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Die IFA-Trends 2016 – Das vernetzte Zuhause, der vernetzte Mensch

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Bereits zum fünften Mal in Folge fand zwei Monate vor der IFA das Innovations Media Briefing in Berlin statt. Ebenfalls wieder mit dabei: Die gfu Insights & Trends – ein spannender Rundumschlag über die aktuellen Trends in der Unterhaltungs- und Haushaltselektronik.

IFA IMB 2016: Judith Rakers (li.) im Gespräch mit Hans-Joachim Kamp von der gfu

Wie nicht anders zu erwarten und gewöhnt lag der Fokus vor allem im Bereich TV und Rundfunk, gewissermaßen der Heimat der IFA. Aber auch Schlagwörter wie Smart Home und E-Health wurden wieder stark strapaziert.

DVB-T2, 4K, HFR, HDR – Abkürzungsdschungel für bessere Bilder

4K Ultra-HD ist fast schon ein alter Hut, kommt nun langsam aber auch in der „alten Medienwelt“ vom linearen Fernsehen an. Was abwertend klingen mag, ist technisch kaum anders zu lösen. Anders als bei modernen Streaming-Lösungen müssen für das Fernsehen weltweit Standards geschaffen und etabliert werden, bevor mit der Ausstrahlung begonnen werden kann. Von der Kamera, über die Übertragungswagen, Schnitträume bis hin zum TV-Gerät beim Zuschauer.

IFA IMB 2016: Viele Jahre hat es gebraucht, bis Ultra HD in seiner heutigen Form bei den Kunden ist

So verwundert es auch nicht, dass das Antennenfernsehen in Deutschland erst jetzt wirklich auf HD setzt: Mit der Umstellung auf DVB-T2, Stichtag ist der 29. März 2017, wird das Antennenfernsehen komplett auf HD umgestellt (bei den meisten Sendern sogar 1080p Full HD) und der Vorgänger DVB-T abgeschaltet. Über 7 Jahre nach dem Internetvideo-Pionier YouTube. In der Übergangszeit werden mehr und mehr TV-Sender sowohl in HD (DVB-T2) als auch SD (DVB-T) empfangbar sein.

4K im Fernsehen? Darüber mochte man kaum sprechen. Bis auf ein paar Demokanäle ist in Europa hier noch nicht viel zu sehen. Auch hier sind es eher Streaming-Portale wie Netflix und YouTube, die für die breite Verfügbarkeit von entsprechenden Inhalten sorgen.

IFA IMB 2016: Ultra HD bedeutet nicht nur mehr Pixel, sondern auch mehr Farben, mehr Bilder, mehr Dynamikumfang und besseren Klang.

Dem Fernsehen muss man hingegen die Herangehensweise anrechnen: Wenn, dann richtig! Bevor man mit der Umstellung auf 4K Ultra-HD beginnt, will man Standards für mehr als „nur“ schärfere Bilder schaffen. Geplant sind langfristig hohe Bildwiederholraten (hierzulande bis zu 100 Bilder/s), ein deutlich erweiterter Farbraum sowie Dynamikumfang (HDR).

Auf der IFA 2016 wird es aber wohl auch weiterhin primär um „mehr Pixel“ gehen, kombiniert mit bestenfalls proprietären Standards einiger Hersteller.

Meine Daten gehören mir – Vom schmulenden Fernseher und verräterischen Fitness-Trackern

Weiterhin ein heißes Eisen in Deutschland: Datenschutz. Kritisch ist das Thema nicht nur bei offensichtlich Problemfeldern wie Gesundheitsdaten, sondern bei praktisch allen immer mehr vernetzten Geräten im modernen Haushalt.

Während die Akzeptanz von vernetzten Fernsehern zunehmend ansteigt, und dass durch alle Altersklassen hinweg, haben es vernetzte Fitness-Tracker, Blutdruckmesser und die elektronische Krankenakte deutlich schwerer. Was in Dänemark schon selbstverständlich ist, wird in Deutschland mit Argusaugen und aus weiter Ferne beobachtet.

IFA IMB 2016: Immer mehr SmartTVs sind auch mit dem Internet verbunden.

Einen Dissens gibt es vor allem in einer Zielgruppe: Zwar sehen schon viele ältere Menschen durchaus einen Nutzen darin diverse Körperfunktionen überwachen und analysieren zu lassen, ggf. sogar dem Arzt zur Verfügung zu stellen. Die Bedenken, was mit den Daten anschließend passiert, sind dafür umso größer.

Unberechtigt sind die Sorgen längst nicht mehr: Zwar ist es für gesetzliche Krankenversicherungen weiterhin verboten die Höhe der Beiträge an die Bereitstellung von Daten zu koppeln. Private Versicherer sind diesen Beschränkungen nicht unterworfen und erste Anbieter experimentieren bereits mit Geschäftsmodellen, die viele bis vor kurzem noch als Utopie abgetan hätten: Wer sich viel bewegt und das durch Daten von Fitness-Armband glaubhaft macht, zahlt weniger in die Krankenkasse ein.

Smart Home oder vernetzte Inselgruppen?

Keine neue IFA ohne Smart- oder Connected Home als großer Aufhänger. Alles soll mit allem vernetzt werden, im besten Fall unkompliziert und mit hohem Mehrwert. Wie weit wir davon entfernt sind illustrierte die Moderatorin der Veranstaltung, Judith Rakers, bestens: Im letzten Oktober, voller Elan, den Entschluss zum multimedial vernetzten Zuhause gefasst. Am Ende steht eine Gruppe von Experten in den eigenen vier Wänden, jeder auf seinem Fachgebiet bewandert. Wie alles (sinnvoll) zu vernetzen ist, weiß indes keiner.

IFA IMB 2016: So sehen Integratoren das aktuelle Formate-Schlachtfeld

In die gleiche Kerbe schlug Heiko Neundörfer vom HiFi-Forum: Was es braucht sind offene Standards und echte Mehrwerte für den Nutzer. Eine bloße Vernetzung ohne (automatische) Interaktion hat mit „Smart“ wenig zu tun. Doch selbst dieser einleuchtend klingende Einwand ist derzeit leider eher akademischer Natur.

Momentan liegt das größte Problem schon in der bloßen Integration verschiedener vernetzter Geräte in eine gemeinsame „Steuerzentrale“. Die ewig gleichen Bekundungen seitens der Hersteller, nun wird es aber was mit einheitlichen Standards, hat sich leider nicht bewahrheitet. Im besten Fall finden sich zwei oder drei Hersteller der gleichen Branche zusammen und einigen sich auf ein prinzipiell offenes System – zum Beispiel Siemens und Bosch mit "Home Connect" – doch diese werden von anderen Unternehmen aus guten Gründen abgelehnt: Kaum ein Ansatz ist wirklich ganzheitlich. Der Ansatz von Siemens und Bosch ist so beispielsweise primär auf Haushaltsgeräte zugeschnitten, mit Unterhaltungselektronik weiß er nicht umzugehen.

IFA IMB 2016: So stellen sich die Hersteller die Möglichkeiten vom vernetzten Zuhause vor

Wer sich an die Formatkriege Betamax vs. VHS und Blu Ray vs. HD-DVD erinnert, liegt nicht ganz falsch. Nur wären selbst zwei konkurrierende Standards deutlich besser als das aktuelle Durcheinander aus mehreren Dutzend verschiedenen Ansätzen.

Unsere Erwartungen an die IFA 2016

Mit dem intelligenten Zuhause wird es so schnell nichts werden. Wir werden auch auf der IFA 2016 wieder viele Willensbekundungen hören, wichtiger wäre aber endlich ein großer runder Tisch, an den sich wirklich alle großen Hersteller zusammensetzen.

Bei den neuen Fernsehern wird 4K wohl langsam zum Standard werden, zumindest etwas oberhalb der absoluten Einstiegsklasse und Bildschirmen mit kleiner Bilddiagonale. Im Bereich HDR fehlen noch einige Standards von der Aufnahme bis zum Bild auf dem heimischen Fernseher, trotzdem ist ein Fokus auf „schöne Pixel“ zu erwarten, da 4K Ultra HD allein nicht mehr als Differenzierungsmerkmal herhalten kann.


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