Canon EOS 250D - Überbelichtete Landschaftsbilder

  • Hallo zusammen,


    ich bin ja nicht der Canon-Fotograf, daher verzeiht mir meine Fragen. Ich frage hier mal für meinen Vater an, der neulich sehr enttäuscht von einem Ausflug aus dem Allgäu zurückkam und meinte, alle seine Bilder aus der 250D seien zu hell und die Farben werden nicht richtig wiedergegeben. Er fotografierte ausschließlich im (grünen) Automatikmodus und hat hier wohl viel mehr erwartet. Wenn ich mir die Bilder so anschaue, so sind diese schon sehr hell, ich weiß aber eben nicht, wie sich die Canon-Automatik normalerweise verhält. Aber gerade der Himmel wird bspw. sehr hell dargestellt, obwohl er in Wirklichkeit wohl ein tiefes Blau hatte.


    Durch Ausprobieren ist mir schnell aufgefallen, dass die Mehrfeld-Messung wohl trotz Mehrfeld das aktive Fokus-Messfeld stärker gewichtet und evtl. in der Automatik für Abweichungen sorgen könnte. Trotzdem finde ich die Farben auch sehr lasch.


    Ein paar Bilder (Jpeg aus der Kamera) habe ich euch angehängt. Bin sehr auf eure Meinungen gespannt:


    1: Sieht für mich gut belichtet aus. Habe aber ein Vergleichsbild vom Handy angehängt (1a)... Scheinbar war der Himmel so blau wie auf dem Handy-Foto. Wieso kann das die Canon so nicht wiedergeben?

    2: Himmel ausgefressen, Farben matschig...

    4: Versuch einer Erklärung: Automatik hat Pfosten rechts vorne fokussiert, Mehrfeld belichtet darauf -> Himmel wird natürlich zu hell.


    Jetzt ist natürlich meine Frage: Liegt der Fehler an der Kamera, an den falschen Erwartungen oder evtl. sogar am Bediener? Was kann man machen?


    Versteht mich nicht falsch, die 250D ist jetzt bei weitem kein Top-Model, aber es sollte doch mit jeder halbwegs aktuellen Kamera möglich sein, qualitativ gute Bilder zu erstellen. Kann seinen Frust da schon etwas verstehen und hoffe, ihr habt eine Idee, wie sich das beheben lässt.


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  • Hallo,


    im Prinzip hast du dir ja schon selbst die Antwort gegeben "ausschließlich im grünen Modus" ... ich kenne die Kamera zwar jetzt nicht...aber wenn man der Kamera alles überlässt, dann können da auch keine vernünftigen, qualikativ ansprechende Fotos dabei raus kommen. Da sollte man sich schon etwas mit befassen....ging mir genauso, bis zu dem Punkt wo ich mit dem Handy bessere Fotos machte, wie mit der Kamera. Da hab ich mir ein Buch zu meiner Kamera gekauft und mich mit den verschiedenen Einstellmöglichkeiten und den Fokusarten auseinander gesetzt. Das ist alles kein Hexenwerk, trägt aber maßgeblich zur Verbesserung der Qualität der Bilder bei. Vor allem wenn man auf eine spätere Bearbeitung vielleicht verzichten möchte und tasächlich out of Cam fotografiert. Ohne sich mit der Materie auseinander zu setzten, bekommt man egal in welchem Hobby, keine vernünftigen Ergebnisse, deswegen ist es auch unnötig da jetzt im einzelnen die Bilder zu bewerten, analysieren....

    Gruß Jens

  • Hi Jens,


    danke für Deinen Beitrag. Ich habe so etwas schon erwartet und darum kurz überlegt, ob ich den Automatik-Modus überhaupt im ersten Beitrag erwähne... Ich kann Deine Haltung zur Automatik gut verstehen und bin selbst auch nie im "grünen Modus" unterwegs, aber glaube jetzt auch nicht, dass der Modus so schlecht ist. Die Technik der Kameras hat sich ja auch hier weiterentwickelt und ich bin überzeugt davon, dass auch im Automatik-Modus "vernünftige, qualitativ ansprechende Bilder" herauskommen können. Zumal die fotografierten Motive ja Standardmotive sind und von einer Automatik sicher erkannt werden sollten.


    Wenn ich, wie so viele, eine Halbautomatik z. B. AV-Modus wähle, habe ich natürlich mehr Einflussmöglichkeiten. Ich kann die Blende ändern -> Einfluss auf die Tiefenschärfe. Ich kann den Fokuspunkt wählen -> Einfluss darauf, was scharf sein soll. Ich würde aber trotzdem die Mehrfeldmessung nehmen und ISO auf 100 setzen. Die reinen Aufnahmeparameter wären damit also nicht sehr viel anders als das, was der grüne Modus gewählt hat. Ich würde sogar behaupten, dass die Bilder ähnlich oder gleich ausgefallen wären. Leider kann ich das aber nicht mehr testen.


    Ich habe viel mehr das Gefühl, dass die 250D, zumindest dieses Modell, generell zu einer Überbelichtung neigt und versuche gerade herauszufinden, ob dieses eine Modell ein Problem hat oder ob sich Canon eben so verhält. Ich weiß, es ist müßig ohne die Kamera zu spekulieren, aber ich hatte gehofft, dass jemand dieses Verhalten bekannt ist. Von meiner Nikon kenne ich das nicht, dass der Himmel so ausfrisst.

  • Hallo,


    ich habe mir Nr. 2 angesehen.

    Allein aus den Exif Daten ISO 100 f 5,6 1/160s kann ich herauslesen, dass das Bild um 2-3 EV überbelichtet ist.

    Wir wissen nicht, was im Bild bei der Gestaltung anfocusiert wurde.

    Bei hellem Sonnenschein kann man die gute alte Sunny 16 Regel anwenden.

    In dem gezeigten Bild wäre also 1/1000s besser gewesen.


    https://www.youtube.com/watch?v=IcKijXkZjyc


    Ob die Kamera generell zur Überbelichtung neigt, kann man unter Testbedingungen im Vergleich mit anderen Kameras herausfinden, oder mit einem Handbelichtungsmesser.


    Achso, ich darf noch ergänzen, dass der verwendete Picture Style im JPEG auch großen Einfluss auf die Bildwiedergabe hat.

    Standard, Natürlich, Monochrom, Lebhaft (Vivid) Porträt,Landschaft etc.

    Gruß Carsten


    Kamera und Objektive von Panasonic µFT

    Studiolicht von Bowens und Elinchrom

    Einmal editiert, zuletzt von caprinz () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von caprinz mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Ehm.. bin ich der Einzige hier, der die Belichtung okay findet? Ich meine.. es war extrem dunstig. Da war der A-Modus gar nicht so schlecht aufgestellt. Da kommen selbst im P-Modus die selben Bilder bei raus. :/ Das Wetter ist so in der Form sehr hinderlich.

    Kamera

    Canon EOS 6D Mark II

    Objektive

    EF 24-105 mm f/4 L IS II USM - Sigma 50 mm f/1.4 Art

    Zubehör

    Rollei LB 110 mm

  • Ich würde deinem Vater auf jeden Fall empfehlen, sich etwas mehr mit der Kamera auseinanderzusetzen. Denn wenn er sich so eine DSLR kauft, aber sie nur im Automatikmodus benutzen möchte, nutzt er nur einen Bruchteil von dem, was sie eigentlich kann.

    Woran es genau gelegen hat, dass die Foto so aussehen, können wir als Außenstehende, die nicht dabei waren, nur schwer genau feststellen. Dennoch möchte ich einige Stichpunkte auflisten, die darauf Einfluss haben können:


    • Automatikmodus: Die Kamerasoftware entscheidet alles selbst und trifft vielleicht auch oft Entscheidungen, die dein Vater gar nicht im Sinn hat. Ich würde ihm empfehlen, sich mal mit dem Av-Modus (Aperture value, dt. Blendenwert) vertraut zu machen.
    • Die Fokuspunkte sollte er selbst auswählen (zum Beispiel Einzelautofokus), damit er den Fokus genau dahin setzen kann, wo er ihn haben möchte.
    • Im Belichtungsmodus ist für Landschaft die Mehrfeldmessung/Matrixmessung am besten. Das sollte nicht geändert werden.
    • Hat dein Vater gegen die Sonne fotografiert? Falls ja, sehen diese Fotos direkt aus der Kamera sehr oft schlecht aus, da die Kamera den hohen Dynamikumfang zwischen Himmel und Landschaft nicht mehr beherrschen kann. Smartphones machen da eine HDR-Aufnahme (High-Dynamic-Range), bei der mehrere Fotos gemacht werden, die dann zu einem zusammengefügt werden. Deshalb sieht das Bild beim Smartphone meist korrekt belichtet aus. Mit der Kamera müsstest du das mit einem Bildbearbeitungsprogramm nachträglich zusammenfügen.
    • Die Software in Smartphones sorgt meist dafür, dass die Farben der Fotos sehr stark gesättigt werden. Deshalb sehen deren Fotos meist knalliger aus als die von DSLRs. Da schließe ich mich auch caprinz an und würde deinem Vater empfehlen, dass er sich mal im Menü die Picture-Styles auswählt. Da gibts auch eins für Landschaften, bei dem die Farben etwas kräftiger sind.
    • Wenn dein Vater Personen im Automatikmodus vor einer Landschaft fotografiert, spielt es auch wieder eine Rolle, wo die Sonne steht und wie die Helligkeit verteilt ist. In seinem Foto könnte die Kamera das Gesicht erkannt haben und hat auf Porträt geschaltet. Dementsprechend hat sie wahrscheinlich stärker darauf wertgelegt, dass das Gesicht hell ist. Die Landschaft wurde in dem Fall bei der Belichtung vernachlässigt.

    Gute Anmerkung von Stereotype. Das Wetter auf den Fotos ist wirklich ziemlich dunstig und dadurch, dass diese Bergkette im unteren rechten Drittel total im Schatten ist, ist die Komposition mit diesem Licht nicht gut gewählt. Wenn man ein bisschen Erfahrung im Fotografieren hat, dann lernt man irgendwann, wann man eine Szene fotografieren sollte und wann es sich nicht lohnt. Dein Vater kann nicht erwarten, dass er sich nur eine DSLR kaufen muss, auf den Auslöser drückt und alle seine Bilder haben plötzlich schöne Farben und sind knackscharf. Er muss sozusagen auch das "Sehen" neu lernen. Für ansprechendere Farben sollte er auf entsprechendes Wetter warten und vor allem auch mal gerade in der goldenen und blauen Stunde Fotos machen.

    2 Mal editiert, zuletzt von Professor Besserwisser () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Professor Besserwisser mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Hallo,


    nur so am Rande..du schreibst bist Nikon Fotograf...ändert ja aber nichts an der Herangehensweise und es verwundert mich, dass du überhaupt hier diese Frage gestellt hast. Und ja das war wichtig den "grünen Modus" zu erwähnen, sonst hätte es auch kein ehrliches, konstruktives Feedback geben können. Im Prinzip ist ja alles gesagt...und ist weder per. noch böse gemeint. Hilf deinem Vater sich etwas einzuarbeiten und es wird gleich um so mehr Spaß machen ;)

    Gruß Jens

  • Ehm.. bin ich der Einzige hier, der die Belichtung okay findet? Ich meine.. es war extrem dunstig. Da war der A-Modus gar nicht so schlecht aufgestellt. Da kommen selbst im P-Modus die selben Bilder bei raus. :/ Das Wetter ist so in der Form sehr hinderlich.

    Nein,du bist nicht der Einzige. Ich seh das auch so. Das Iphonebild gefällt mir gar nicht - fast zu blauer Himmel und ansonsten bonbonfarben.

    Canon EOS 750 D und 550D

    mit Canon 50 mm/f1,8, Canon 24 mm/f2,8, Tamron 70 - 300 mm DI IIVC; Sigma 17 - 70 mm; Tamron 18 -200 mm DI II VC

    LensAid Carbon Stativ

  • In der Ferne ist es dunstig, im Bild sieht man voll sonnig. Ich bleibe dabei, dass Bild Nr. 2 deutlich überbelichtet ist.

    Gruß Carsten


    Kamera und Objektive von Panasonic µFT

    Studiolicht von Bowens und Elinchrom

  • Bei hellem Sonnenschein kann man die gute alte Sunny 16 Regel anwenden.

    In dem gezeigten Bild wäre also 1/1000s besser gewesen.

    Danke für den Tipp, das hatte ich völlig außer Acht gelassen, aber Du hast Recht. Selbst wenn es etwas bewölkt gewesen sein wollte, müsste die Verschlusszeit wohl kürzer sein.


    Ehm.. bin ich der Einzige hier, der die Belichtung okay findet? Ich meine.. es war extrem dunstig. Da war der A-Modus gar nicht so schlecht aufgestellt. Da kommen selbst im P-Modus die selben Bilder bei raus. :/ Das Wetter ist so in der Form sehr hinderlich.

    Ich finde die Belichtung an sich auch relativ ok, jedoch hatte der Himmel wohl ein schönes Blau, welches auf den Fotos überhaupt nicht erfasst wurde. Dunstig würde ich jetzt auch nicht sagen. In der Ferne ja, aber der Vordergrund ist eigentlich schon klar.

    A-Modus hatte ich oben nur beispielhaft erwähnt, es kam der Automatik-Modus zum Einsatz.


    • Automatikmodus: Die Kamerasoftware entscheidet alles selbst und trifft vielleicht auch oft Entscheidungen, die dein Vater gar nicht im Sinn hat. Ich würde ihm empfehlen, sich mal mit dem Av-Modus (Aperture value, dt. Blendenwert) vertraut zu machen.
    • Die Fokuspunkte sollte er selbst auswählen (zum Beispiel Einzelautofokus), damit er den Fokus genau dahin setzen kann, wo er ihn haben möchte.
    • Im Belichtungsmodus ist für Landschaft die Mehrfeldmessung/Matrixmessung am besten. Das sollte nicht geändert werden.
    • Hat dein Vater gegen die Sonne fotografiert? Falls ja, sehen diese Fotos direkt aus der Kamera sehr oft schlecht aus, da die Kamera den hohen Dynamikumfang zwischen Himmel und Landschaft nicht mehr beherrschen kann. Smartphones machen da eine HDR-Aufnahme (High-Dynamic-Range), bei der mehrere Fotos gemacht werden, die dann zu einem zusammengefügt werden. Deshalb sieht das Bild beim Smartphone meist korrekt belichtet aus. Mit der Kamera müsstest du das mit einem Bildbearbeitungsprogramm nachträglich zusammenfügen.
    • Die Software in Smartphones sorgt meist dafür, dass die Farben der Fotos sehr stark gesättigt werden. Deshalb sehen deren Fotos meist knalliger aus als die von DSLRs. Da schließe ich mich auch caprinz an und würde deinem Vater empfehlen, dass er sich mal im Menü die Picture-Styles auswählt. Da gibts auch eins für Landschaften, bei dem die Farben etwas kräftiger sind.
    • Wenn dein Vater Personen im Automatikmodus vor einer Landschaft fotografiert, spielt es auch wieder eine Rolle, wo die Sonne steht und wie die Helligkeit verteilt ist. In seinem Foto könnte die Kamera das Gesicht erkannt haben und hat auf Porträt geschaltet. Dementsprechend hat sie wahrscheinlich stärker darauf wertgelegt, dass das Gesicht hell ist. Die Landschaft wurde in dem Fall bei der Belichtung vernachlässigt.

    Danke für den reichhaltigen Input, das nehme ich auf jeden Fall mit!

    Die Fokuspunkte sollte er in Zukunft wirklich selbst setzen. Vor allem, da bei Canon trotz Mehrfeldmessung (und ja, die war aktiviert) das Fokusfeld in der Belichtungsmessung stärker gewichtet wird. (Bin wahrlich kein Fan von diesem Verhalten... wenn ich sowas möchte, dann nehme ich doch die Spotmessung).

    Ich denke, dass dies für viele Probleme in den Bildern verantwortlich ist: Kamera setzt Fokuspunkt irgendwo und regelt danach die Belichtung -> Himmel ausgefressen. Oder schaltet in den Porträtmodus, wie Du auch schon gesagt hast.

    Auch der Punkt mit HDR bei Smartphones ist echt gut. Da ist man mittlerweile sehr verwöhnt und wundert sich dann, dass so etwas bei einer DSLR nicht von selbst geht.




    Vielen Dank euch allen für den wertvollen Input. Im Nachhinein zu Spekulieren ist immer schwierig, aber das sind jetzt einige Punkte, die ich ihm mal mit auf den Weg geben kann! :thumbup:

  • Mittagszeit, vom Sonnenstand eher suboptimal für Fotos...

    Gruß Carsten


    Kamera und Objektive von Panasonic µFT

    Studiolicht von Bowens und Elinchrom

  • Kommt darauf an. In Lightroom und Photoshop kann man viel herausholen, aber im Grunde gebe ich dir Recht. Die Zeit auf den Fotos war für das Vorhaben tatsächlich eher hinderlich.

    Kamera

    Canon EOS 6D Mark II

    Objektive

    EF 24-105 mm f/4 L IS II USM - Sigma 50 mm f/1.4 Art

    Zubehör

    Rollei LB 110 mm