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Sigma [A] 50-100 mm F1.8 DC HSM - Das erste "echte" Portrait-Zoomobjektiv

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Sigma landet in letzter Zeit einen Überraschungserfolg nach dem anderen: Der japanische Objektivhersteller sucht sein Glück in neuen Objektivklassen, vor allem die Ingenieurs-Königsklasse lichtstarker Zoom-Objektive scheint es Entwicklern und Kunden gleichermaßen angetan zu haben. Das 18-35 mm f/1.8 DC HSM war und ist ein enormer Erfolg, nun legt man mit dem 50-100 mm f/1.8 DC HSM die Grundlage für den nächsten Verkaufsschlager: Festbrennweiten-Bildqualität und -Lichtstärke zum fairen Preis – aber als Zoom-Objektiv.

Sigma [A] 50-100 mm F1.8 DC HSM

Das Erfolgskonzept eines 2-fach-Zooms mit einer konstanten Lichtstärke von f/1.8 bleibt erhalten, aufgrund der längeren Brennweite bedeutet dies jedoch sehr viel Glas und damit ein Gewicht von knapp anderthalb Kilogramm. Um kleinere Stative zu entlasten kommt das Objektiv mit einer integrierten Stativschelle daher, die sich jedoch leider nicht entfernen lässt. Leider? Die Stativschelle liegt ungünstig nah am Zoom-Ring, sodass sie für eine bequeme Bedienung aus der Hand meist um 180° nach oben gedreht werden dürfte.

Autofokus und die Vollformat-Frage

Die Autofokus-Geschwindigkeit sowie -Präzision ist immer ein Zusammenspiel aus Kamera und Objektiv. Im Test mit der Canon EOS 5Ds R, 5D Mark IV und 700D ließen sich keinerlei Probleme bei der Autofokus-Präzision feststellen. Die Geschwindigkeit kommt definitiv nicht an die blitzschnelle Reaktionszeit kompakter Objektive mit Schrittmotor (Canon: STM, Nikon: AF-P) heran, technisch ist dies aufgrund des großen Gewichts der zu bewegenden Glaselemente aber auch unrealistisch. Für den typischen Portrait-Alltag ist die Geschwindigkeit hingegen vollkommen ausreichend.

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Eine Frage die sich für gewöhnlich nicht stellt, bei Sigmas Art-Objektiven jedoch auffallend häufig und das von vielen Kunden: Kann man das Objektiv auch an Vollformat-Kameras verwenden? Formell verleiht Sigma dem Objektiv das Kürzel DC, gibt es also nur für Kameras mit APS-C/DX-großem Bildsensor frei.

Sigma [A] 50-100 mm F1.8 DC HSM: Vignettierung am Vollformat bei 50 mm (li.) und 100 mm

Die Entscheidung von Sigma fällt erwartungsgemäß richtig aus, ist das Objektiv doch vor allem bei 50 mm definitiv nicht fürs Vollformat geeignet, bei längeren Brennweiten lässt sich indes sogar sehr gut mit dem Sigma 50-100 mm F1.8 Art an Vollformat-Kameras arbeiten. Unsere Empfehlung fällt dementsprechend zweigeteilt aus: Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte sich lieber an Sigmas Empfehlung orientieren und das Objektiv ausschließlich an Kameras mit APS-C-Bildsensor verwenden. Wer bei kurzen Brennweiten mit einem Beschnitt von etwa 10 Prozent leben kann, hat auch am Vollformat viel Freude.

Bildqualität

Wem die Verarbeitungsqualität noch nicht beeindruckt, der sollte spätestens bei der Bildschärfe große Augen machen. Bereits bei Offenblende f/1.8 liegt Sigma über dem Niveau vieler Festbrennweiten mit vergleichbarer Brennweite und liefert einen sehr hohen Mikrokontrast. Und das ausnahmslos über den gesamten Brennweitenbereich. Das Maximum an Bildschärfe gibt es im Zentrum bereits ab f/2.5 bestaunen – exzellent wäre wohl noch eine Untertreibung!

Sigma [A] 50-100 mm F1.8 DC HSM: Bildschärfe im Bildzentrum bei f/1.8 (li.) vergleichen mit f/4

Auch in den Bildecken (APS-C) kann sich die Bildschärfe problemlos sehen lassen (siehe Bild unterhalb). Zwar lässt sich durch starkes Abblenden auf f/5.6 noch einiges an Bildschärfe aus dem Sigma 50-100 mm F1.8 DC HSM Art herauskitzeln, jedoch ist auch hier die Leistung bei Offenblende schon gut. Sowohl offenblendig als auch stark abgeblendet (f/4) ist das Bokeh, die Schönheit, Weichheit oder Rundheit der Hintergrundunschärfe, ein nicht zu unterschätzender Einflussfaktor auf die subjektiv empfundene Bildqualität. Dank seiner neun abgerundeten Blendenlamellen glänzt Sigma auch beim Bokeh mit einer cremig-ruhigen Unschärfe.

Sigma [A] 50-100 mm F1.8 DC HSM: Bildschärfe am Bildrand (APS-C) bei f/1.8 (li.) vergleichen mit f/5.6

Die Chromatische Aberration (Farbquerfehler) hat Sigma ausgezeichnet korrigiert. Das Bild oberhalb zeigt den äußersten Bildrand an APS-C-Kameras (1,5-fach Crop) in 100-Prozent-Ansicht und zeigt praktisch keinerlei Farbsäume. Mehr geht nicht.

Sigma [A] 50-100 mm F1.8 DC HSM + Canon EOS 5D IV | 100 mm, f/1.8, 1/400 s, ISO-100

Die Vignettierung (Randabschattung) ist beim Vorgesehenen Einsatz an APS-C-Kameras nur bei maximaler Lichtstärke leicht sichtbar, um 1 EV abgeblendet bleibt davon kaum noch etwas übrig. Zu verdanken hat man dies der Beinahe-Vollformat-Konstruktion (siehe Abschnitt oberhalb), die für viel Luft zum Bildrand sorgt.

Fazit und Empfehlung

Sigma hat mit dem [[ASIN:B01C3SCKHW|Sigma 50-100 mm f/1.8 DC HSM Art]] zweifelsohne eines der spannendsten Objektive im Jahr 2016 veröffentlicht. Zwar sind das Gewicht von anderthalb Kilogramm und die Positionierung der Stativschelle kleine Kritikpunkte, viel mehr gibt es jedoch auch kaum zu bemängeln. Die Bildqualität ist über den gesamten Bild- und Brennweitenbereich so nah am Prädikat "perfekt", dass es einen schon gerne einmal die Sprache verschlägt. Mit einem Ladenpreis von fairen 1.000 Euro steht der Kaufempfehlung nichts im Wege.

Sigma [A] 50-100 mm F1.8 DC HSM + Canon EOS 5Ds R | 78 mm, f/2.5, 1/125 s, ISO-400

Nur ein großes warum bleibt bei uns nach dem Test: Warum war es nicht möglich das Objektiv entweder 10-15 Prozent größer zu konstruieren und damit auch als "echtes" Vollformat-Zoom anzubieten oder alternativ deutlich schlanker als "echtes" APS-C-Zoom? Der Kompromiss erscheint da im ersten Moment, ohne einen Einblick in die Entwicklung gehabt zu haben, unnötig schwer.


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