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LG G3: Mit Laser-Autofokus in den Smartphone-Himmel?

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LG versucht schon seit Längerem auf dem hart umkämpften Smartphone-Markt erfolgreich zu werden, doch gefühlt wollte das in der Vergangenheit durch die übermächtige Konkurrenz nie so wirklich gelingen. Mit einer soliden Palette an neuen Geräten – darunter auch das hier getestete LG G3 – konnte man das Blatt nun aber scheinbar wenden, da im vergangenen Quartal gleich 20 % mehr Smartphones verkauft wurden als im Vorjahreszeitraum. Wir wollen deswegen das aktuelle Flaggschiff mitsamt seiner interessanten Features genauer unter die Lupe nehmen.

Design und Verarbeitung

Auf das Äußere waren wohl nicht nur wir zur Ankündigung gespannt, denn LG versprach ein Kunststoffgehäuse, das jedoch in Sachen Aussehen und Haptik ähnlich den Smartphones mit Rückseite aus Aluminium sein soll. Kurzum: Dieser Anspruch wird nicht erfüllt. Vom Gefühl her kommt man einfach nicht an HTC One & Co. heran, zudem ist die Rückseite recht empfindlich für Kratzer. Optisch ist sie trotzdem gut gelungen wie wir finden, dazu fügen sich hier die Rear Keys samt Kamera und Blitz nahtlos ein. Plastik-typisch ist die Schale natürlich auch abnehmbar, darunter verbergen sich ein großer Akku sowie der Micro-SIM-Slot. Unserer Meinung nach sind die Rear Keys hier auch deutlich besser gelungen als noch beim LG G Flex, alles fühlt sich einfach besser an und wirkt im Gesamtbild etwas schlüssiger.

Die Rückseite des G3 in Metall-Optik spart Gewicht und Platz [Bildmaterial: LG]

Auch wenn wir keine Fans von Kunststoff sind, so bringt es doch durchaus Vorteile mit sich. Das Display ist mit einer 5,5 Zoll Diagonale hart an der Grenze zwischen Smartphone und Tablet, doch durch den dünnen Rahmen ist es nur wenige Millimeter größer als ein Galaxy S5 oder One (M8). Das Gewicht liegt bei schnittigen 149 Gramm und profitiert ebenfalls vom Kunststoff, eine Dicke von 8,9 Millimetern liegt im guten Bereich.

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Alles in allem macht die Vorderseite einen hübschen Eindruck, das LG Logo an der Unterseite in geschliffener Optik gefällt uns zumindest. Auch insgesamt wirkt das G3 trotz Kunststoff gut verarbeitet, nichts knarzt, es ist und lediglich viel zu groß. Gesonderte Android-Buttons sind nicht vorhanden, diese finden auf dem Bildschirm Platz. Bedingt durch die Rear Keys finden sich ansonsten um das Gerät herum keine weiteren Tasten, lediglich Micro-USB- und Kopfhörer-Anschluss sowie eine Infrarot-LED an der Oberseite für die Nutzung als Fernbedienung fallen auf.

Leistung

Zur Überprüfung der Leistungsfähigkeit haben wir einen neuen Testparcours, speziell auf Smartphones und Tablets abgestimmt, erarbeitet. Bei der Zusammenstellung der Testprogramme wurde auf eine möglichst gute Vergleichbarkeit geachtet, auch über mehrere Plattformen hinweg. Nichts desto trotz ist auch weiterhin ein Vergleich zwischen Geräten mit Apple iOS, Google Android und Windows 8 (Tablet) respektive Windows Phone nicht einfach. In den Gesamtwert fließen folgende drei Themenkomplexe mit jeweils gleicher Gewichtung ein:

  1. Ausstattung: Speicherkapazität, Arbeitsspeicher und Pixeldichte
  2. 3D/Spiele: GFX-Bench 2.5/2.7/3.0
  3. Internet: SunSpider (1.0.2) und Rightware BrowserMark 2.0/2.1

GFXbench 2.7 T-Rex HDDes Weiteren finden sie im Diagramm auch Werte für Futuremarks aktuellen 3DMark Ice Storm - da dieser jedoch nicht unter Windows Phone verfügbar ist, fließen die entsprechenden Werte nicht in den Mittelwert ein (die Geräte werden im Diagramm nicht angezeigt). Betrugsversuche der Hersteller, wie Beispielsweise die "Optimierungen" von Samsung und HTC am Futuremark 3DMark, werten wir mit 0 Punkten im entsprechenden Test ab.

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Anmerkung: Um eine bessere Übersichtlichkeit zu gewährleisten, werden nur neue Produkte sowie ältere Produkte, auf welche Bezug genommen wird, angezeigt. Eine komplette Übersicht aller getesteten Smartphones und Tablets entnehmen Sie bitte unserer Rangliste.

Um mit der Konkurrenz mithalten zu können setzt das LG G3 naturgemäß ebenso auf den aktuell beliebten Snapdragon 801 mit 2,46 GHz Quad-Core-Prozessor sowie – und das verwirrt etwas – je nach Wahl eine Kombination aus 2 GB Arbeitsspeicher und 16 GB Massenspeicher oder 3 GB Arbeitsspeicher und 32 GB Massenspeicher, Platz für eine microSDXC-Karte ist ebenfalls vorhanden. Wir hatten erstere in der Hand, dementsprechend sind unsere Benchmark-Werte auch nur dafür gültig. Hier schlägt man sich wacker und ist im Großen und Ganzen gleichauf mit dem Galaxy S5.

Die Oberfläche des G3 wirkt deutlich frischer und heller als noch beim G Flex

Die Android-Version ist mit 4.4.2 gleich mit dem G Flex, jedoch wurde die Oberfläche massiv überarbeitet und bietet ein helleres Gewand, die bis auf kurze Mikroruckler zwischendurch einen guten Eindruck macht. Dabei sind auch wieder viele Features wie Gestensteuerung oder Dual Window, die beim richtigen Einsatz das Smartphone-Leben erleichtern können.

Per Dual Window kann man mit zwei Apps gleichzeitig arbeiten, was durch den großen Bildschirm auch stellenweise Sinn macht

Multimedia

Als eines der ersten Smartphones weltweit wollte das LG G3 mit einem IPS-Display mit QHD-Auflösung (2.560 x 1440) überzeugen. Die extrem hohe Pixeldichte von 534 PPI sorgt für ein sehr scharfes Bild, was jedoch merklich an der Akkulaufzeit kratzt. Gegen richtige Kratzer ist das Display durch das berühmte Gorilla Glass 3 geschützt. Trotz allem Hype fällt der Unterschied zu einem Full HD-Display allerdings sehr gering aus. Zudem könnte die Helligkeit doch etwas höher sein, gerade im Sommer war es bei praller Sonne oft schwierig noch etwas zu erkennen, dafür wirken die Farben lebendig, Kontrast und Blickwinkelstabilität fallen ebenfalls hervorragend aus.

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Der Akku des LG G3 ist mit 3.000 mAh einer der aktuell stärksten, kann allerdings den Stromfressen nur bedingt Einhalt gebieten. Die "normale" Laufzeit über den Tag ist hervorragend, hier macht das G3 eine gute Figur, kommt es allerdings zu Spielen oder zur Videowiedergabe fließen die Elektronen en masse in Richtung Display. Als kleine Besonderheit ist der microUSB 2.0-Port auch gleichzeitig ein SlimPort, was bei der Nutzung an einem Fernseher via Adapter diverse Vorteile gegenüber dem sonst genutzten MHL bringt, außerdem lässt sich das LG G3 auch kabellos über den Qi-Standard aufladen.

Die Kamera des G3 schießt bei gutem Licht scharfe Fotos, dank des Laser-Autofokus wird bei nahen Objekten auch schnell fokussiert

In Sachen Konnektivität bietet man – wer hätte es gedacht – wieder volles Programm mit Dual-Band WLAN a/b/g/n/ac, Bluetooth 4.0 und NFC sowie unterwegs LTE Cat. 4 (150 Mbit/s) und HSPA+ (42 Mbit/s). Mit dem Laser-Autofokus ist die 13-Megapixel-Kamera eines der Highlights, denn dadurch stellt sie zwar auch bei wenig Licht extrem schnell scharf, jedoch funktioniert das nur bis ca. 50 cm Abstand, darüber hinaus wird ein normaler Kontrast-AF genutzt. Die Bilder wirken scharf und werden schnell ausgelöst, durch den Dual-LED-Blitz sorgt man bei Blitz-Fotos auch für ein etwas natürlicher wirkendes Licht und abschließend hilft uns auch der OIS+ genannte Bildstabilisator bei längeren Belichtungszeiten und Videos. Eine UHD-Videoaufnahme wird auch hier wieder angeboten, ist aber einmal mehr Marketing-Gag als sinnvoll nutzbar - gleiches gilt für die Pseudo-HD-Zeitlupenfunktion (siehe Video oben). Die Frontkamera mit 2,1 Megapixeln absolviert ihren Job solide und lässt sich sogar per Geste auslösen.

Fazit und Empfehlung

Die aktuellen Quartalszahlen von LG belegen bereits, dass man so langsam den richtigen Riecher und passend dazu gute Smartphones entwickelt. Das LG G3 gehört auf jeden Fall dazu, denn es verfügt über eine erstklassige Ausstattung und auch wechselbare Akkus und erweiterbaren Speicher fanden wir schon immer gut. Der Verzicht auf Metall ist schade, kommt aber Preis und Gewicht zugute, jedoch hätte man vielleicht dazu stehen können, statt den Look imitieren zu wollen. Ein weiteres Manko ist für das viel zu große Display sowie die hohe Auflösung: Bei einer derart hohen Pixeldichte wäre zu Full HD wohl kein Unterschied zu sehen, so opfert man für reines Marketing wertvolle Akkulaufzeit.

Unserer Meinung nach hat LG hier vieles richtig gemacht und somit ein gutes High-End-Smartphone geschaffen, das keine großen Fehler begeht. Wer also auf der Suche nach einem Handy mit großem Display und jede Menge Power ist, der dürfte beim [[ASIN:B00KKM2OTS|LG G3 (16 GB)]] fündig werden, der Preis von aktuell 499 Euro (Stand 15.08.2014) liegt in einem ähnlichen Bereich wie das Samsung Galaxy S5 oder Sony Xperia Z2. Wie immer gibt es natürlich auch eine entsprechende Mini-Version: Das LG G3 "s" sollte ab Mitte August lieferbar sein, leider mit stark abgespeckter Hardware.


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