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Sony Xperia 1 II Im Test: Sonys Rückkehr in die Oberklasse

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Das Sony Xperia 1 II ähnelt seinem Vorgänger Sony Xperia 1 äußerlich sehr, doch unter dem Gehäuse des 1.199 Euro (UVP) teuren High-End-Geräts steckt viel Neues. Wir haben das neue Oberklassen-Smartphone des japanischen Herstellers ausführlich getestet.

Aufgrund seines relativ schmalen Displays kann man das Sony Xperia 1 II zwar in der Hand halten, aber für die Ein-Hand-Steuerung ist es dann doch zu groß

In der Tat war Sony gut beraten das Design des Sony Xperia 1 nicht allzu sehr zu verändern, denn so ist das Sony Xperia 1 II zweifellos eines der schönsten Smartphones seiner Klasse geworden. Das Design, das im Prinzip noch vom Urahn Sony Xperia Z stammt, sticht aus der Masse heraus und ist so kantig, dass man das Sony Xperia 1 II mit etwas Geschick auf einer Gehäuseseite stehend auf den Tisch stellen kann. Die Abmessungen sind gewohnt ausladend. Das 166 x 72 x 7,9 mm große Android-Smartphone bringt allerdings verhältnismäßig leichte 181 g auf die Waage. Das liegt am Alu-Rahmen in Kombination mit der Rückseite aus Glas.

Bekannte Besonderheiten sind der Karten-Slot, der sich mit dem Fingernagel statt mit einer eigenen Spange öffnen lässt, der separate Fotoauslöser, der im Zusammenhang mit der ultraschnellen Hauptkamera ein echter Gewinn ist, sowie der Fingerabdruck-Scanner, der auf der rechten Gehäuseseite liegt und in den An/Aus-Knopf integriert ist. Leider muss der Scanner mit großer Sensibilität gedrückt werden, damit er das Sony Xperia 1 II auch entriegelt. Selbst kleinste nasse oder verschmutzte Stelle auf dem Finger werden mit der Verweigerung der Entsperrung quittiert. Das ist umso bedauerlicher, als das Sony Xperia 1 II über keine Gesichtserkennung verfügt, weil der Hersteller diese Technologie als nicht sicher genug bewertet.

Das Design des Sony Xperia 1 II sticht aus der Masse heraus

Wie alle aktuellen Sony-Modelle hat das Sony Xperia 1 II ein besonders langes Display im 21:9-Format. Die Japaner nennen das „Cinema Wide“ und in der Tat kann das Sony Xperia 1 II z.B. an einsamen Hotelabenden die Rolle eines kleinen Kinos einnehmen. Die Auflösung des 6,5-Zoll-Bildschirms liegt bei satten 3.840 x 1.644 Pixeln. Das entspricht einer enorm hohen Pixeldichte von 643 ppi, womit das Sony Xperia 1 II sogar das schon sehr gute Display des Samsung Galaxy S20 übertrifft.

Allerdings liegt die Helligkeit bei nur 573 cd/m². Bei Sonneneinstrahlung ist das Top-Handy aus Japan denn auch nicht ganz so gut abzulesen wie die Konkurrenten. Ebenfalls unterdurchschnittlich ist die Bildwiederholfrequenz von nur 60 Hz. Andere High-End-Smartphones bieten hier 90 oder sogar 120 Hz und können Video- und Filmsequenzen so flüssiger darstellen.

Leistung und Android

Das Sony Xperia 1 II wird von einem Qualcomm Snapdragon 865 angetrieben, der keine Wünsche offenlässt und 5G-fähig ist. Die 2,84 GHz schnelle CPU wird von immerhin acht GB RAM unterstützt und so schlägt sich das Sony Xperia 1 II in unseren Benchmark-Tests ausgesprochen gut:

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Üppig ausgestattet ist auch der interne Speicher mit 256 GB Kapazität. Darüber hinaus kann das Sony Xperia 1 II microSD-Speicherkarten mit einem Fassungsvermögen von einem TB aufnehmen. Das geht über besagten Karten-Slot ganz einfach, da keine separate Spange nötig ist.

Für die nötige Power sorgt ein 4.000 mAh starker Akku. Zwar hat das Sony Xperia 1 II eine Bildfrequenz von nur 60 Hz, was den Energiespeicher schont. Dafür braucht das hochauflösende 4K-Display jede Menge Strom – ganz zu schweigen von den vielen Fotos, die man gern mit dem Sony Xperia 1 II aufnimmt. Im Praxistest schafft das Oberklassen-Modell aus Japan so nur rund 24 Stunden Laufzeit. Positiv sind jedoch die relativ kurze Ladezeit via USB Typ C und der effiziente STAMINA-Energiesparmodus.

Als Betriebssystem verwendet das Sony Xperia 1 II Android 10, auf das Sony seine eigene Benutzeroberfläche aufgesetzt hat. Die Unterschiede zum reinen Android-Betriebssystem sind aber marginal. So sind ein paar zusätzliche Apps vorinstalliert wie z.B. das Fotobearbeitungs-Programm Photo Pro, der Musik- und Video-Streaming-Dienst Tidal und die Film-Plattform Netflix. Tidal z.B. kann man drei Monate lang gratis testen.

Kamera und Ton

A propos Sound: Wenn man Tidal einmal ausprobiert, kann man Musik und Videos in 360 Reality Audio hören – ein wahrer HiFi-Genuss in Kombination mit den mitgelieferten Kopfhörern des Sony Xperia 1 II. Da ist es natürlich selbstverständlich, dass die Headsets nicht über USB, sondern eine 3,5-mm-Audio-Buchse angedockt werden. Alternativ sind Voreinstellungen für einige Sony-Bluetooth-Headsets auf dem Sony Xperia 1 II vorinstalliert.

Auf das Fotografieren hat sich der Hersteller laut eigener Aussage am meisten fokussiert. Auf der Rückseite des Sony Xperia 1 II sitzen eine Hauptkamera, eine Ultra-Weitwinkel-Linse und ein Teleobjektiv, die allesamt mit einer Auflösung von zwölf MP aufwarten. Das hört sich nicht spektakulär an, aber anstatt auf immer höhere Auflösung legt Sony Wert auf schnelle Auslösezeiten und eine gute Restlichtverwertung. So liefern die drei Kameras nicht nur bei Tag- und Innenaufnahmen hochwertige Bilder:

Die Ultra-Weitwinkel-Kamera des Sony Xperia 1 II löst wie die Hauptkamera mit zwölf MP auf

Im normalen Zoom überzeugt die gute Restlichtverwertung des Sony Xperia 1 II

Das Sony Xperia 1 II zoomt Objekte sehr detailgetreu heran

Auch bei Nacht kommt das Sony Xperia 1 II so gut wie immer ohne Blitzlicht aus. Allerdings ist dieses, wenn nötig, schön kräftig:

Der LED-Blitz der Hauptkamera des Sony Xperia 1 II ist schön hell

Zusätzlich sammelt ein Time-of-Flight-Sensor Tiefenschärfeinformationen, so dass das Sony Xperia 1 II gelungene Bokeh-Bilder schießen kann:

Dank ToF-Kamera schießt das Sony Xperia 1 II gute Bokeh-Bilder

Auch bei Bildern mit Fokus auf dem Hintergrund wirkt der Bokeh-Effekt nicht zu unnatürlich

Videos dreht das Smartphone mit bis zu 4K bei 60 Bildern pro Sekunde. Die Haupt- sowie die Tele-Kamera sind optisch stabilisiert. Deutlich spannender wird es allerdings bei der Software des Sony-Flaggschiffs, denn das Sony Xperia 1 II hat gleich drei Kamera-Applikationen vorinstalliert. Die Foto-Pro- und Video-Pro-App funktionieren ähnlich wie der Pro-Modus auf anderen Smartphones, bieten allerdings wesentlich mehr Funktionen. Bekannt aus Sony-Kameras ist die Augen-Erkennung, nicht nur für den Menschen, sondern auch für einige Tiere. Hier kommt ein Autofokus zum Einsatz, der sich bis zu 24-mal pro Sekunde neu ausrichten kann.

Für Selfies ist das Sony Xperia 1 II nicht ganz so gut ausgerüstet. Hierfür steht nur eine Acht-MP-Kamera mit f/2.0-Blende zur Verfügung, die einen Blickwinkel von 84 Grad abdeckt. Allerdings verfügt die Frontkamera über eine ordentliche Restlichtverwertung und ein ausreichend helles Display-Fotolicht für Aufnahmen im Dunklen:

Die Frontkamera des Sony Xperia 1 II liefert dank Sony-Bildsensor ebenfalls eine gute Restlichtverwertung bei Tage

Bei Selfies im Dunklen treten zwar Unschärfen und Körnungen auf, aber das Display-Fotolicht des Sony Xperia 1 II ist ausreichend hell

Mobilfunk (LTE)

Das Sony Xperia 1 II verfügt selbstredend über Bluetooth 5.0, NFC und schnelles WLAN ac. Ein paar Kunden dürften es aber auch wegen seiner 5G-Fähigkeit kaufen. Mit unserer 5G-Testkarte, die uns freundlicherweise von Vodafone zur Verfügung gestellt wurde, waren wir in Düsseldorf unterwegs. Dabei konnten wir am Vodafone Campus im linksrheinischen Stadtteil Heerdt bis zu 466 MBit/s im Download und 92 MBIt/s im Upload messen. Noch stecken die deutschen 5G-Netz in den Kinderschuhen, doch Vodafone, Telekom und Telefónica arbeiten am Ausbau.

Den Karten-Slot an der linken Gehäuseseite kann man mit dem Fingernagel öffnen. Die Seiten des Sony Xperia 1 II sind so kantig, dass das Smartphone auf eine Tischplatte abgestellt werden kann.

Via LTE bietet das Sony Xperia 1 II in der Theorie bis zu 1,7 GBit/s im Download und 150 MBit/s im Upload. Unsere Messungen in der Praxis im Düsseldorfer 4G-Netz von Vodafone ergaben bis zu 352 MBit/s im Download und 43 MBit/s im Upload – das sind Werte auf dem Niveau unserer Messungen im 5G-Netz. Da das 4G-Netz zumindest in Großstädten wie Düsseldorf gut ausgebaut ist, haben wir hier also einen realen Alltagsnutzen. Schade hingegen ist, dass man keine zweite Nano-SIM ins Sony Xperia 1 II stecken kann – noch nicht einmal an Stelle einer Speicherkarte.

Fazit und Empfehlung

Das [[ASIN:B086LYX3T8|Sony Xperia 1 II]] beweist, dass Sony wieder in der Oberklasse mitspielen kann. Ob allerdings eine UVP von sage und schreibe 1.199 Euro (UVP) nicht doch etwas zu hoch angesetzt ist, wird der Markt entscheiden.

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Das Sony Xperia 1 II sticht mit seinem Design aus der Masse heraus und schneidet in unserem Test sehr gut ab. Vor allem in puncto Fotografie, Sound, Prozessor und Display lässt das japanische Handy fast keine Wünsche offen. Allerdings könnte der Bildschirm etwas heller sein und eine erhöhte Bildwiederholrate wäre ebenfalls wünschenswert. Bedauerlich sind zudem die relativ kurze Akkulaufzeit und der widerspenstige Fingerabdruck-Scanner. Schade finden wir vor allem, dass man keine zweite SIM-Karte einlegen kann. Andererseits ist das Sony Xperia 1 II im 4G- und 5G-Netz auch besonders schnell unterwegs.