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Slush 2017 - Die Welt von Morgen, präsentiert im hohen Norden

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Es wird jedes Jahr schwerer zu sagen, was die Slush in Helsinki eigentlich ist. Eine Start-up-Messe im hohen Norden, eine dreitägige Party mit (sehr) umfangreichen Nebenprogramm tagsüber, ein Matchmaking-Event für Investoren mit viel Geld auf der einen und Start-ups mit tollen Ideen auf der anderen Seite... Irgendwie trifft alles auf die Slush 2017 zu.

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Nothing normal ever changed a damn thing (dt. Nichts Normales hat jemals eine verdammte Sache geändert) prangt als Banner über dem Messeingang und gibt auch indirekt das Motto der diesjährigen Ausgabe wieder: A call for solvers. Ein Aufruf an die Problemlöser von Morgen, ihre Ideen der Welt und vor allem Investoren zu präsentieren. Passend dazu hält Friedensnobelpreisträger und ehemaliger US-Vizepräsident Al Gore die Eröffnungs-Keynote, in der er sowohl an Start-Ups als auch Investoren motiviert, große Fragen wie Nachhaltigkeit immer im Hinterkopf zu behalten.

Finnair: Gesichtserkennung statt Bordkarte

Doch was gab es konkret zu sehen? Neben jeder Menge, für den Endkunden, weniger spannenden Lösungen aus der und für die Business-Welt von (Über)morgen auch einige Dinge, die unseren Alltag in nicht allzu ferner Zukunft verändern könnten.

Finnair experimentierte schon im Mai, auf freiwilliger Basis und ausschließlich unter den eigenen Vielfliegern mit Gold- und Platin-Status, in einem kleinen Feldversuch mit Gesichtserkennung als Alternative zur Bordkarte. Statt des QR- oder Barcodes auf dem Smartphone oder Papierticket dient das eigene Gesicht als Validierung zum Boarding. Doch die Ideen für die Zukunft gehen weiter.

Slush 2017: Finnair zeigt sein Check-In-System mit Gesichtserkennung

Vom Check-In über die Sicherheitskontrolle, dem Zugang zur Lounge für Vielflieger bis zum Boarding ins Flugzeug soll kein klassisches Ticket mehr nötig sein. Wer zwischendurch Informationen benötigt, z.B. an welchem Gate der Flug wann startet oder was es zu Essen gibt, kann das jederzeit über ein großes Display tun. Ein Blick genügt und das System weiß, wer davorsteht.

Derweil gibt man sich bei Finnair verschlossen, wann entsprechende Systeme in der Praxis zu sehen sein werden. Noch sieht man viel Arbeit vor sich, um einerseits eine gute Nutzererfahrung zu bieten (u.a. die Übersetzung in diverse Sprachen und Integration in die bestehende Finnair-App) als auch die Ausweitung auf alle relevanten Stellen am Flughafen, die bisher das klassische Ticket benötigen. Neben dem Flughafen müssen hier womöglich auch noch regulatorische Hürden genommen werden. Die als progressiv und neuen Technologien offen geltenden Finnen (und Skandinavier allgemein) lassen diese Aufgabe jedoch durchaus machbar erscheinen.

Auf die Frage nach dem Datenschutz antwortete die für die eigentliche Technik verantwortliche Firma Futurice, dass das zur Gesichtserkennung verwendete Foto direkt nach der Auswertung gelöscht wird und fortan nur noch ein geometrisches Raster vom Gesicht in den Systemen verbleibt. Datenschutz-Aktivisten ist womöglich das schon zu viel.

VR, AR und die Schule der Zukunft

Ist die virtuelle (VR) und erweiterte Realität (AR, XR oder MR) sind weiterhin große Trendthemen unter den Start-Ups, auch wenn sich mittlerweile merklich Ernüchterung eingeschlichen hat. Warum? Nach der ganzen Euphorie über neue Möglichkeiten und das Eintauchen in digitale Welten stellt sich mehr und mehr die Frage nach der Rentabilität – und die gibt es bei Konsumenten nur über die Masse.

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Vorreiter könnte wieder einmal Japan sein. Eiji Araki (GREE) und Hironao Kunimitsu (Investor) sprachen darüber, sich bereits jetzt eher darauf zu konzentrieren in Zukunft packende Inhalte anzubieten als immer neue VR-Brillen. Als Beispiel kann Nintendo herhalten, die mit vergleichsweise schwacher Hardware große Erfolge feiern konnten, da das Angebot an exklusiven Spielen überzeugend war.

Slush 2017: Auf der Fireside-Stage wird viel diskutiert

Aber auch die Schule der Zukunft war Thema auf der Slush 2017, jedoch eher indirekt: Wie können wir die kommende Genration auf die Arbeitswelt von Morgen vorbereiten, wenn wir sie selbst noch gar nicht kennen? Echte Lösungen gab es erwartungsgemäß nicht, dafür sind 30 Minuten auf einer Bühne auch zu kurz. Aber immerhin den Ansatz, sich von den starren Strukturen zu lösen, die jedem Kind und Jugendlichen das gleiche abverlangen, anstatt individuelle Talente zu fordern.


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