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WeTab 3G 32GB

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Nicht alles Gold was glänzt - oder glänzen soll

Das WeTab gehört wohl zweifelsohne zu einem der am heißesten diskutierten IT-Produkte des Jahres 2010 - und 2011 scheint es munter weiter zu gehen. Zumindest sprechen die teils sehr emotionalen Rezensionen und Vergleiche zum iPad ihre eigene Sprache.

Das WeTab gehört für mich in die Kategorie "Gut gemeint, aber mäßig umgesetzt". Anfangs wurde es von Neofonie (einer der ursprünglichen Firmen hinter dem WeTab) noch als großer Konkurrent zum iPad angepriesen, später hat man dann aber eher probiert die Unterschiede (Vorteile) hervorzuheben. Anscheinend kam das Umdenken aber zu spät in der Entwicklung an. Man hat sich bei der Entwicklung wohl so darauf versteift die Hardware-seitigen "Fehler" des iPad zu beseitigen, dass man gar nicht dessen Vorzüge erkannt und genutzt hat. Die folgenden Ausführungen sollen kein Vergleich zum iPad darstellen, lediglich die meiner Meinung nach größten Schwächen des WeTab thematisieren, ohne die zweifelsohne vorhandenen Stärken zu vergessen. 

Hardware

Die Hardware des WeTab ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite steht die gute Verarbeitung und "Bastlerfreundlichkeit" - Zwei Schrauben lösen, Display wegschieben und das Innenleben liegt vor einem. So kann relativ schnell der Arbeitsspeicher aufgerüstet werden und auch die verbaute SSD ist schnell ausgewechselt. Zweifelsohne nichts für Jedermann (oder -frau), die technikinteressierten kommen aber auf ihre Kosten.

Wie bereits angeschnitten, die Verarbeitung ist gut, das verarbeitete Plastik für die Rückseite sowie die allgemeine Formgebung sind für mich aber noch nicht als Optimum zu bezeichnen.

Auch die Anschlussmöglichkeiten des WeTab sind gut dimensioniert. Zwei UBS-Ports, mini-HDMI, 3,5mm-Klinke, SD-Card Slot und ein von außen zugänglicher Slot für SIM-Karten (3G-Modul) sind längst keine Selbstverständlichkeit - leider.

Weit weniger Gelungen ist das Display in seiner Gesamtheit. Dem nutzbaren Blickwinkel wäre selbst mit dem Prädikat "ausreichend" noch geschmeichelt und die Bedingung via Touch-Steuerung reiht sich direkt dahinter ein. Der geringe Blickwinkel wäre noch akzeptabel, würde er denn ausreichen um das WeTab wenigstens bequem auf den Beinen ablegen zu können - nichts da. Langes arbeiten oder nutzen ist einfach nicht bequem und ohne Nackenstarre möglich. Die Empfindlichkeit des Touch-Displays schwankt derweil von "Ist mir doch egal ob ich berührt werde" bis "Aua! Nicht zu fest streicheln." - so kommt es, dass man teilweise mehrmals auf ein Icon klicken muss, bevor sich das Programm startet und im nächsten Moment den einen Buchstaben dreimal eingegeben hat. Hier sollten vor allem Software/Firmware-Updates Abhilfe schaffen können. 

Software

Womit wir direkt beim nächsten Thema wären - der Software. Das MeeGo-Derivat ist meiner Meinung nach nicht einmal ansatzweise in einem finalen Produktstatus. Der Standardbrowser ist in vielen Belangen unbrauchbar (Ich entwickle Web-Applikationen, weiß also wovon ich rede) - als Alternativen stehen seit kurzem Chromium (fälschlicher Weise als Chrome im WeTab App-Store) und Firefox zur Verfügung.

Beide sollten vielen vom heimischen PC bekannt sein und die reine Render-Leistung ist mittelmäßig (FireFox 3.6.x) bis sehr gut (Google Chrome). Auf dem WeTab erzeugt allerdings das bloße anzeigen (nicht laden) einer Internetseite 30-60 Prozent Prozessor-Last - Ohne Animationen oder ähnliches. Beim Laden einer Seite geht die kleine Atom-CPU sofort auf Anschlag. Hier handelt es sich einfach um Software-Probleme, die das Arbeiten sehr träge machen - jeder mit einem Atom-Netbook weiß, dass es auch etwas flüssiger geht.

Das bei so viel "Grundlast" nicht mehr viel für Youtube-Videos übrig bleibt, sollte jedem klar sein. Videos in Standard-Auflösung sind kein großes Problem, der Klick auf "HD" wird mit 1 (Chromium) bis 3 FPS (Firefox) bestraft. Sehr schade, da das WeTab 3G 32GB mit dem HD-Beschleuniger und Intels neuster Atom-Generation eigentlich genug Power in Form von Hardware-Beschleunigung an Board hat.

 

Das Angebot an Programmen für das WeTab ist eigentlich sehr hoch, könnten doch prinzipiell viele Linux-Anwendungen installiert werden. Allerdings sieht das WeTab hierzu keinerlei Möglichkeiten vor, dies ohne tiefere Eingriffe ins System zu ermöglichen. Die Anwendungen aus dem eigenen App-Store sind lassen sich auf etwas mehr als eine Handvoll reduzieren, rechnet man die bloßen Links ins Internet einmal ab.

Aus heutiger Sicht und angesichts der Möglichkeiten kaum mehr als ein ungenügend.

Windows 7

Vorab, ja es funktioniert Windows 7 auf dem WeTab zu installieren. Anleitungen dazu gibt es viele im Internet, ohne Garantie das es funktioniert oder das WeTab dabei keinen Schaden nimmt. Ich möchte die Ergebnisse nicht mit in die Bewertung einfließen lassen - der Anteil derer, die ein anderes Betriebssystem aufsetzen dürfte wohl sehr gering sein - sondern nur das Potential des WeTab zeigen.

Unter Windows 7 funktioniert einiges von dem, was unter MeeGo ein absolutes No-Go darstellt. Videos in nahezu alles Formaten via HDMI an den Fernseher - mit dem Media Player Classic inklusive "K-lite Codec Pack" gar kein Thema und auch ruckelfrei mit 5.1 Sound. - ein Traum :)

Auch hat Microsoft im Bereich Muli-Touch viel Arbeit geleistet und das Touch-Display reagiert präziser als unter dem originalen Betriebssystem. Zudem werden die Eingaben wesentlich "flotter" umgesetzt, da Windows 7 sparsamer mit den Prozessor-Ressourcen umgeht und Applikationen im Hintergrund wenig Last erzeugen. Noch dazu lässt sich praktisch jedes Programm für Windows wie gewohnt installieren. Zudem gibt es viele Mediacenter die sich nach einmaliger Einrichtung auch gut via Touch bedienen lassen - Als Beispiel sei hier MediaPortal genannt.

Fazit

Ich hoffe Ihnen gezeigt zu haben, das im WeTab vor allem Software-Seitig jede menge Potential schlummert, das es von Hersteller-Seite aus zu nutzen gilt. In der aktuellen Ausführung ist das WeTab aber nicht wirklich sein Geld Wert und Krankt auch in der "Überarbeiteten Fassung" noch an vielen Kinderkrankheiten. Für Bastler und unter Windows 7 auf jeden Fall ein gutes Stück Hardware - In der Standard-Ausführung unteres Mittelmaß.

Über Anregungen und Kritik zur Rezension im Kommentarbereich würde ich mich sehr freuen. Ich weiß auch, dass nicht alles gesagt wurde - Allerdings möchte ich mich nach 952 Wörtern nun von Ihnen verabschieden.


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