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Olympus gliedert seine Kamerasparte aus: Das Ende? Nein, eher nicht!

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Wie Olympus heute bekanntgegeben hat, plant das Unternehmen die Ausgliederung der eigenen Imaging-Sparte bis zum Jahresende 2020. Wie es danach für die Kameras und Objektive weitergeht ist noch unbekannt, Beispiele aus der Vergangenheit machen aber Hoffnung. Wir wagen einen Blick in Olympus' Zukunft.

Olympus OM-D E-M1 Mark III

Um die Hintergründe zu verstehen sei kurz erwähnt, dass der für seine Kameras und ggf. noch Diktiergeräte bekannte Hersteller aus Japan tatsächlich nur einen Bruchteil seines Konzernumsatzes mit eben jenen Produkten macht. Das Hauptgeschäftsfeld liegt im Bereich Medizintechnik (vor allem Endoskopie) sowie der Ausrüstung von Industrie und Laboren mit verschiedener Messtechnik (Mikroskope, Boroskope, Röntgenmessung, etc.).

So machte im abgelaufenen Geschäftsjahr allein der Bereich Endoscopic Solutions 426 Mrd. Yen (ca. 3,5 Mrd. Euro) und damit 53% des Umsatzes aus. Noch größer fällt der Anteil mit 109 Mrd. Yen respektive fast 83% beim Gewinn aus. Das Kamerageschäft war hingegen für gerade einmal 44 Mrd. Yen Umsatz (ca. 362 Mio. Euro) sowie 10 Mrd. Yen Verlust (ca. 86 Mio. Euro) verantwortlich. Das dritte Verlustjahr in Folge. (Quelle)

Ausgliederung und Übergang an JIP

Zum 30. September 2020 wollen Japan Industrial Partners (JIP) und Olympus die finalen Verträge ausgehandelt und unterschrieben haben, die den Übergang bis zum Jahresende ermöglichen sollen. JIP ist ein japanischer Investor, der sich auf das restrukturieren und sanieren von ausgegliederten Geschäftssparten spezialisiert hat.

So hat JIP 2014 beispielsweise die Notebook-Sparte Vaio von Sony übernommen, deren Produkte mittlerweile wieder in Deutschland erhältlich sind. Auch Ausgliederungen anderswo hatten in der Vergangenheit Erfolg: Der heute zehntgrößte Halbeleiterhersteller der Welt, Infineon, wurde beispielsweise 1999 aus dem Siemens-Konzern herausgelöst.

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Auch Olympus betont in seiner Pressemitteilung, dass es keineswegs um eine Abschreibung des Kamerageschäfts geht. Die Details scheinen indes noch unklar. So heißt es an einer Stelle, dass man das neue Unternehmen „mit“ JIP betreiben will. Auch ist die Rede davon, dass die Anteile am neuen Unternehmen in einen Fonds übergehen, der von JIP „gemanaged, betrieben oder anderweitig gehandhabt“ wird („subsequently transfer its shares to a fund managed, operated or otherwise handled by JIP“).

Deutlich klarer wird man aus Kundensicht: Das neue Unternehmen wird Forschung und Entwicklung sowie die Produktion fortsetzen und auch für den Support von Produkten aufkommen, die von Olympus vertrieben wurden. Klar ist aber auch, dass es vor der Ausgliederung bereits bei Olympus zu Umstrukturierungen kommen wird, wohl auch um die Geschäftsbereiche zu trennen.

Unser Ausblick: OM-D, Zuiko und MFT

Niemand kann sicher in die Zukunft blicken. Richtig ist, dass Olympus im Sinne des Kernunternehmens den Kameramarkt für Endkunden verlässt. Dies muss jedoch bei weitem nicht das Ende von Traditionsmarken wie OM-D-Kameras und Zuiko-Objektiven bedeuten. Zumindest bisher scheint JIP vergleichbare Übernahmen als langfristige Investitionen zu handhaben – und nicht auszuschlachten und anschließend in Kleinteilen zu veräußern.

Nutzer des MFT-Systems müssen sich ebenfalls keine akuten Sorgen machen. Zwar ist Olympus einer der Initiatoren, mit Panasonic bleibt aber mindestens ein Schwergewicht und auch immer mehr kleine und mittelgroße Hersteller versorgen das System mit Produkten. Von Objektivanbietern wie Sigma und Tamron bis zu Kameras von DJI und Blackmagic. Und mit etwas Glück auch weiterhin "OM-D".