kamerahersteller sind hier aktuell einige Jahre weiter und könnten schon lange die notwendigen Inhalte bereitstellen. Unter der Hand war zu hören, dass man mit einem großen UHDTV-Durchbruch nicht vor Ende 2014 zu rechnen braucht - auch wenn entsprechende TVs zweifelsohne auf der IFA wieder eine bedeutende Rolle spielen werden.


Kommentare