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Produktfotografie - Gute Bilder für eBay und Co | #2 Das Shooting

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Nachdem wir im ersten Teil die notwendige Ausrüstung für gute Produktfotos besprochen haben, wollen wir uns heute dem wohl wichtigsten Teil zuwenden: Der Aufnahme der Fotos selbst. Was es dabei grundlegend zu beachten gilt erfahren Sie dabei wie immer hier kompakt im Artikel, sowie ausführlich und am Beispiel gezeigt im zugehörigen Video.

Fujifilm X-A1 mit Fujinon EBC XC 16-50 mm f/3.5-5.6 OIS

Putzen, Putzen, Putzen!

Eine Sache die häufig unterschätzt wird, aber einen enormen Unterschied macht ist die Reinigung des zu fotografierenden Objekts. Dabei ist neben Staub auch insbesondere auf Fingerabdrücke an glänzenden Oberflächen zu achten. Zwar kann viel davon auch noch im Nachhinein via RAW-Konverter entfernt werden (siehe Bild unten), jedoch ist der Aufwand meist um ein vielfaches höher als einfach für fünf Minuten zu einem kleinen Pinsel zu greifen.RAW-Konverter: CaptureOne 7 (Phase One) Zur Entfernung von Fingerabdrücken und Co raten wir bei Elektrogeräten zu speziellem Reinigungsspray und Mikrofasertüchern, um am Ende frei von Schlieren und möglichst ohne winzige Mikrokratzer auf der Oberfläche dazustehen. Wir nutzen dazu das recht günstige [[ASIN:B0061FUD78|Antec 3X Reinigungsspray]]. Auch Glasreiniger lassen sich dafür prinzipiell benutzen, jedoch hinterlassen einige Fabrikate deutliche Schlieren. Gleiches gilt für die Benutzung von Brillenputztüchern.

Hintergrund

Jedes Foto braucht natürlich auch einen Hintergrund vor dem es aufgenommen wird. Bei größeren Objektien wie Autos, Fahrrädern oder auch nur einem Fernseher ist man hier schon beschränkt, außer man nennt ein großes Fotostudio sein eigen - in diesem Fall dürften Sie aber wohl eher nicht diesen Artikel hier lesen. Sollten Sie ein Objekt in dieser Größe fotografieren wollen, probieren sie es in seiner "natürlichen Umgebung": Das Auto auf der Straße, das Mountainbike auf einer Schotterpiste und den Fernseher an der Wand im Wohnzimmer. Achten Sie dabei auf eine gute Ausleuchtung und auch auf die im folgenden genannten Hinweise.Fujifilm X-A1 mit Fujinon EBC XC 16-50 mm f/3.5-5.6 OIS Bei handlichen Fotomotiven wie der alten Kamera, dem letzten Smartphone oder einer Münze aus der Sammlung kann man hingegen auch zu Hause schon etwas professioneller arbeiten. Für gute Ergebnisse brauchen Sie keinen Fototisch oder andere Hilfsmittel - eine große, stabile und möglichst einfarbige Unterlage reicht aus. Ein Schreibtisch oder eine matt lackierte Holzplatte sind hier oft verfügbare Hilfsmittel. Farblich sollten diese einen möglichst hohen Kontrast zum Motiv bieten: Helle Objekte lassen sich nur schwer vor einem weißen Hintergrund (siehe Bild ganz oben) ablichten, kommen dafür vor dunkleren Hintergründen sehr gut zur Geltung (siehe Bild oben). Bei dunklen Motiven gilt dementsprechend das Gegenteil.

Bildaufbau

Die wichtigste Grundregel bei der Produktfotografie lautet hier: Platz lassen! Sollten Sie gerade keine Detailaufnahmen anfertigen, was generell übrigens sehr zu empfehlen ist, sollten Sie rund um das Objekt genügend Platz lassen um später den richtigen Bildausschnitt festlegen zu können, sowie in der Nachbearbeitung auch beim Hintergrund/Untergrund mehr Spielraum für Optimierungen zu haben. Mehr dazu im letzten Teil unserer Serie.

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Als grober Richtwert sollte das Motiv gut 50 Prozent der Bildfläche ausfüllen und möglichst mittig stehen. Dank der sehr hochauflösenden Kameras können sie den richtigen Bildausschnitt (Stichwort: goldener Schnitt) auch einfach später in der Nachbearbeitung festlegen und können sich bei der Aufnahme auf das wichtigste konzentrieren: Die Einstellungen an der Kamera und das Licht!

Kameraeinstellungen

JPEG oder RAW/DNG: Nehmen Sie, sofern die Kamera dies unterstützt und sie auch in die Nachbearbeitung gehen wollen, definitiv im RAW-Format auf, da entsprechende Bilder wesentlich mehr Daten bereitstellen. Primär geht es hier um die Helligkeitsinformationen mit (heutzutage) meist 16.384 (14 bit) anstelle von 256 (8 bit) Abstufungen je Farbkanal. Außerdem müssen Sie sich während der Aufnahme keinerlei Gedanken über den Weißabgleich machen.

Blende: An Kameras mit großem Bildsensor, also prinzipiell kompakte System- und Spiegelreflexkameras, und kleineren Produkten sollten sie auf jedem Fall mit einer recht weit geschlossenen Blende fotografieren: Je nach Objekt und Brennweite f/8 bis f/16. Dies erzeugt primär eine größere Schärfentiefe und zeigt damit mehr Details vom Produkt. Große Objekte sollten mit einer möglicht offenen Blende fotografiert werden um diese vom Hintergrund besser freizustellen.

Belichtungszeit und Lichtempfindlichkeit (ISO): Die Lichtempfindlichkeit sollte, wie eigentlich immer, dem Motto "So tief wie möglich, so hoch wie nötig" folgen. Unser Tipp: Stellen Sie die Kamera auf den A/Av-Modus (Blendenpriorität), stellen sie die Blende entsprechend der oben genannten Tipps ein, und passen sie den ISO-Wert so an, dass sie bei einer Belichtungszeit von unter vier Sekunden bleiben um das Auftreten von Pixelfehlern (Hot-Pixel) sicher vermeiden. In den meisten Fällen also im Bereich von ISO-100 bis ISO-320 und damit nahezu ohne Bildrauschen.

Beleuchtung, Blitz und Polfilter

Das wichtigste Thema beim Fotografieren ist, auch in Zeiten von Photoshop und Co, das Licht. Dementsprechend sollten Sie, egal ob zu Hause auf dem Schreibtisch oder beim Auto auf der Straße, hier lieber mehr Zeit investieren als weniger. Auch hier macht Übung den Meister und Sie werden in kurzer Zeit schnell Fortschritte erzielen können.

Unterschätzen Sie beim Fotografieren in Innenräumen nicht das Tageslicht. Auch wenn unser Auge gern anderes suggeriert, ist helles Tageslicht um ein vielfaches (Faktor 10 bis 100) heller als unsere normale Beleuchtung in Innenräumen. Sollte ein Fenster in der Nähe des Aufnahmeortes liegen, dunkeln sie den Raum etwas ab oder nehmen in den dunkleren Abendstunden oder der Nacht auf - hier sind sie der alleinige "Herr übers Licht".Sony NEX-5T Nehmen Sie das normale Umgebungslicht als unveränderliche "Grundlage" hin und optimieren sie mit dem Blitz die restliche Beleuchtung. Optimal sind hier natürlich Aufsteckblitze, bei denen Sie den Winkel einstellen können. Das ermöglicht es beispielsweise indirekt "über die Decke" zu blitzen und damit mehrere Quadratmeter Wand als weichen Reflektor zu nutzen - ohne dafür extra eine Softbox für den Blitz kaufen zu müssen.

Hier ist experimentieren angesagt! Über den Winkel können sie die Richtung des "zusätzlichen" Lichts beeinflussen. Bei den meisten Blitzgeräten können Sie zudem die Stärke korrigieren: Wie an der Kamera meist ±3 EV und in 1/3-Schritten. Damit haben sie neben der "Lichtrichtung" auch Einfluss auf das Verhältnis von Umgebungslicht zu Aufhelllicht.

Sollten Sie einen Polfilter einsetzen gilt auch hier: Experimentieren. Da moderne Produkte beim Design oft auf geschwungene Linien setzen, sind auch die Reflexionen an der Oberfläche entsprechend komplex. Aufgrund der grundlegenden Funktionsweise von Polfiltern können Sie nie alle Reflexionen entfernen sondern werden mit der Verminderung der einen Reflexion eine Andere wieder hervorheben. Bei der oben zu sehenden Kamera beispielsweise entweder die Vorderseite der Kamera oder die hier zum Betrachter zeigende Seite mit NFC-Logo - aber nie beide zugleich.

Und wie geht's weiter?

Sollten Sie mit einigen Testbildern, verschiedenen Blitzeinstellungen und einigen verschiedenen Drehungen am Polfilter ein - oder meist mehrere - Varianten gefunden haben, geht es damit noch schnell in die Nachbearbeitung. Mehr dazu im letzten Teil der Video-Serie.

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