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Canon im Gespräch über die Zukunft der DSLR, 8K, 5G und Co.

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ValueTech hatte die Chance Ende Februar im Canon Firmensitz (Tokyo) mit Naohiko Hayashi, seines Zeichens General Manager bei Canon, über die Zukunft der eigenen DSLR-Produktgruppe in Zeiten erstarkender, spiegelloser Kamerasysteme, die Möglichkeiten von 8K-Video, 5G in Kameras und mehr zu sprechen.

Naohiko Hayashi (Canon) im Interview mit ValueTech im Canon HQ Tokyo

Hinweis der Redaktion: Das Interview erfolgte auf Englisch und Japanisch (Dolmetscherin). Die folgenden Aussagen wurden von ValueTech sinngemäß ins Deutsche übersetzt.

Canon war mit dem EOS-M-System (2012) vergleichsweise früh im DSLM-Markt vertreten, die Außenwahrnehmung war (trotz hoher Verkaufszahlen) unter Fotografen eine andere. Wohl auch, weil eine Vollformat-Serie fehlte. Auf die Ergebnisse der ersten gut anderthalb Jahre mit der EOS-R-Familie angesprochen sagte Naohiko Hayashi, dass man sich zu Beginn mit der EOS R und besonders lichtstarken Objektive bewusst an Enthusiasten gerichtet hat. Mit dem EOS-RF-Bajonett wären aber auch deutlich kompaktere Designs möglich. Mit der EOS R5 geht Canon nun in die Expansionsphase über und will eine deutlich breitere Zielgruppe ansprechen.

Besondere Aufmerksamkeit bei ersten Tests dürfte wohl die 8K-Videofunktion der EOS R5 erhalten. Ist man damit jetzt vielleicht sogar etwas „zu früh“ am Markt? „Nein“, meint Naohiko Hayashi und verweist auf erste 8K-Übertragungen (z.B. NHK in Japan) sowie die immense Bedeutung von Video-On-Demand-Anbietern wie Netflix oder Amazon Prime Video. Nicht zuletzt seien 8K-Aufnahmen auch für 4K-Produktionen spannend, da in der Bearbeitung für Effekte wie Videostabilisierung mehr Daten zur Verfügung stehen. Zudem lassen sich hochaufgelöste Standbilder (ca. 32 Megapixel) aus einem 8K-Video extrahieren und so auch als sehr schneller Serienbildmodus verwenden.

Ein früher Prototyp der Canon EOS R5

So spannend spiegellose Vollformat-Systemkameras auch sind, bleiben zwei wichtige Fragen für uns. Einerseits: Wie geht es weiter mit Canons DSLR-Kameras? Nach Zahlen der CIPA wurden 2019 noch ca. 13% mehr DSLR-Kameras verkauft als DSLMs, wenngleich diese nur noch rund 38% des Umsatzes ausmachen.

Die Antwort fällt diplomatisch und rational aus: Wichtig sei es, so Naohiko Hayashi, auf die Nutzer zu hören und entsprechende Produkte anzubieten. Solange der Bedarf besteht, wird Canon DSLR-Kameras produzieren. Jedoch habe man ein gut ausgebautes Ökosystem und aktuelle DSLR-Kameras in vielen Preisbereichen, weshalb der Schwerpunkt derzeit auf spiegellosen Kameras liegt.

Angesichts der Produktvorstellungen der letzten 12 Monaten lässt sich dies nur unterstreichen: Von der gehobenen Einsteiger-DSLR EOS 850D über die EOS 90D als Mittelklasse-Modell bis zum Topmodell EOS-1D X Mark III bekam auch die DSLR-Linie viele Updates spendiert.

Naohiko Hayashi (Canon; li.) im Gespräch mit Matthias Proske (ValueTech; re.) über die Canon EOS R5

Andererseits: Wie geht es mit dem EOS-M-System weiter? RF-Objektive sind nicht kompatibel zu Canons DSLM-Kameras mit APS-C-Sensor und bisher gibt es kein Anzeichen für eine APS-C-Kamera mit RF-Bajonett.

Die Antwort fällt im Kern identisch aus: Canon beobachtet den Markt und bietet passende Produkte an. Der abschließende Hinweis auf die sehr guten Verkaufszahlen der EOS M50, in einigen Ländern sogar die bestverkaufte Systemkamera der letzten Monate, darf als Wink mit dem Zaunpfahl verstanden werden, dass das EOS-M-System weiter mit neuer Technik versorgt werden wird.

Smartphones und Quo vadis, Autofokus?

Darüber hinaus sprachen wir mit Canon sowie weiteren Interview-Partnern von Fujifilm, Olympus und Tamron über die immer größere Konkurrenz durch Smartphones und was das nächste große „Schlachtfeld“ werden könnte, jetzt da der Autofokus herstellerübergreifend ein hohes Niveau erreicht hat. Mehr dazu im folgenden Video.

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