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Canon EOS 90D - Alleskönner-DSLR für ambitionierte Hobby-Fotografen im Test

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Die Wunschliste an Canons Entwicklungsabteilung war lang – und Canon hat mit der 90D an sehr vielen Stellen tatsächlich spannende Neuerungen in die DSLR-Welt um 1.000 Euro bringen können. Unter anderem stehen ein komplett neuer APS-C-Bildsensor, Augen-Autofokus-Tracking, eine verbesserte Ergonomie und endlich auch 4K-Video auf unserem Testprogramm.

Canon EOS 90D: Das Display ist dreh- und schwenkbar

Das Gehäuse setzt auf den bekannten Mix aus einer Aluminilegierung und Polycarbonat, ist darüber hinaus grundlegend wetterfest (in Kombination mit passenden Objektiven) und mit 701 g knapp fünf Prozent leichter als die Vorgängergeneration. Geblieben sind ein großes Schulterdisplay, ein dreh- und schwenkbares 3-Zoll-Touchdisplay und der optische Sucher mit 100% Abdeckung.

Als kleine Verbesserung geht der nun vorhandene AF-Joystick durch, der die Bedienung im Sucherbetrieb bequemer macht. Keine Neuerungen gibt es bei den Anschlüssen: Das betagte micro-USB 2.0 gesellt sich zu mini-HDMI und je einem 3,5-mm-Klinkeanschluss für Kopfhörer und Mikrofon.

Autofokus und Serienbildmodus

Aus der größeren EOS R und EOS RP erbt die Canon EOS 90D den SD-Speicherkarten-Controller mit UHS-II-Unterstützung und sehr guten Resultaten von knapp über 170 MB/s im Praxistest. Mit entsprechend schnellen Speicherkarten lassen sich so 3-4 RAW-Bilder pro Sekunde aufnehmen, selbst wenn der 25-30 RAW-Bilder fassende Puffer gefüllt ist. Maximal erreicht die EOS 90D 11 Bilder/s.

Testbild Canon EOS 90D + Canon EF 70-200mm F2.8L IS II USM | 200 mm, f/2.8, 1/640 s, ISO-2000

Der DIGIC 8-Bildprozessor bietet aber nicht nur schnellere Serienbildaufnahmen, sondern mehr Geschwindigkeit in fast allen Bereichen. Im Sucherbetrieb bleibt es beim bekannten Autofokus-Modul mit 45-Phasen-AF-Kreuzsensoren – in Kombination mit der Belichtungsmessung implementiert Canon nun aber auch eine Gesichtserkennung. Die Ergebnisse im Praxistest variieren jedoch: Gesichter von Menschen werden in der Tat öfter erkannt, beim Tracking anderer Objekte sollte die Option aber besser deaktiviert werden, da andernfalls schnell Personen im Hintergrund in den Fokus rücken.

In Anbetracht der immer weiter erstarkenden Konkurrenz spiegelloser Systemkameras ist es da fast schon etwas ironisch, dass der Autofokus im Live-View, also über den Bildsensor, im Mittel noch bessere Ergebnisse liefert und insbesondere "echtes" Face-Tracking inklusive kontinuierlichem Augen-Autofokus bietet.

Bildqualität

Canon nutzt sein Brot-und-Butter-Modell ebenfalls zur Präsentation eines neuen APS-C-Bildsensors mit 32 statt vormals 24 Megapixeln. Mit der Auflösung steigen auch die Anforderungen an die verwendeten Objektive, insbesondere bezüglich der Bildschärfe am Bildrand.

Testbild Canon EOS 90D + Canon EF 70-200mm F2.8L IS II USM | 200 mm, f/2.8, 1/125 s, ISO-200

Erfreulich für ambitionierte Hobbyfotografen ist der Spielraum der RAW-Aufnahmen: Helle Bildbereiche haben gewohnt viel Zeichnung und auch die Schatten lassen sich nun deutlich stärker aufhellen ohne ein sichtbares Rauschen zu erzeugen.

Canon EOS 90D: ISO-100 und ISO-3200 (r.) im Vergleich

Trotz der um 1/3 gesteigerten Auflösung konnte Canon das Rauschverhalten knapp auf einem Niveau halten. Aufnahmen bei ISO-3.200 (siehe Bild oberhalb, rechts: 100% Ansicht) lassen sich noch problemlos für Ausdrucke in DIN-A3-Größe einsetzen. Zwar wird das Rauschen bereits ab ISO-1.600 deutlich sichtbar, es bleiben jedoch erfreulich viele Details erhalten.

Videomodus und WiFi

Der neue Sensor und schnellere Bildprozessor kommt auch Filmern zu Gute: Endlich gibt es 4K-Video auch in Canons DSLR-Mittelklasse – ohne zusätzlichen Crop, mit Dual-Pixel-Autofokus (DPAF) und nun sogar inklusive Augen-Autofokus. Einzig und allein bei Slow-Motion-Aufnahmen in Full-HD mit bis zu 120 Bilder/s steht der DPAF nicht zur Verfügung.

Bei der EOS 90D kann im Menü ein optionaler 1,2-fach Crop eingeschaltet werden, der die Bildschärfe etwas verbessert. Anwender mit höheren Ansprüchen können ferner Mikrofon und Kopfhörer über je einen Mini-Klinke-Anschluss mit der Kamera verbinden.

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Über die App Canon Camera Connect lässt sich die EOS 90D mit Android- und iOS-Geräten verbinden. Der erste Verbindungsaufbau erfolgt dabei energiesparend via Bluetooth, bei datenintensiven Anwendungen (Bildübertragung, Remote Live-View) wechseln Kamera und Smartphone/Tablet automatisch in den WiFi-Modus. Weiterhin lassen sich alle grundlegenden Einstellungen (Belichtungszeit und -korrektur, Blende, ISO-Wert) sowie der Fokus manuell einstellen und die Uhrzeit der Kamera mit dem Smartphone synchronisieren.

Fazit und Empfehlung

Die [[ASIN:B07X3X2Y9Y|Canon EOS 90D]] kann zweifelsohne als gelungene Überarbeitung der EOS 80D bezeichnet werden. Der neue Bildsensor löst ein Drittel höher auf ohne dabei sichtbar mehr zu rauschen, der AF-Joystick vereinfacht die Bedienung und der schnellere Bildprozessor sorgt bei Serienbildaufnahmen, 4K-Video und Autofokus-Tracking für das gewünschte Tempo.

Testbild Canon EOS 90D + Canon EF 50mm F1.8 STM | f/2.2, 1/250 s, ISO-100

Ein wenig Kritik muss sich Canon jedoch gefallen lassen: Der Sucher-Autofokus dürfte gerne noch etwas zuverlässiger sein und auch ein moderner, stabilerer USB-C-Anschluss hätten einer Kamera anno 2019 gut zu Gesicht gestanden.