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Tamron 70-180mm F2.8 Di III VXD - Leichtgewichtiges Telezoom im Test

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Eines der "Hype-Objektive" 2020: Das Tamron 70-180mm f/2.8 Di III VXD hat seit seiner ersten (Vor-)Ankündigung für viel Furore gesorgt. Nicht nur, da Sonys Gegenentwurf in Form des 70-200 mm f/2.8 aus der G-Master-Reihe mit rund 2.500 Euro das Konto erleichtert, sondern auch das Gewicht von nur 810 Gramm sowie die kompakten Abmessungen sind attraktiv.

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Das geringe Gewicht hat auch seine Nachteile: Das Kunststoffgehäuse ist zwar hochwertig verarbeitet und sogar wetterfest, allerdings fehlt selbst ein AF/MF-Umschalter. Von einer Fokusskala, einem Fokus-Limiter oder frei belegbaren Knopf ganz zu schweigen.

Wie immer bietet Tamron 5 Jahre Garantie für Erstkäufer, sofern das Objektiv auf offiziellem Weg in die EU importiert und spätestens zwei Monate nach dem Kauf beim Hersteller registriert wurde. Die Konkurrenz bietet meist nur zwei oder drei Jahre. Derzeit ist das Objektiv exklusiv für Sonys E-Mount verfügbar, eine baldige Adaption auf Canon RF und Nikon Z bleibt zu hoffen.

Autofokus (VXD)

Tamron setzt auf den VXD getauften Autofokus-Antrieb (Voice-coil eXtreme-torque Drive), der erstmalig zum Einsatz kommt und eine komplette Neuentwicklung darstellt. Die wenig griffige Bezeichnung beschreibt einen doppelten Linearmotor. Ein Motor ist für je eine der beiden zu bewegenden Linsengruppen verantwortlich und das sorgt für viel Schub. 

Testbild Tamron 70-180mm Di III VXD + Sony Alpha 7R IV | 159 mm, f/4, 1/100 s, ISO-100

Die Geschwindigkeit in Sekunden oder Sekundenbruchteilen anzugeben fällt schwer. Wird der Auslöser halb durchgedrückt und spielt der Autofokus der Kamera mit, erfolgt die Fokussierung beinahe augenblicklich. Noch dazu kann der VXD-Autofokus sehr ruhig nachführen und eignet sich somit auch für Videoaufnahmen mit kontinuierlicher Fokusnachführung.

Einziges Manko: Tamron verzichtet, neben Kosten- wohl auch aus Gewichtsgründen, auf eine optische Bildstabilisierung. Im Falle von Sonys aktuellen Alpha-7- und Alpha-9-Kameras kein großes Problem, da der stabilisierte Bildsensor für Abhilfe sorgt und Sony derzeit auch keine vollwertige Dual-Stabilisierung wie Olympus oder Panasonic bietet. Besitzer von Alpha-7-Kameras der ersten Generation sowie den kleineren Alpha-6000-Modellen ohne interne Stabilisierung sollten dies jedoch im Hinterkopf behalten.

Bildqualität

Mit besonderer Spannung haben wir natürlich die Ergebnisse der Bildqualität-Tests erwartet – und wurden nicht enttäuscht. Zuerst einmal ist die Leistung über den gesamten Brennweitenbereich sehr homogen, es gibt kein "schwaches Ende". Das Bildzentrum ist bei Offenblende immer etwas weich, aber schon moderates Abblenden auf f/4 holt signifikant mehr Details auf dem Objektiv.

Bildqualität Tamron 70-180mm Di III VXD + Sony Alpha 7R IV | Bildmitte, 180 mm, f/2.8 vs. f/5.6

Am Bildrand sind die Ergebnisse ähnlich, wenngleich das Objektiv bei 70 mm Brennweite etwas besser abschneidet als bei 180 mm. Gibt es bei 70 mm keinen signifikanten Unterschied zwischen Bildzentrum und Bildrand, wird das Bild bei 180 mm am Bildrand die knackscharf. Wohlbemerkt, getestet an einer Sony Alpha 7R IV mit 60 Megapixeln Auflösung.

Bildqualität Tamron 70-180mm Di III VXD + Sony Alpha 7R IV | Bildrand, 70 mm, f/2.8 vs. f/5.6

Das Bokeh, die Schönheit, Weichheit oder Rundheit der Hintergrundunschärfe, ist im Tele ebenfalls ein wichtiger Faktor. Wenn auch nicht perfekt "cremig weich" und zuweilen etwas unruhig wirkend, kann sich das Bokeh des Tamron 70-180mm F2.8 Di III VXD sehen lassen. Im Pseudo-Makro-Bereich wird das Bokeh dann auch cremig, mehr dazu weiter unten im Text.

Testbild Tamron 70-180mm Di III VXD + Sony Alpha 7R IV | 180 mm, f/2.8, 1/160 s, ISO-100

Die transversale chromatische Aberration (Farbquerfehler) hat Tamron gut (180 mm) bis sehr gut korrigiert (70 mm), letzte Reste lassen sich in gängigen RAW-Konvertern weitestgehend entfernen. Ein passendes Korrekturprofil ist in den EXIF-Daten bereits enthalten. Die Vignettierung (Randabschattung) ist unauffällig und muss nicht zwingend korrigiert werden.

Tamron 70-180mm Di III VXD: Makro-Modus mit Autofokus (li.) und manuellem Fokus im Vergleich

Eine kleine Besonderheit ist die Naheinstellgrenze des Tamron 70-180mm F2.8: Mit Autofokus sind 85 cm möglich, was bei 180 mm Brennweite für ein klassenübliches Abbildungsverhältnis von 1:4,6 sorgt. Wechselt man jedoch auf den manuellen Fokus, sind bei 70 mm Brennweite sogar 27 cm und damit ein 1:2-Makro möglich. Wenngleich die Bildschärfe nicht an "echte" Makroobjektive heranreicht und Tamron selbst von einer geringeren Bildschärfe am Rand spricht, erweitern sich die kreativen Freiheiten. 

Fazit und Empfehlung

Der größte Konkurrent für das [[ASIN:B086QC7XRP|Tamron 70-180mm F2.8 Di III VXD]] kommt von Sony, ist zum Zeitpunkt der Artikelveröffentlichung 1.000 Euro teurer und 630 g (83 %) schwerer. Dafür bietet Sony dann auch ein Innen-gezoomtes Metallgehäuse mit mehr Einstellmöglichkeiten, 20 mm mehr Brennweite im Tele und optischer Bildstabilisierung.

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Aber: Tamron liefert, für den E-Mount, das bessere Gesamtpaket aus Preis, Leistung, Gewicht und Größe. 810 Gramm sind leicht genug, um keine Stativschelle zu benötigen und laden dazu ein, das Objektiv öfter im Fotorucksack zu lassen. Auch der blitzschnelle Autofokus und der 1:2-Makromodus konnten im Test überzeugen. Hoffentlich bald auch bei Canon und Nikon.