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[Kompakt] Canon PowerShot SX30 IS

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Canon gehört schon seit jeher zu den Firmen, die es sich selbst gerne künstlich schwer machen und praktisch resistent gegenüber Kundenwünschen sind. Ihr wollt weniger rauschen? Ihr bekommt mehr Megapixel! Einen höheren Dynamikumfang? Mehr Megapixel! Ein hochaufgelöstes Display? Mehr Megapixel!

So in etwa zumindest scheint die Entwicklungsarbeit bei Canon auszusehen. Wie sonst wäre zu erklären, dass man versucht in ein 1/2,3" großen Sensor 14 Millionen Pixel unterzubringen? Daraus resultiert eine Fläche von lediglich etwas unter 2 µm² je Pixel. Zudem überschreitet Canon nun auch schon aus physikalischer Sicht unsinnige Grenzen.
Beim Durchtritt von Licht durch eine Blende wird das Licht gebeugt und es entstehen sogenannte Beugungsscheibchen (Airy-Scheibchen), diese limitieren ab einem gewissen Punkt bereits physikalisch die Auflösung, da man nicht mehr das eigentliche Motiv höher auflöst, sondern nur noch die Beugungsscheibchen selbst. Und dies geschieht bei dieser Sensorgröße und Pixeldichte bereits spätestens ab Blende f/3.5. Bei einem Minimalwert von f/5.8 bei 480 mm kann sich jeder überlegen wie Sinnvoll es ist.. Man könnte dieses Thema noch bedeutend weiter ausführen, aber ich denke zur Veranschaulichung der Problematik war dies ausreichend.

Das nächste Problem dieser enormen Pixeldichte: Rauschen. Da die Lichtmenge je Pixel sehr gering ist, ist auch der Unterschied zwischen elektrischem Grundsignal und Messsignal eher gering (SNR - Signal to noise ratio). Was bleibt ist ein stark verrauschtes und damit Detailarmes Bild, bereits bei ISO 80. Von ISO 400 oder gar mehr redet man lieber nicht. Lediglich bei sehr gutem Wetter (kaum Wolken, viel Sonne = Hell) kann man bis ISO 200 halbwegs brauchbare Bilder machen. Trotzdem bleibt das Rauschen sichtbar.

Zur Optik: Diese ist das einzig Positive an der SX30 IS. Zwar ist auch die optische Qualität über den Gesamten Brennweiten-Bereich nicht herausragend oder ähnliches (was vor allem den großen Kompromissen zwischen den Weitwinkel und Tele zuzuschreiben ist), aber zumindest halbwegs ansehnlich und auch bei 480 mm löst das Objektiv noch recht viele Details auf. Eine genauere Betrachtung ist aber auch hier aufgrund des starken Rauschens erschwert.
Der Bildstabilisator ist dann doch gut gelungen. Von den versprochenen 4,5 Blenden bleibt, wie so oft, nicht alles übrig. Etwa drei Blenden sind aber oft zu schaffen, bis zu vier mit etwas Übung end Geschick auch. Trotzdem ein stattliches Ergebnis für eine Kompaktkamera-Objektiv.

Die Menüführung finde ich nicht sonderlich gelungen. Da hat Canon bereits bei den digitalen Spiegelreflex öfters bewiesen das sie es sehr wohl besser können. Die Kamera hat einfach zu viele Einstellmöglichkeiten für so wenige Bedienelemente und wichtige Einstellungen sind mit weniger wichtigen (seltener benutzen) stark vermischt.

Fazit: Für den Preis auf jeden Fall eine zu schlechte Leistung. Immerhin erhält man für sein Geld problemlos eine EOS 1000D samt 18-55 Objektiv, welche definitiv bessere Bilder macht, allerdings im Kit kein Zoomobjektiv besitzt. Zudem ist die Bedienung hier wesentlich intuitiver.
Alternativ wäre eine Lumix DMC-FZ38 überlegenswert. Zwar schon ein Jahr alt und mit "nur" 12 Megapixeln, die Bildqualität ist meiner Erfahrung nach aber bedeutend besser. Weniger ist eben manchmal einfach mehr.


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