Reicht das Kit-Objektiv aus?

  • Hallo liebe Community,


    da ich neu hier im Forum und zugleich auch in der Fotografie bin, sprich ich informiere mich stets über Kameras, speziell DSLR's und Fotobearbeitung, habe ich natürlich vor mir auch eine solche zuzulegen. Doch welche Spiegelreflex es nun sein soll ist gar nicht meine Frage, da es ja für einen Neueinsteiger von geringerer Priorität ist, da wohl die meisten, wenn nicht alle neuen Kameras klasse Bilder festhalten können.


    Doch ich höre immer wieder verschiedene Meinungen über die Kit-Objektive. Sind diese denn nun ausreichend um in die Fotografie einzusteigen, Landschafts-, aber auch Makroaufnahmen zu machen?Ich möchte zu Beginn nicht so viel Geld für ein Objektiv ausgeben, auch wenn viele dazu raten. Fällt einem Amateur ein so deutlicher Unterschied der Bildqualität auf, wenn ein teureres Objektiv verwendet wird?


    MfG

    Sony Alpha 6000 | SEL-P1650 | SEL50f18 | Walimex Pro 12mm/f 2.0 | Manfrotto Befree | Crumpler Quick Escape 150


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    • Offizieller Beitrag

    Das hängt nur davon ab was Du fotografieren willst. Für Landschaftsaufnahmen (Weitwinkel) kann man die Kit-Objektive ganz ordentlich nutzen, wenn man keine besonderen Ansprüche an die Wetterfestigkeit und Co hat.


    Bei Makros sieht es schon etwas anders aus. Du hast meist max. Abbildungsmaßstäbe von 1:3 bis 1:5 bei den Kit-Objektiven. Ich nenne das gerne "Pseudo-Makro" oder "Beinahe-Makro". Mit einem "richtigen" 1:1 Makro kommst Du eben noch einmal deutlich näher heran, die Frage ist wie oft man das braucht. Problematisch ist eher, dass 55 mm für viele Makro-Anwendungen zu kurz sind.


    Auch bei Themen wie Portraitaufnahmen hast Du mit Kit-Objektiven weniger Freude und siehst selbst mit dem deutliche Unterschiede.

    Canon EOS 5Ds R | Irix 15 mm f/2.4 | Canon EF 24-70 mm f/4L IS USM | Sigma 35 mm f/1.4 Art | Canon EF 50 mm f/1.8 STM | Canon EF 100 mm f/2.8L IS USM Macro

    Sony Alpha 7R IV | Tamron 28-75mm f/2.8 Di III RXD | Sigma MC-11

    Panasonic Lumix GH5 + Metabones Speed Booster XL

  • Willkommen im Forum!


    Die Antwort ist ein klares und bestimmtes "Jein". Außerdem: Hier im Forum (deshalb ist es ein Forum) kriegst Du natürlich auch immer nur "Meinungen" zu den Objektiven, und womöglich auch verschiedene. Du musst Dir halt raussuchen, was Dir wichtig ist.


    Die Kit-Objektive sind oft besser als ihr Ruf. Sie machen recht scharfe Bilder und die Bildstabilisatoren sind recht ordentlich. Sie sind außerdem meistens recht schnell und zuverlässig im Fokussieren. Wenn Du Bilder willst, die wirklich erkennbar schärfer sind oder ein wunderschönes "Bokeh" haben, musst Du womöglich recht viel Zaster hinlegen.


    Die Schwächen der Kit-Objektive sind unter anderem die recht einfache Verarbeitung (Plastik, nicht sturzfest oder wasserdicht) und auch das Handling (für manuelles Fokussieren oder Video-Zoomen sind die Ringe oft nicht weich genug in der Bewegung und zu kurz in der zurückzulegenden Drehstrecke). Der Haupt-Vorteil eines besseren Objektivs liegt aber sehr häufig in der weiter aufmachbaren Blende (kleinere Blendenzahl, z.B. F/2.8 statt F/3.5-4.8). Das resultiert nicht zwangsweise in viel besseren Fotos, hat aber in meinen Augen vor allem zwei Vorteile:

    • Man kann viel leichter einen verschwommenen Hintergrund provozieren, wenn man z.B. Porträts fotografiert. Das ist bei vielen Fotografen sehr beliebt und eine recht einfache/elegante Möglichkeit, ein Objekt vor dem Hintergrund hervorzuheben.
    • In dunkleren Umgebungen fällt noch mehr Licht auf den Chip und man kann mit kürzeren Belichtungszeiten und/oder niedrigeren ISO-Zahlen fotografieren. Falls Du z.B. einfach Personen in Innenräumen ohne extra Beleuchtung fotografieren willst, wirst Du hier den größten Unterschied sehen, da die Bilder weniger verwackelt und verrauscht werden.

    Alle anderen Vorteile sind nett, aber nicht grandios. Ich denke, für Landschafts- und Makroaufnahmen sind die Kit-Objektive für den Anfang echt nicht so schlecht. Bildkomposition und Motiv machen da vermutlich deutlich mehr Foto-Qualität aus, und die kannst Du mit den Kit-Objektiven super trainieren und dabei auch wirklich schöne Bilder erhalten.


    Man sagt zwar, dass für das Objektiv etwa genau so viel Geld fließen sollte wie für den Body, da es ähnlichen oder sogar mehr Einfluss auf die Bildqualität hat. Ich denke aber, dass man die Kit-Objektive für nur einen winzigen Aufpreis zum Body dazu kriegt, und dass sich das auf jeden Fall lohnt. Wenn Du dann mehr Spaß an dem Hobby findest und noch ein besseres Objektiv nachlegst, hast Du nicht viel Geld verloren und bist womöglich sogar froh, wenn Du mal in einen Urlaub die kleineren, leichteren und womöglich Zoom-stärkeren Kit-Objektive mitschleppen kannst statt des riesigen Profi-Objektivs. :)

  • Heyho und willkommen in unserer Community.


    Gut, dass Du nicht nach DSLR's fragst.
    Da hätte ich, mich mit den ganzen Canon- und Nikon-Vertretern nicht wirklich auskennend, nämlich mal überhaupt keine blasse Ahnung.
    Ich habe mich vor einigen Jahren zu einer Sony-SLT entschieden und bin über die Zeit mit ihr niemals unglücklich geworden oder gewesen.


    Letztlich ist es alles eine Frage des eigenen Maßstabs.
    Den Maßstab, den Neuanfänger oder Umsteiger von der Knipse zur spiegelnden Reflexkamera meist noch gar nicht richtig kennen und deshalb schon vor dem Start oder Umstieg der "Gimmikeritis", wie ich das "Alles-haben-wollen" und das sofortige "Immer-das-Beste-haben-wollen" zu bezeichnen pflege, verfallen.
    Welche gemeingültige Definition gibt es denn für gut, besser und sehr gut? Und, welche für schlecht?
    Richtig! Es gibt keine Definition dafür. Oder, zumindest keine, die ganz speziell die Anforderungen an die Objektive mit definiert. Der Rest ist undefiniert und liegt eher im Auge des Betrachters, der als Individium auch ganz individuelle Vorstellungen hat.
    Keine Frage, dass sich die individuellen Vorstellungen im Laufe der Jahre verändern können, wenn man sich mal so richtig in das Medium Fotografie hineinkniet.
    Letztlich bleibt es aber eher so, dass genau die Fotos zu Bildern geadelt werden, die den Betrachter in den Bann ziehen.
    Und dies ist nicht oder, von einigen Spezialfällen mal abgesehen, zumindest kaum vom verwendeten Objektiv abhängig.
    Man muss nur die Grenzen kennen, in denen man man sich mit seiner (derzeitigen) Ausrüstung bewegen kann, wenn man Bilder machen will.
    Eine gut ausgeleuchtete Szene, das Gespür für Linienführung und die Anlehnung an den sogen. goldenen Schnitt, allgemeine Kenntnisse, wie man einem an sich statischen Foto doch das gewisse Quäntchen Bewegung gibt, sind bei aller Liebe zur Technik eher nicht so die Sachen, die vom Objektiv abhängen.
    Vom Kamera-Body übrigens auch nicht.


    Die Überflieger, die qualitativ alles in den Boden stampfen, sind die Kit-Objektive natürlich nicht.
    Müssen sie, weil man damit eben auch gute Fotos macht, auch gar nicht sein.
    Preiswert sollen sie sein, damit uns die Anschaffung nicht gar so schwer fällt. Eine Grundforderung, die selbst der Schotte erfüllt sieht.
    Wenn ein Meister der Portrait-Fotografie oder der Sport-Fotograf sagt, dass er sich rigoros weigert, seinen Kamera-Body mit einer "Kit-Scherbe" abzuwerten, hat der natürlich seine Gründe dafür.
    Dem Einen reicht die weiteste Offenblende so einer Kit-Scherbe nicht aus, weil er ja besonders gut freistellen will und ein besonders angenehmes Bokeh nebenbei seine Wirkung entfalten soll.
    Dem Anderen ist die maximale Brennweite meist entschieden zu kurz. Jedenfalls, wenn von einem 18-55'er die Rede ist.
    Einem Dritten reicht die Naheinstellgrenze für seine angestrebten pieksauberen Makros nicht aus.
    Wenn der Neueinsteiger seinen Kamera-Body mit einem Objektiv abseits des Kit-Mainstream aufwerten will, mag er das natürlich gern tun.
    Unbedingt müssen, um interessante und auch fesselnde Fotos zu schießen, muss er aber nicht.


    Mit einer gewissen Spezialisierung, die sich bei vielen begeisterten Amateuren im Laufe der Zeit einstellen wird, wird natürlich auch deren Ausstattung mit Objektiven wachsen bzw, um den neuen Ansprüchen genügen zu können, wachsen müssen.
    Für besonders tolle Landschaften wird noch ein Fisheye und(oder ne mittlere Festbrennweite dazu kommen, die Kit-Scherbe wird wahrscheinlich noch eine 50'er, 85'er oder ähnliche Festbrennweite mit größter Offenblende an die Seite gestellt bekommen, weil das besonders tolle Portrait damit weniger zum Glücksfall wird, der Telebereich wird tüchtig verlängert werden, etwa mit einem 70-300'er für die Motoräder beim Speedway oder die Pferde auf der Rennbahn, und für Makros wird es etwas mit einem Abbildungsmaßstab von 1:1 geben.
    Aber das darf ruhig alles später kommen.
    Wann genau, ist individuell.


    Stimmt genau!
    Die Abbildungsleistung bzw Auflösung von Kit-Objektiven unterfordert den Sensor heutiger Kameras.
    Oder anders, was der Sensor eigentlich aufnehmen könnte, kann ihm so ein Kit objektiv überhaupt nicht auf seine Fläche werfen, weshalb er nicht das Bild liefert, das er zu liefern in der Lage wäre.
    Das ist einerseits schon ein Grund zur Unsicherheit, ob so eine Scherbe wohl das Richtig wäre.
    Andererseits aber macht das aber nicht gar so viel aus, dass man deshalb gleich finanziell (zu) tief in die Tasche greifen müßte.
    Selbst wenn man aus seinem Rohmaterial Ausschnitte macht, wird man für den Monitor oder Beamer, auch für den Print, für Facebook & Co. sowieso, noch verkleinern müssen oder auch ganz gelassen können. Dabei geht die ganze vorher (mehr oder minder) teuer bezahlte Einzelheiten-Hyper-Linien-Auflösungs-Pracht sowieso auf die eine oder andere Weise verloren. Allermeist sogar die Details, die das Kit-Objektiv anfangs mit seiner weniger guten Auflösung noch eingefangen hat.
    Hochrüsten also, außer in wenigen Spezialfällen, auch wegen der Abbildungsleistung wenig bis nicht sinnvoll.
    Stimmt auch, dass Kit-Linsen, einfach mal deren Preis geschuldet, teilweise sogar sichtbare Kissen- oder Tonnen-Verzeichnungen produzieren können und ihnen der Makel der Vignettierung zu Eigen ist.
    Sie haben aber so eine gewaltige Verbreitung, dass deren Profile beispielsweise dem Lightroom bekannt sind. Ausgleichen und somit unwirksam machen ist schnell bzw. leicht gemacht.


    Fazit:
    Anfangs, ziemlich sicher auch auf lange Zeit, machst Du mit einem Kit-Objektiv nichts verkehrt.
    Ich bin, Zuwachs in Sachen Objektive hat es bei mir schon gegeben, gleichwohl ist das 18-55'er nach wie vor mein "Immerdrauf", jedenfalls zutiefst überzeugt davon.

  • Wow, danke für die umfangreichen und schnellen Antworten, gefällt mir sehr :) .
    Weitergeholfen haben sie mir auch, weshalb ich mir wahrscheinlich(hat aber noch ein bisschen Zeit) erstmal ein Kit-Objektiv zulegen werde mit dem Bewusstsein in mehrere Bereiche der Fotografie einsteigen bzw. reinschnuppern zu können.

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