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Canon EOS 7D Mark II: DSLR für Sport- und Tierfotografen im Test

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Fünf Jahre musste die Fotowelt auf einen Nachfolger der äußerst beliebten Canon EOS 7D warten, als man (erwartungsgemäß) die Canon EOS 7D Mark II auf der photokina 2014 vorstellte waren vor allem zwei Dinge zu vernehmen: Erleichterung und Ernüchterung. Oft war zu hören, dass der lang erwartete Nachfolger nicht die (hohen) Erwartungen wird erfüllen können. Denn die ganze große Neuerung fehlt, oder?

Canon EOS 7D und 7D Mark II

Design und Verarbeitung

Mit 910 Gramm bringt die Mark II-Version 90 Gramm mehr auf die Waage als der Vorgänger, auch das Volumen hat sich mit gut 8 Prozent leicht erhöht und liegt noch näher an der Canon EOS 5D Mark III als vorher. Was vielen Profis gefallen dürfte: Auch die Bedienung hat man noch weiter dem Canon-Vollformat-Bestseller angeglichen und erleichtert damit professionellen Nutzern mit zwei Bodys den Umstieg. Wer die EOS 5D Mark III blind bedienen kann, muss sich bei der EOS 7D Mark II praktisch nicht umstellen.

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Aber auch Ein- und Umsteigern dürfte die Bedienung zusagen, ist sie doch noch ein wenig einfacher geworden und hat viele Detailverbesserungen erfahren. Wie gehabt lassen sich viele Tastenbelegungen anpassen, die einzelnen Menüpunkte wurden wieder mit vielen Erklärungstexten versehen (aufrufbar über die i-Taste), das Quickset-Menü lässt noch direktere Einstellungen zu und die neue Schriftart lässt alles etwas frischer wirken.

Auch ein GPS-Modul hat es in die Canon EOS 7D Mark II geschafft: Im Vergleich zur Canon EOS 6D konnte man den Verbrauch im Stand-By merklich absenken und hat zudem noch einen digitalen Kompass integriert. Neben dem Längen-, Breitengrad und der Höhe wird jetzt so auch noch die Blickrichtung in den EXIF-Daten gespeichert.

Serienbild und Autofokus

Schon die erste EOS 7D richtete sich primär an Sport- und Tierfotografen: Der Crop-Faktor von 1,6 ist hier oft eher von Vorteil als das der kleinere Sensor zum Problem werden würde und die Geschwindigkeit ebenfalls sehr wichtig. Mit der Mark II hat Canon die Serienbildgeschwindigkeit auf üppige 10 Bilder/s angehoben und hält das Tempo, je nach Speicherkarte, für 22 bis etwa 30 RAW-Bilder durch. Wer eine sehr schnelle CompactFlash-Speicherkarte sein Eigen nennt, kann auch danach noch mit vier Bildern je Sekunde fotografieren.Beispielbild Canon EOS 7D Mark II + Sigma 50 mm f/1.4 EX DG HSM | f/1.4, 1/20 s, ISO-3200

Das Autofokus-Modul wurde ebenfalls angepackt und von einem 19-Punkt-Autofokus (alle 19 Kreuzsensoren) auf ein 65-Punkt-Autofokussystem (64 Kreuzsensoren + ein Doppelkreuzsensor in der Mitte) aktualisiert. In Kombination mit dem neuen Belichtungs-Messsystem (150.000 Pixel RGB+IR) lassen sich so Objekte über einen großen Bildbereich und auch sehr genau verfolgen.Bild einer Canon EOS 7D Mark II mit Anti-Flacker-Modus (links) und ohne (rechts)

Das neue Belichtungs-Messsystem kann jedoch noch mehr und erkennt nun auch flackernde Lichtquellen, beispielsweise Monitore oder einige Kunstlichtquellen. Ist der Anti-Flacker-Modus aktiviert, sucht die EOS 7D Mark II nach der Phase mit der höchsten Helligkeit der Lichtquelle und löst dann aus - bei Serienbildaufnahmen wird die nächste Auslösung dementsprechend leicht verzögert und verringert die Geschwindigkeit minimal.

Bildqualität

Große Überraschungen gibt es hier nicht zu berichten. Auch wenn Canon keine konkreten Aussagen macht, so dürfte der Bildsensor doch 1:1 dem der Canon EOS 70D entsprechen - womöglich minimal erweitert um bis zu 10 Bilder je Sekunde auslesen zu können. Neben dem Dual-Pixel-CMOS-AF (mehr dazu im Video-Teil) konnte man auch das Bildrauschen minimal verbessern. Der maximale ISO-Wert von 51.200 ist jedoch eher für Notfälle anzusehen und aufgrund der starken Farbrauschens eher für monochrome Aufnahmen geeignet.Bildrauschen bei ISO-3200 im Vergleich: Canon EOS 7D vs 7D Mark II Unterschiede bei der Bildschärfe sind nur im direkten Vergleich und mit hochauflösenden Objektiven auszumachen - und auch dann nur marginal. Den Dynamikumfang konnte man ebenfalls nicht merklich anheben. Rundum ist der Bildsensor der Teil der Canon EOS 7D Mark II, in dem sich am wenigsten getan hat. Gegen den 24-Megapixel-Sensor ohne Tiefpass-Filter der Sony Alpha 77 Mark II hat Canon das Nachsehen, dafür ist man beim Objektivangebot besser aufgestellt.

Videomodus

Der 2009 noch (sehr) gute aber 2014 nicht mehr konkurrenzfähige Videomodus der ersten EOS 7D wurde an vielen Stellen erweitert: Full HD-Videoaufnahmen sind nun mit bis zu 60 Vollbildern je Sekunde möglich (1080p60), Videos lassen sich nun auch als .mp4 (vorher ausschließlich .mov) abspeichern und auch die schnittfreundliche All-I-Kodierung (etwa 80 Mbit/s) hat es in die Canon EOS 7D Mark II geschafft. Ambitionierte Filmer finden pegelbare Anschlüsse für Mikrofon und Kopfhörer sowie einen HDMI-Ausgang mit unkomprimierter Videoausgabe und 4:2:2 Chroma-Subsampling.

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Dank des Dual-Pixel-CMOS-AF hat auch die EOS 7D Mark II nun einen ausgezeichneten Video-Autofokus erhalten, durch die beiden DIGIC 6-Bildprozessoren erfolgt die Nachverfolgung von Gesichtern zudem noch weicher als zuvor - mehr dazu im Video. Einziges Manko: Der Video-Autofokus funktioniert nur mit maximal 30 Bildern je Sekunde (1080p24/25p30), nicht jedoch mit 50 oder 60 FPS. Auch 4K-Video bleibt Canon-DSLR-Nutzern vorerst vorenthalten.

Fazit und Empfehlung

Den "Vorwurf" keine großen Neuerungen in die [[ASIN:B00NNJ74MC|EOS 7D Mark II]] gebracht zu haben muss sich Canon durchaus gefallen lassen, die Frage ist jedoch ob es sich hier wirklich um negative Kritik handelt. Realistisch betrachtet war und ist bereits die [[ASIN:B002NGNQZA|Canon EOS 7D]] eine sehr gute DSLR-Kamera für Sport- und Tierfotografen. Die Mark II hat für eben jene Zielgruppe etliche Detailverbesserungen erhalten, die auch abseits von Broschüren überzeugen können. Denn auch wenn es wirklich nicht "DIE Neuerung" gab: In Kombination mit dem breiten Objektivangebot hat man das derzeit wohl beste Angebot für actionreiche Fotografie im Portfolio.

Beispielbild Canon EOS 7D Mark II + Sigma 50 mm f/1.4 EX DG HSM | f/2.2, 1/800 s, ISO-400Doch die Konkurrenz schläft nicht: Insbesondere die [[ASIN:B00K5V13E6|Sony Alpha 77 Mark II]] bietet für gut 600 Euro weniger ein ebenfalls sehr ansehnliches Leistungsspektrum, der Vorgänger kostet nur grob die Hälfte und von Nikon wird seit einiger Zeit ein Gegenspieler in Form der D9300 respektive D400 erwartet.


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