Adobe RGB vs. SRGB. Warum Adobe RGB?

  • Ich lese mich gerade durch verschiedene Berichte zum Thema SRGB und Adobe RGB im Zusammenhang mit Monitoren und Bildbearbeitung.


    Ein paar kurze Aussagen und die Frage,ob ich es richtig verstanden habe:


    1.RAW Dateien haben einen größeren Farbraum als Adobe RGB und SRGB.


    2.Adobe RGB hat wiederum einen größeren Farbraum als SRGB


    3.Laut den Berichten im Internet können die meisten Geräte wie auch Fotolabore (zb CEWE etc.) lediglich SRGB darstellen.


    Sprich,um sicherzustellen das im Druck wie auch auf anderen Gerätschaften möglichst alles ähnlich aussieht wäre die sicherste Variante SRGB zu nutzen.


    Da insbesondere Monitore die Adobe RGB möglichst stark abdecken teurer sind als Monitore die SRGB abdecken,was bewegt einen dazu sich überhaupt für Adobe RGB zu entscheiden?


    Ich habe den Eindruck,dass ich den Vorteil des größeren Adobe RGB Farbraums nur dann wirklich nutzen kann,wenn ich die Fotos auf einem entsprechenden vorhandenen Monitor anschauen kann oder den Workflow bis zum Ausdruck in Adobe RGB sicherstellen kann.


    Für mich als Hobby Fotograf stellt sich da die Frage,weshalb Adobe RGB sich trotz der zuvor genannten Gründe so großer Beliebtheit erfreut?


    Vielen Dank schon Mal für eure Meinung.Vielleicht liege ich ja völlig falsch 😁

    Nikon D750, Nikkor 50mm 1.8G, Tamron 17-35 2.8-4


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  • Ein paar kurze Aussagen und die Frage,ob ich es richtig verstanden habe:

    1.RAW Dateien haben einen größeren Farbraum als Adobe RGB und SRGB.

    2.Adobe RGB hat wiederum einen größeren Farbraum als SRGB

    3.Laut den Berichten im Internet können die meisten Geräte wie auch Fotolabore (zb CEWE etc.) lediglich SRGB darstellen.

    1. Das hängt von der Farbtiefe der RAW-Datei ab. Es gibt Kameras mit 10, 12 und 14 Bit RAW-Farbtiefe.
    2. ja
    3. ja

    Wobei der Unterschied von sRGB zu AdobeRGB primär bei grün- und cyan relevant wird.
    https://commons.wikimedia.org/…1931_AdobeRGB_vs_sRGB.png

    Sehr interesant ist übrigens auch diese Farbtabelle, bei welcher die korrelierende Wellenlänge zu jeder Farbe gezeigt wird:
    https://web.archive.org/web/20…gnetkern.de/spektrum.html

  • Das hängt von der Farbtiefe der RAW-Datei ab. Es gibt Kameras mit 10, 12 und 14 Bit RAW-Farbtiefe.

    Farbtiefe hat per se nichts mit dem Farbraum zu tun. Die Farbtiefe in bit gibt an, wie viele Abstufungen es für einen Farbkanal gibt (8 bit = 256; 10 bit = 1.024; 14 bit = 16.384). Sprich ein RAW-Bild bietet z.B. 16.384 verschiedene Rottöne an. Beginnend bei Schwarz (0) bis zum maximal gesättigten Rot (16.383).


    Der Farbraum definiert wiederum, wie ein volles Rot, Grün und Blau aussieht (bzw. bei Druck-Farbräumen wie CMYK auch mehr/andere Primärfarben). Im folgenden Diagramm sind einmal einige Farbräume eingetragen. Wie sehen, dass sich sRGB und AdobeRGB eigentlich nur beim Grün unterscheiden, wodurch natürlich auch Mischfarben aus Grün und Rot (Gelb, Orange...) sowie Grün und Blau (Türkis, Himmelblau...) etwas weiter abgebildet werden.



    Der farbige Bereich gibt übrigens das sichtbare Spektrum des menschlichen Auges wieder. Das sind also quasi die 100%, die wir sehen können.


    RAW-Bilder haben streng genommen gar keinen Farbraum. RAW-Bilder haben für jeden Subpixel einen Helligkeitswert (0-16383 bei 14 bit). Es hängt letztendlich von den Farbfiltern auf dem Bildsensor ab, welche Wellenlängenbereich ein Subpixel repräsentiert. Es gibt auch Kameras, die für die beiden grünen Subpixel im Bayer-Layout zwei verschiedene Grüntöne nutzen (u.a. die erste EOS 7D).


    Erst die Kamera (OoC JPEG) oder der RAW-Konverter legen ein Farb- und Gamma-Profil auf das RAW-Bild und erzeugen die endgültige Ausgabe. Einige RAW-Konverter wie Capture One bieten auch die Möglichkeit ein anderes Farbprofil zur Umwandlung zu nutzen.


    Um die eigentliche Frage zu beantworten: Ohne entsprechende Sperrfilter würden Bildsensoren auch auf Anteile von Ultraviolett und Infrarot reagieren (siehe Astro-Kameras ohne IR-Sperrfilter), also außerhalb des für uns sichtbaren Spektrums. Der "Farbraum" eines gewöhnliches RAW-Bildes deckt also für gewöhnlich den gesamten Bereich dessen ab, was wir mit unseren Augen sehen können. Sprich alles was im Diagramm oben irgendwie farbig ist. Wie viele Farben man davon darstellen kann ist wiederum deutlich komplizierter^^


    Bildquelle: BenRG and cmglee, CIE1931xy gamut comparison, CC BY-SA 3.0

    Canon EOS 5Ds R | Irix 15 mm f/2.4 | Canon EF 24-70 mm f/4L IS USM | Sigma 35 mm f/1.4 Art | Canon EF 50 mm f/1.8 STM | Canon EF 100 mm f/2.8L IS USM Macro

    Panasonic Lumix GH5 + Metabones Speed Booster XL

    Sony Alpha 7 III + Sigma MC-11

  • Danke für die wirklich gut verständliche Erklärung. Als Laie ist es gar nicht so einfach sich da von null an reinzulegen,aber das hat Sinn gemacht.


    Für mich bleibt trotzdem die Frage offen,weshalb Fotografen meinetwegen für einen Kunden an einem meinetwegen Highend Monitor in Adobe RGB ihre Bearbeitung machen,wenn der vermutlich überwiegende Teil der Nutzer gar nicht über die erforderlichen Ausgabegeräte verfügen,um das fertige Foto darzustellen.


    Ich habe beispielsweise gelesen,dass ein Foto welches unter Berücksichtigung von Adobe RGB bei einer Ausgabe in SRGB "blasser" wirkt.


    Für mich wirkt es ein bisschen so,als würde ich mir beispielsweise eine Playstation 5 (Adobe RGB) nehmen und diese an einen alten Röhrenfernseher (SRGB) anschließen oder hinkt der Vergleich?

    Nikon D750, Nikkor 50mm 1.8G, Tamron 17-35 2.8-4

  • Ein bisschen^^ Ganz allgemein ist es auf jeden Fall sinnvoll im Zielfarbraum zu arbeiten, also z.B. sRGB im Falle von Fotografen mit "normalen" Endkunden.


    Bei Ton ist das nicht anders: Natürlich ist ein Dolby Atmos Mix toll für diejenigen, die ein entsprechendes System haben. Ein dedizierter Stereo-Mix für Leute ohne Mehrkanalsystem ist dennoch oft gern gesehen.

    Canon EOS 5Ds R | Irix 15 mm f/2.4 | Canon EF 24-70 mm f/4L IS USM | Sigma 35 mm f/1.4 Art | Canon EF 50 mm f/1.8 STM | Canon EF 100 mm f/2.8L IS USM Macro

    Panasonic Lumix GH5 + Metabones Speed Booster XL

    Sony Alpha 7 III + Sigma MC-11

  • Der Adobe RGB Farbraum bietet dir eine größere Auswahl an Farben als sRGB. Wenn du jetzt ein Bild von dem Adobe RGB Farbraum z.B. den sRGB Farbraum konvertierst fehlen dir manche Farben. Dadurch sieht das Bild anders aus oder wie du sagst "blasser". Gleiches gilt für andere Farbräume etc.. Matzes Beispiel mit dem Ton veranschaulicht dies auch sehr gut.
    Letztendlich sieht ein Bild auf jeden Bildschirm anders aus, da nicht jeder Bildschirm die gleichen Farben darstellen kann. Das Problem ist nicht trivial, da dein Bild auf deinem Monitor gut aussehen kann, auf deinem Handy aber einen Farbstich haben könnte.
    Man muss sich also bewusst sein, dass man es je nach Endgerät mit verschieden Farbräumen zu tun hat.


    Beim Druck kommt noch ein weiteres Problem dazu. Es wird nämlich mit dem CMYK-Farbraum gedruckt. Das Problem kennst du bestimmt.
    Dein Foto sieht am Monitor so aus wie du es dir vorstellst und wenn du es ausdruckst stimmen die Farben nicht 100%ig überein. Das ist alles garnicht so einfach und man benötigt Erfahrung in dem Bereich. Kalibrierte Bildschirme können dort helfen. Das ganze Thema heißt Farbmanagement falls du dazu noch mehr wissen willst. Ist ganz nett das alles mal gehört zu haben und man sollte sich damit beschäftigt haben, wenn man viel und hochwertig drucken möchte.

    Nikon Z6 II