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Nikon Z6 - Premium-Vollformat-DSLM zum Mittelklasse-Preis im Test

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Im Rahmen der photokina 2018 hat Nikon seinen Einstieg in die Vollformat-DSLM-Welt angekündigt und das von vornherein mit zwei Modellen: Das Topmodell Z7 mit fast 46 Megapixeln Auflösung sowie die heute im Test befindliche Z6 mit 24 Megapixeln, sonst aber fast identischer Ausstattung.

Nikon Z6: Im Inneren werkelt ein Vollformat-Bildsensor mit 24 Megapixeln Auflösung

Das Gehäuse fällt identisch zur Z7 und durch die flache Bauform ins Auge. Der für den großen Akku benötigte Platz wird von Nikon geschickt für einen üppig dimensionierten Handgriff genutzt. Somit liegt die Z6, trotz kompakter Abmessungen, gut in der Hand. Nur der kleine Finger weiß schon bei mittelgroßen Händen nicht so recht, ob er am Handgriff oder unter der Kamera Platz findet.

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Auf der Rückseite finden wir das 3,2 Zoll große und mit 2,36 Millionen Pixel scharfe LC-Touchdisplay, dazu gesellt sich ein weiteres Schulterdisplay auf der Oberseite. Das große Highlight bleibt jedoch zweifelsohne der scharfe elektronische Sucher (EVF) mit 3,7 Millionen Pixeln, toller Farbgebung, kurzer Verzögerung und einer 0,8-fachen Vergrößerung.

Serienbild und Autofokus

Unter der Haube sorgt der Bildprozessor EXPEED 6 für viel Geschwindigkeit in allen Bereichen. Die geringere Auflösung und damit Datenflut im Vergleich zur Z7 ermöglicht es Nikon die Serienbildgeschwindigkeit auf bis zu 12 statt 9 Bilder/s anzuheben. Gespeichert wird, leider und abermals, exklusiv auf sündhaft teuren XQD-Speicherkarten.

Testbild Nikon Z6 + Nikkor Z 50 mm f/1.8 S | f/4, 1/50 s, ISO-50

Derzeit ist Sony der einzige Anbieter entsprechender Speicherkarten und verlangt selbst für Mittelklassemodelle über 2 Euro/GB, SD-Karten mit ausreichend hoher Geschwindigkeit für 4-5 Bilder/s und 4K-Videoaufnahmen würden hingegen nur 40-50 ct/GB kosten. Immerhin: Nikon hat bereits ein Firmware-Update für den XQD-2.0-Nachfolgestandard CFexpress (quasi XQD 3.0) in Aussicht gestellt, für den weitere Firmen entsprechende Speicherkarten anbieten wollen.

Testbild Nikon Z6 + Nikkor Z 50 mm f/1.8 S | f/4, 1/13 s, ISO-800

Der Sensor-basierte Autofokus war bisher Nikons Achillesferse, das hat man auch in Japan erkannt und der Z-Serie einen komplett neuen Hybrid-Autofokus verpasst. Im Falle der Z6 heißt das: 273 Phasen-AF-Felder sowie ein Kontrast-Autofokus gehen gemeinsam schnell und präzise zu Werke geht. Mit der Firmware 2.0 wurde zudem erst kürzlich ein Augen-AF samt Fokus-Nachführung hinzugefügt.

Bildqualität

Der Vollformat-Bildsensor bietet mit 24 Megapixeln die derzeit übliche "Mittelklasse-Auflösung", wie sie auch Panasonic (Lumix S1), Sony (Alpha 7 III) und Canon (EOS RP; 26 MP) im Programm haben. Wunder kann man folglich nicht erwarten, dafür aber einen grundsoliden Bildsensor auf der Höhe der Zeit.

Testbild Nikon Z6: Bildrauschen bei ISO-50 und ISO-6400 im Vergleich

Das Aufhellen dunkler Bildbereiche stellt den Sensor nicht vor große Probleme, der hohe Dynamikumfang freut Landschaftsfotografen und das Bildrauschen ist bis hinauf zu einer Lichtempfindlichkeit von ISO-6400 so gering, dass auch mit moderater Rauschfilterung im RAW-Konverter noch viele Details erhalten bleiben.

Videomodus und WiFi-App (Snapbridge)

Natürlich unterstützt auch die Nikon Z6 Videoaufnahmen in 4K-Auflösung, wenn auch ohne echte Besonderheiten – noch. Die Bildschärfe ist auf hohem Niveau und störendes Flimmern an feinen Strukturen (Moiré) trat im Test nicht auf. Mit Anschlussmöglichkeiten für ein externes Mikrofon und Stereokopfhörer sowie HDMI-Rekorder verschenkt auch Nikon hier keine Punkte.

HDMI-Rekorder sind dabei ein gutes Stichwort: Noch 2019 will Nikon ein (weiteres) Firmware-Up veröffentlichen, das die Aufzeichnung von ProRes RAW-Video ermöglicht. In den USA ist bereits ein Filmmaker-Kit mit passendem Atomos Ninja V HDMI-Rekorder verfügbar.

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Dennoch: Auf andere Profi-Videofunktionen wie eine interne 10-bit-Aufzeichnung, 4:2:2 Subsampling, flache Gammaprofile (log), HDR, Timecode-Sync, Waveform-Monitor oder 60 Bilder/s in 4K-Auflösung muss bei der Z6 verzichtet werden. Zumindest das Fokus-Peaking funktioniert nun, im Gegensatz zur D850, auch in Kombination mit 4K-Aufnahmen.

Die abermals deutlich überarbeitete SnapBridge-App will hingegen immer noch nicht so recht zünden, ist aber auf dem richtigen Weg. Die Ersteinrichtung ist noch zu langwierig, die Einstellmöglichkeiten im Foto-Modus wurden nach einem halben Jahrzehnt endlich von "keine" auf "Basis" (Blende, Belichtungszeit, ISO-Wert etc.) erweitert und die Übertragungsrate wäre mit "träge" noch höflich tituliert.

Fazit und Empfehlung

Die größte Schwäche der [[MMID:2470671|Nikon Z6]] ist, zum Glück, nicht die Kamera selbst sondern das derzeit "übersichtliche" Angebot nativer Objektive. Allerdings sind für 2019 bereits diverse Objektive angekündigt und via Adapter lassen sich die meisten Nikon-F-Objektive problemfrei nutzen. Auch anfängliche Kinderkrankheiten mit Dritthersteller-Objektiven wurden weitestgehend behoben.

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Mit einem Preis von 1.900 Euro, ohne Kit-Objektiv aber mit FTZ-Adapter, ist die Z6 zudem preislich attraktiv, selbst mit den höheren Folgekosten der XQD-Speicherkarten im Hinterkopf und in einem der derzeit am stärksten umkämpften Preisbereiche angesiedelt.


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