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Canon EF 100 mm f/2.8L IS USM - Makro-Objektiv der Oberklasse im Test

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Nach dem großen Makro-Vergleich (Video) wollen wir nun einen Blick auf die wichtigsten Vertreter der Gattung Makro-Objektive werfen. Den Beginn macht dabei das mit einem Straßenpreis von 800 Euro nicht gerade günstige Premium-Makro-Objektiv EF 100 mm f/2.8L IS USM Macro von Canon.

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Design und Verarbeitung

Wie nicht anders von Canons professioneller L-Serie gewohnt, kann auch das 100-mm-Makro-Objektiv voll überzeugen, wenn es um die Verarbeitungsqualität geht. Direkt oberhalb des Metallbajonetts lässt sich bei Bedarf eine Stativschelle befestigen, diese ist aufgrund des recht geringen Eigengewichts von 625 Gramm jedoch eigentlich nicht notwendig - und auch nicht im Lieferumfang enthalten.Canon EF 100 mm f/2.8L IS USM Macro [Bildmaterial: Canon] Weiter oben befinden sich eine geschützte Skala mit der aktuellen Fokusdistanz und dem daraus resultierenden Abbildungsmaßstab sowie drei Schalter zum (de-)aktivieren von Autofokus und Bildstabilisator sowie ein Autofokus-Limiter zum Begrenzen des Arbeitsbereiches. Der breite Fokusring weiter oberhalb kann auch bei aktiviertem Autofokus benutzt werden (Ring-USM) und erlaubt zudem eine sehr feine Einstellung der Fokusdistanz.

Autofokus und Bildstabilisator

Häufig sind manuelle Eingriffe jedoch nicht von Nöten, arbeitet doch der Ultraschallmotor im 100 mm f/2.8L IS USM Macro zumeist sehr schnell und präzise. Die dabei eingesetzte Innenfokussierung hat zudem den Vorteil, dass das Objektiv auch bei einem Abbildungsmaßstab von 1:1 nicht seine Größe ändert und das 67-mm-Filtergewinde an der Front nicht rotiert. Besonders letzterer Punkt ist beim Einsatz von Grauverlaufs- und Polfiltern sehr wichtig.

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Der optische Bildstabilisator (IS) ist im Makro-Betrieb eher selten von Vorteil, hier sorgen bereits minimale Bewegungen des Motives (z.B. eine Blüte bei sehr seichtem Wind) für weit mehr Unschärfe als das Zittern der Hände. Wer das Objektiv jedoch auch für Portraitaufnahmen verwenden möchte, kann auch bei Belichtungszeiten von über 1/20 Sekunden noch scharfe Aufnahmen erzielen.

Bildqualität

Wie bei beinahe allen "reinrassigen" Makro-Objektiven mit fester Brennweite ist die Bildschärfe absolut unproblematisch und selbst bei Offenblende f/2.8 auf einem sehr hohen Niveau und erreicht an den meisten Kameras zwischen Blende f/4 und f/8 sein Maximum. Da die meisten Makroaufnahmen erfahrungsgemäß in Bereichen zwischen Blende f/5.6 und f/11 erfolgen, ist eine objektivbedingte Unschärfe nahezu ausgeschlossen.Canon EF 100 mm f/2.8L IS USM Macro | EOS 5D Mark III, f/5, 1/320 s, ISO-250 Sowohl offenblendig (Portrait) als auch mehr oder weniger stark abgeblendet (Makrofotografie) ist das Bokeh, die "Schönheit, Weichheit oder Rundheit der Hintergrundunschärfe", ein nicht zu unterschätzender Einflussfaktor auf die subjektiv empfundene Bildqualität. Durch die neun abgerundeten Blendenlamellen erzeugt das 100-mm-Makro-Objektiv von Canon auch hier ausgezeichnete Resultate.Canon EF 100 mm f/2.8L IS USM Macro | EOS 5D Mark III, f/5, 1/100 s, ISO-250 Die Chromatische Aberration (Farbquer- und längsfehler) hat man ebenfalls gut im Griff, selbst bei Offenblende und am Bildrand (Vollformat) betrieben sind kaum Farbsäume zu erkennen. Dank der weiten Verbreitung sind zudem für nahezu alle (professionellen) RAW-Konverter entsprechende Korrekturprofile vorhanden.Fujifilm X-A1 mit Fujinon EBC XC 16-50 mm f/3.5-5.6 OIS Die Vignettierung (Randabschattung) ist prinzipiell zu vernachlässigen, nur an Vollformat-Kameras und bis etwa Blende f/5.6 lassen sich in der Nachbearbeitung minimale Helligkeitsabfälle am Rand (ca. -1 EV) feststellen.

Fazit und Empfehlung

Bei einer UVP von gut 1.000 Euro und einem effektiven Ladenpreis von 700 bis 800 Euro ist die Erwartungshaltung an ein Makro-Objektiv naturgemäß hoch, im Falle des [[ASIN:B002NEFLD2|Canon EF 100 mm f/2.8L IS USM Macro]] werden die Erwartungen auch erfüllt.Canon EF 100 mm f/2.8L IS USM Macro | EOS 5D Mark III, f/5.6, 1/160 s, ISO-800 Sowohl die Pflicht (Bildqualität und Autofokus) als auch die Kür (Bildstabilisator und Verarbeitung) absolviert man mit Bravour und lässt kaum mehr Potential für einen eventuellen Nachfolger. Nur die äußeren Abmessungen und das Gewicht werden die Ingenieure bei Canon womöglich noch optimieren können.


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