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NUI, PUI und Smart Home - Wie sieht die IT-Welt von Morgen aus?

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Tastatur und Maus stehen wohl wie kaum ein anderes Objekt für den Erfolgskurs von Computern in unserem Alltag. Egal ob der PC im Büro, das Notebooks zu Hause, das Tablet auf der Couch oder das Smartphone in der Hosentasche: Die digitale Welt ist praktisch ubiquitär verbreitet, immer und überall greif- und verfügbar. Doch gerade die zuletzt genannten Geräte schicken die "gute alte" Maus immer öfter in den Ruhestand und auch die Tastatur ist längst nicht immer mehr "Das Eingabegerät".

Smart Home

Im Rahmen seiner 'Roadshow', einer Art Hausmesse in mehreren Städten, lud der Elektronikriese Samsung auf das Event Island im Berliner Ortsteil Spandau ein. Das Kernthema der zweitägigen Veranstaltung war Konvergenz, die Vernetzung von Geräten. Angesichts der breiten Produktpalette im eigenen Hause durchaus verständlich und ein klares Alleinstellungsmerkmal gegenüber vielen Mitbewerbern, insbesondere dem US-Konzern Apple. Einer der größten Trends in der IT-Welt der nächsten Jahre soll das Interagieren verschiedener (End-)geräte untereinander werden. Neue Technologien sind hier weniger zu erwarten, viel mehr neue Möglichkeiten aufgrund der starken Vernetzung.Samsung Roadshow 2013 - Präsentation zum Thema Konvergenz und intuitive Bedienung Der Startschuss fällt eher "klassisch" aus: Die Apps kommen auf den HDTV im Wohnzimmer und lassen sich auch vom Tablet aus steuern - genauso wie der Fernseher selbst. Das ist intuitiver, mehr zu diesem Schlagwort weiter unten, als die immer zahlreicher werdenden Anwendungsmöglichkeiten mit der, für klassisches Fernsehen erdachten, Fernbedienung zu steuern. Das Tablet kann aber auch z.B. den HDTV als Zuspielquelle benutzen und so als zweiter Monitor eine andere Fernsehsendung anzeigen (Dual View bei Samsung genannt) - praktisch wenn es wieder einmal Unstimmigkeiten über das abendliche TV-Programm gibt. Die gleiche Fernsehsendung, ein Film, was auch immer, wird zudem "transportabel" - Stichwort Smart View. Ein kleiner Fernseher in der Küche? Warum, das Tablet macht's schon!Samsung Roadshow 2013 - Präsentation zum Thema Konvergenz und intuitive Bedienung Doch die echte Herausforderung steht den Entwicklern dieser Welt noch bevor: Kühlschränke, Waschmaschinen, Lampen, Waagen - alles soll zusammenwachsen und das nach Möglichkeit sinnvoll. Auch die Stromnetze sollen viele dieser Informationen erhalten und so intelligenter und vor allem präziser den echten Energiebedarf ermitteln können. Alles wird Smart, doch wer soll hier noch durchblicken? Wie lange Einarbeitungszeiten sind notwendig, um die komplexen Systeme täglich nutzen zu können?

Intuitive Benutzeroberflächen

Gar nicht - Das wäre wohl die beste Antwort und sicherlich ganz im Sinne von Wolfgang Henseler, Professor für Digitale Medien und Intermediales Design an der Hochschule in Pforzheim, geladener Gastredner auf der 'Samsung Roadshow' in Berlin zum Thema "Intuitiv einfach, einfach intuitiv". Die Nutzungsoberflächen digitaler Geräte haben sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt und den immer größeren Möglichkeiten angepasst. Von der Kommandozeile (CLI, Command Line Interface) hinzu grafischen Nutzeroberflächen (GUI, Graphical User Interface), das beste Beispiel ist hier der Übergang von MS-DOS (CLI) zum klassischen Windows (GUI). Windows 8 auf Touchscreens, Windows Phone, Android, iOS und Co. gehören zur neuen Gruppe der NUIs (Natural User Interfaces).Samsung Roadshow 2013 - Präsentation zum Thema Konvergenz und intuitive Bedienung Von der Vereinfachung bei grafischen Oberflächen, komplexen Programmcode auf einen "virtuellen Schreibtisch" (aka Desktop) zu abstrahieren, hinzu NUIs, entfallen nun Maus und meist auch Tastatur. Der Mensch interagiert direkt mit dem Gerät, mit der Schaltfläche, dem zu zoomenden Bild. Diese Form der Eingabe ist für uns natürlicher, da wir auf vorhandenes Wissen, vorhandene Abläufe in unserem Gehirn zurückgreifen können. Ganz ohne Training welche Bewegung der Maus welche Aktion auf dem Bildschirm verursacht. Einer der Hauptgründe, warum Tablets und E-Books eine wesentlich stärke Akzeptanz bei älteren Personen genießen als ein PC oder Notebook.Samsung Roadshow 2013 - Präsentation zum Thema Konvergenz und intuitive Bedienung Die Zukunft nennt sich analog zum bisherigen Schema PUI (Personal User Interface). Die Abbildung auf der Folie weiter oben ist eher sinnbildlich zu verstehen, denn PUIs zeichnen sich durch multimodale Interaktionsmöglichkeiten aus. Sprich nicht nur die Hände zu mechanischen Interaktionen zu benutzen, sondern zudem auch Gesten, unsere Sprache oder später womöglich einfach bestimmte "Gedanken" zur Steuerung heranzuziehen - und sofern gewünscht auch gleichzeitig.

Ein weiteres Schlagwort, genauer Schlag-Akronym: OSIT (Orientieren, Selektieren, Informieren, Transagieren). Je nachdem was wir tun, fällen wir gut und gerne 100.000 Entscheidungen nach diesem Prinzip - täglich! Ganz egal ob als einer der letzten Uhreinwohner im Regenwald oder als Einkäufer im Supermarkt. Der Blick ins Supermarktregal (orientieren), das Aussuchen der Brotsorte (selektieren), das Lesen des Etiketts (informieren), das Ablegen im Einkaufswagen (transagieren).

Samsung Roadshow 2013 - Präsentation zum Thema Konvergenz und intuitive BedienungWerden nun Betriebssysteme und Programme (Apps) nach diesem Prinzip entworfen, wirken auch diese auf uns intuitiver. [[ASIN:B00BUL5Y04|Windows 8]] ist hier eines der besten Beispiele der aktuellen Zeit: Abseits der eher mäßigen Presse lässt sich das neue Betriebssystem, unvoreingenommen, erstaunlich schnell bedienen. Der Modern UI-Startscreen mit den diversen Kacheln (orientieren), die Gruppierung der Apps und das Feedback beim Anwählen der App (selektieren), die im Mittelpunkt stehenden Details in der App (informieren), die einfache Möglichkeit häufig genutzte Funktionen direkt zu nutzen (interagieren). Die Live-Tiles verkürzen zudem den Weg zum Informieren. Das Design ist also nicht primär nur puristisch, vielmehr vor allem funktional und unserer naturgegebenen Denkweise angepasst.

Am Ende liegt, wieder einmal, viel Arbeit vor den Entwicklern und am Ende hoffentlich der Wille bei den Konsumenten, neue Technologien zu probieren und schlussendlich zu akzeptieren. Neue Schnittstellen (z.B. Sprache) und die Optimierung vorhandener Systeme (OSIT) sollen viel Zeit sparen. Die ersten Schritte hin zu einer immer stärker vernetzten Umgebung (egal ob zu Hause oder global betrachtet) sind gemacht, die Aufwärmphase vorbei, der Marathon geht erst noch los und das Ziel schimmert in weiter Ferne, jedoch nicht unerreichbar.


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