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Viltrox 85 mm f/1.8 STM - günstiger Geheimtipp für Portrait-Fotografen im Test

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Ein hochwertig verarbeitetes Portrait-Objektiv mit Metallgehäuse, noch dazu Kleinbild-tauglich und mit tollem Bokeh: Das klingt nach viel Geld, von dem man sich verabschieden muss. Nicht so beim Viltrox 85 mm f/1.8 STM, das für 300-400 Euro den Besitzer wechselt, für Sony (E-Mount) sowie Fuji (X-Mount) verfügbar ist und das Potential zu einem echten Verkaufsschlager hat.

Viltrox PFU RBMH 85 mm F1.8 STM

Das Objektiv kommt auf ein Gewicht von stattlichen 626 Gramm, das zu großen Teilen auf das Konto des massiven Metallgehäuses geht. Selbst der manuelle Fokusring, der gut die Hälfte der Oberfläche einnimmt, ist aus einem einzelnen Stück Metall gefertigt worden. Wie im Einsteiger-Segment üblich verzichtet Viltrox jedoch auf eine Abdichtung.

Ebenfalls nicht unüblich an spiegellosen Systemkameras: Das Objektiv besitzt weder einen AF/MF-Umschalter noch eine Fokusskala. Eher selten anzutreffen ist der micro-USB-Anschluss, der Viltrox im Bajonett versteckt. Über den Anschluss können Firmware-Updates einfach auf das Objektiv gespielt werden. Am PC öffnet sich ein neues Laufwerk, vergleichbar mit einem USB-Stick oder externen Festplatte, auf das die kleine Firmware-Datei gespielt wird. Das Objektiv startet sich automatisch neu und die Datei ist verschwunden.

Autofokus (STM)

Wie bei den meisten DSLM-Objektiven setzt auch Viltrox auf einen Schrittmotor zur Fokussierung, der praktisch lautlos seine Arbeit verrichtet. Vor dem Test wurde die aktuelle Firmware-Version 1.0.15 (Sony) aufgespielt, die einige AF-Verbesserungen mitgebracht hat.

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Erstaunlich ist, dass Viltrox mit seinem allerersten Autofokus-Objektiv bereits sehr gute Resultate erzielt: Das Objektiv unterstützt an Sony-DSLM-Kameras den Nachführ-AF (AF-C), direkte manuelle Fokussierung (DMF) und konnte im Test mit hoher Geschwindigkeit sowie einer sehr guten Trefferrate überzeugen. Auch Videoaufnahmen mit Gesichts-Tracking kann das Objektiv weich nachführen.

Der Fokusring ist bei Schrittmotoren stets elektrisch übersetzt – und damit gewissermaßen Fluch und Segen in einem: Während dies einerseits eine äußerst präzise Fokussierung mit sehr langem Drehweg ermöglicht (langsame Drehungen für präzise Einstellung, schnelle Drehungen für große Unterschiede), unterstützen nicht alle Kameras eine optionale, lineare Arbeitsweise, bei der die gleiche Drehung immer zur gleichen Änderung der Fokusdistanz führt, wie sie viele Filmer bevorzugen.

Bildqualität

Die Ergebnisse beim Test der Bildqualität fielen durchwachsen aus. Die Bildschärfe im Bildzentrum ist bei Offenblende (f/1.8) bereits gut, wer ein wenig abblendet erhält bis f/4 Stück für Stück noch etwas mehr Auflösung und Kontrast im Bild.

Viltrox 85 mm f/1.8 STM: Bildschärfe im Bildzentrum bei f/1.8 (li.) und f/4.0 im Vergleich

Am Vollformat-Bildrand macht sich dann final der recht günstige Preis bemerkbar und sorgt bei f/1.8 für ein verwaschenes Bild, das erst bei f/5.6-8 in einen guten Bereich vordringt. Die Vignettierung (Randabschattung) fällt bis etwa f/2.8 deutlich sichtbar auf, lässt sich jedoch einfach korrigieren und ist in der Portraitfotografie oft sogar erwünschtes Stilmittel.

Viltrox 85 mm f/1.8 STM: Bildschärfe am Bildrand bei f/1.8 (li.) und f/8.0 im Vergleich

Störende Chromatische Aberration (violette und grüne Farbsäume) hat Viltrox beinahe perfekt korrigiert. Selbst am äußersten Vollformat-Bildrand sind beim Test mit der Sony Alpha 7 III (24 MP) in der 200-Prozent-Ansicht nur kleinste Farbsäume erkennbar.

Testbild Sony Alpha 7 III + Viltrox 85 mm f/1.8 STM | f/2.2, 1/400 s, ISO-100

Einer der wichtigsten Punkte: Das Bokeh, die Schönheit, Weichheit oder Rundheit der Hintergrundunschärfe. Den "Heimvorteil" aus langer Brennweite und hoher Lichtstärke verwandelt Viltrox in einen weichen Hintergrund, der grob f/2.8 kreisrunde Bokeh-Bälle produziert. Auch entlang der Fokusebene konnte Viltrox die chromatische Aberration beinahe perfekt korrigieren (Farblängsfehler).

Fazit und Empfehlung

Das [[ASIN:B07VGQWWJJ|Viltrox 85 mm f/1.8 STM]] ist mit einem Preis von unter 400 Euro eines der günstigsten Portrait-Objektive mit 85 mm Brennweite, das auch auf Vollformat-Kameras eingesetzt werden kann. Noch dazu sind ein flotter, präziser Autofokus und ein gut verarbeitetes Metallgehäuse in der Preisklasse längst nicht selbstverständlich.

Testbild Sony Alpha 7 III + Viltrox 85 mm f/1.8 STM | f/2.2, 1/320 s, ISO-100

Eine der wenigen Schwächen ist die Bildschärfe am Bildrand, die erst ab etwa f/5.6 als gut bezeichnet werden kann. Wer das Maximum an Bildschärfe sucht – und das bereits bei Offenblende – sollte einen Blick auf das Sigma 85 mm f/1.4 ART werfen, das jedoch auch noch einmal deutlich größer und vor allem teurer daherkommt.