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Tamron 16-300 mm Di II VC PZD - Reise-Zoom-Objektiv im Test

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Tamron nutze die CP+ 2014, neben der Photokina die zweitwichtigste Messe für Fotografie-Produkte auf der Welt, um den Nachfolger des beliebten Reise-Zoom-Objektives 18-270 mm vorzustellen: Das 16-300 mm f/3.5-6.3 Di II VC PZD soll die Brennweite an beiden Enden erweitern, durch den Einsatz vieler Spezialgläser jedoch die Bildqualität auf einem guten Niveau halten. Weitere Details zum Objektiv finden Sie in unserer ersten Analyse zur Ankündigung.

Für APS-C-Kameras: Tamron 16-300 mm f/3.5-6.3 Di II VC PZD [Bildmaterial: Tamron]

Design und Verarbeitung

Das Design ist im Vergleich zum Vorgänger etwas unauffälliger geworden und wirkt stellenweise wie eine Mischung aus 80er- respektive 90er-Jahre-Retro-Optik und ein paar modernen Elementen. Das recht stattliche Gewicht von immerhin 540 Gramm verteilt sich im eingefahrenen Zustand auf nur 10 cm Länge. Im ausgefahrenen Zustand ist das Paket aus Objektiv und Einsteiger-DSLR (Canon EOS 700D und co) dementsprechend frontlastig, bei 16 mm "eingerastet" kann man die Kamera jedoch bequem mit sich herumtragen.

Tamron 16-300 mm Di II VC PZD - Im Lieferumfang befindet sich auch eine Streulichtblende

Neben dem Lock-Schalter gibt es noch zwei Schalter zum (de)aktivieren von Bildstabilisator und Autofokus. Der Zoom-Ring fällt angenehm groß aus, ist im Gegenzug aber recht schwergängig und "verkantete" bei unserem Testmuster an einigen Stellen. Der Fokusring kämpft mit den gleichen Problemen wie die meisten Super-Zoom-Objektive: Der kleine Ring ist schwer zu greifen und bietet zu wenig Widerstand um für den Videomodus interessant zu sein. Interessant: Ein (einfacher) Spritzwasserschutz hat es ebenfalls in das Tamron 16-300 mm geschafft, angesichts der UVP von stolzen 859 Euro ist dies aber auch zu erwarten.

Autofokus und Bildstabilisator (VC)

Der Autofokus geht immer präzise zu Werke, jedoch ist die Geschwindigkeit eher im mittleren Bereich und verhältnismäßig langsam für einen Ultraschall-Autofokus. Die geringe Naheinstellgrenze von 39 cm (max. Abbildungsmaßstab 1:2,9 bei f = 300 mm) verstärkt das Problem mit der weiten Fokusspannweise zusätzlich etwas. Eine Möglichkeit den AF-Bereich einzuschränken ist leider nicht vorhanden, dafür funktioniert der Autofokus auch im Makro-Bereich noch tadellos. Geräusche sind dank des piezoelektrischen Motors kaum wahrzunehmen.

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Im Videomodus bringt der etwas träge Autofokus wieder Vorteile und fokussiert an der Canon EOS 650D weich nach. Der optische Bildstabilisator (OS) lässt sich sowohl in Videos als auch zum Fotografieren gut einsetzen, trotzdem sollte man Videosequenzen bei Brennweiten über 160 mm vermeiden - zumindest ohne Stativ. Im maximalen Tele (f = 300 mm) sind scharfe Fotos noch bei etwa 1/100 bis 1/50 s Verschlusszeit möglich, wie gehabt gilt dies natürlich nur für stillstehende Objekte.

Bildqualität

Die Bildschärfe liegt auf dem bekannten Niveau von besseren Reise-Zoom-Objektiven: Der sehr weite Brennweitenbereich sorgt dafür, dass das Tamron 16-300 mm Di II VC PZD an keinem Ende als "knackscharf" bezeichnet werden kann - weder bei Offenblende noch beim Abblenden um ein bis zwei EV. Wer seine Bilder gerne auf A3-Größe (oder eben größer) drucken lässt, auf 100-Prozent-Bildausschnitte setzt oder aus anderen Gründen auf eine sehr hohe Bildschärfe angewiesen ist, sollte also auch weiterhin zumindest auf eine Kombination aus Weitwinkel-Zoom (17-70 mm o.ä.) und Tele-Objektiv (70-200 oder 70-300 mm) setzen.Tamron 16-300 mm Di II VC PZD Beispielbild | Canon EOS 650D, 44 mm, f/5, 1/125 s, ISO-200 Neben dem Mikrokontrast oft das größte Problem in dieser Objektivklasse: Das Bokeh - die "Schönheit des Hintergrunds". Leider bleibt auch das neue Tamron-Reise-Zoom-Objektiv nicht davon verschont und hat (siehe Bild unterhalb) mit unruhigen Strukturen im Hintergrund zu kämpfen. Nur im Makro-Bereich wird der Effekt durch die hier generell stärkere Unschärfe abgeschwächt.Tamron 16-300 mm Di II VC PZD Beispielbild | Canon EOS 650D, 238 mm, f/6.3, 1/250 s, ISO-400 Die Chromatische Aberration (Farbquer- und längsfehler) hat Tamron mit den vielen Speziallinsen hingegen abermals sehr gut in den Griff bekommen: Selbst in der 100-Prozent-Ansicht sind nahezu keinerlei Farbsäume an harten Kontrastkanten im Bild erkennbar - Korrekturen im RAW-Konverter sind dementsprechend nicht notwendig.Tamron 16-300 mm Di II VC PZD Beispielbild | Canon EOS 650D, 124 mm, f/5.6, 1/2.500 s, ISO-400 Die Vignettierung (Randabschattung) ist abhängig von der gewählten Brennweite: An den beiden extremen Enden (16 und 300 mm) fällt sie besonders bei maximaler Lichtstärke auf, im mittleren Brennweitenbereich (35 bis etwa 180 mm) ist das Bild hingegen nahezu homogen belichtet.

Fazit und Empfehlung

Tamron 16-300 mm Di II VC PZD Beispielbild | Canon EOS 650D, 35 mm, f/4.5, 1/640 s, ISO-400Unser Eindruck des neuen Reise-Zooms von Tamron ist gespalten: Einerseits ist da der derzeit wesentlich günstigere Vorgänger [[ASIN:B004FLJVXM|18-270 mm Di II VC PZD]] mit einer kaum anderen Bildqualität, praktisch identischer Ausstattung und einem nicht so unterschiedlichen Brennweitenspektrum, als das es im Alltag wirklich auffallend wäre. Wer auf das "Mehr an Brennweite" verzichten kann, sollte sich den Vorgänger auf jeden Fall ansehen.

Das [[ASIN:B00JM15OCW|Tamron 16-300 mm f/3.5-6.3 Di II VC PZD]] hat es zudem mit Konkurrenten wie dem neuen Sigma 18-200 mm DC OS HSM Makro aus der Contemporary-Serie zu tun. Zwar bietet letzteres Objektiv weniger Spielraum im Tele-Bereich, dafür jedoch eine höhere Bildschärfe und ist noch einmal um einiges kompakter als das neue Tamron - kein unwichtiger Punkt für ein Reise-Zoom-Objektiv.


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