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SanDisk Extreme II und Ultra Plus SSD im Test

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Vor nicht ganz zwei Jahren stieg der US-amerikanische Speicherhersteller SanDisk in den (Endkunden)Markt mit Flash-basierten Festplatten (SSDs, Solid State Drives) ein. Als ein auf Flash-Speicher basierte Produkte spezialisiertes Unternehmen eine nur logische Entscheidung, die mit einem guten Budget-Modell (SanDisk Ultra SSD) sowie wenige Monate später mit einem High-End-Modell (SanDisk Extreme SSD) zementiert wurde.

SanDisk Extreme II SSDAnfang 2013 präsentierte man mit der Ultra Plus-Serie den Nachfolger der ersten Ultra SSD. Statt wie bisher auf Controller aus dem Hause LSI SandForce zu setzen, kooperiert man nun mit der Firma Marvell. Der Grund ist einfach: Im Gegensatz zu LSI SandForce erlaubt Marvell weitreichende Modifikationen an der Firmware (quasi dem Betriebssystem der SSD) und somit auch die Integration eigener Technologien und verbesserter Algorithmen. Zum heutigen Tag folgt die Extreme II-Serie, ebenfalls mit einem Marvell-Controller unter der Haube, auch der Nachfolger der sehr guten Extreme-Serie.

Tiered Caching / nCache™

Eine dieser eigenen Technologien läuft unter dem Oberbegriff "Tiered Caching" und beschreibt ein ausgeklügeltes, zweistufiges Cache-System in der SSD, welches vollkommen autark im Hintergrund arbeitet und ohne Eingreifen des Nutzers fest in der SSD selbst integriert ist.

Der SSD-Controller übergibt die zu schreibenden Daten zuerst an den kleinen DDR-RAM Pufferspeicher. Handelt es sich um große, zusammenhängende Datenpakete (z.B. ein Foto oder ein Film) oder ist die SSD wenig beansprucht, werden die Daten anschließend direkt in den eigentlichen MLC-NAND-Flash-Speicher geschrieben.

SanDisk nCache (Quelle: SanDisk)Kommen hingegen tausende kleiner Schreibbefehle auf die SSD zu, wie es beispielsweise bei der Installation von Programmen oder bei der Arbeit mit komplexen Anwendungen vorkommt, können Daten aus dem DDR-RAM temporär in den sogenannten nCache geschrieben werden. Der nCache-Bereich befindet sich physikalisch ebenfalls auf den gleichen Speicherbausteinen wie der "richtige" MLC-NAND-Flash-Speicher, wird jedoch in einem "pseudo-SLC-Modus" betrieben (es werden ein statt zwei Bits je Speicherzelle geschrieben). Dies spart Verwaltungsaufwand und ist schneller abzuarbeiten, allerdings passen entsprechend 50 Prozent weniger Daten in die Speicherzellen.

Bemerkt die SSD, dass nur wenige Anfragen vorliegen (PC im Leerlauf), werden die Daten selbstständig in den MLC-Bereich verschoben. Benutzt wird der sogenannte "Over Provisioning"-Bereich der SSD. Diese Speicherzellen liegen für gewöhnlich als Reserve brach und ersetzen mit zunehmenden Alter der SSD defekte Speicherzellen.

256 oder 240 - GByte oder GiByte?

GB und keine GiB im Windows Explorer (Windows 8)Den zusätzlichen Speicherplatz fürs "Over Provisioning" erhalten die Hersteller durch einen "Rechentrick". Eine als 256 GByte (256 * 10^9 Byte) deklarierte SSD hat eine eigentliche Speicherkapazität von 265 GiByte (256 * 2^30 Byte), dies ergibt einen Spielraum von immerhin 7,4 Prozent. Einige höherwertige SSDs wie die SanDisk Extreme II SSD kommen zudem mit beispielsweise nur 240 GByte auf den Markt - 14,5 Prozent Reserve und im Falle von SanDisk auch Arbeitsbereich für nCache.

Um die Verwirrung für den Endkunden zu komplettieren errechnet Windows die Kapazität ebenfalls im binären Zählsystem (GiB, Basis 2), schreibt jedoch die falsche, dezimale, Einheit dahinter (GB, Basis 10). So errechnet Windows für die 256 GB SSD beispielsweise "238,4 GB". Ein Fehler, der trotz viel Kritik bis heute nicht behoben wurde.

Testsystem und Testprogramme

Um auf repräsentative als auch reproduzierbare Ergebnisse zu kommen, nutzen wir verschiedenen Programmen für synthetische Tests als auch für Tests die dem realen Alltag entsprechen. Synthetische Tests ermitteln die reinen Leistungswerte unter zumeist Idealbedingungen (Schreib-, Lese, und Kopiergeschwindigkeit, IOPS, Zugriffszeiten), geben jedoch oft keine sichere Auskunft über das Verhalten im Alltag.

SSD/HDD-TestsystemDafür sind unsere Alltagstests gedacht. PCMark 7 Professional und PCMark 8 Professional ermöglichen reproduzierbare Tests von Alltagsanwendungen wie dem Windows Defender (Virenscanner), Adobe Creative Produkten (Photoshop, Indesign Illustrator), Microsoft Office Produkten (Word, Excel PowerPoint) und erzeugt typischen Belastungen wie sie beim Importieren von Bildern und Musik, beim Schneiden von Videos oder dem Start von Programmen und Spielen vorkommen.

Das erneuerte Testsystem setzt auf folgende Komponenten und soll nach Möglichkeit jede Limitierung durch andere Komponenten verhindern:

  • [[ASIN:B00BUL5Y04|Windows 8 Professional]] 64 Bit
  • [[ASIN:B004FA8NOQ|Intel Core i7-2600K]] (Prozessor)
  • [[ASIN:B004PQBT8C|Intel DP67BG]] (Mainboard)
  • 2x 2 GB OCZ DDR3-1600 CL9 (Arbeitsspeicher)
  • Gigabyte GTX 670 OC (Grafikkarte)

Testergebnisse und Fazit

[[CHAR:13_ssd|1-6,7§f54,8,9§f54,10]]

Anmerkung:  Um eine bessere Übersichtlichkeit zu gewährleisten, werden nur neue Produkte sowie ältere Produkte (auf welche Bezug genommen wird) angezeigt. Eine komplette Übersicht aller getesteten SSDs und HDDs inklusive täglich aktualisierter Preis/Leistungs-Ratings entnehmen Sie bitte unserer Rangliste.

Hinweis: Für den neu erschienen PCMark 8 liegen uns noch nicht alle Testergebnisse vor, wir werden diese im Laufe der nächsten Wochen nachreichen. Bis die Daten vollständig vorliegen, werden die Ergebnisse nicht für die Berechnung des Mittelwerts benutzt.

SanDisk Extreme II SSDDie SanDisk Extreme II SSD macht vieles richtig und auch besser als der Vorgänger, wenn auch der direkte Vergleich aufgrund der verschiedenen Kapazitäten schwerfällt. Unter "Laborbedingungen", sprich sequentielle Schreib- und Lesetests, kann sich die Extreme II SSD nicht vom Vorgänger absetzen - letztendlich kratzen aber beide am Limit der S-ATA 6 Gbps-Schnittstelle. Auch unter normalen Alltagsszenarien fällt der Vorsprung mit gut 6 Prozent eher bescheiden aus. Wirklich abheben kann man sich in klassischen Problemszenarien SandForce betriebener SSDs, dies betrifft vor allem das Schreiben und Kopieren nur wenig komprimierbarer Daten: ISO-Images, bereits komprimierte Programmdateien und Co. Hier sind dann auch beachtliche Performance-Sprünge von 70 bis 170 Prozent möglich!

Das Fazit mag etwas nüchtern klingen, schlussendlich macht es die S-ATA 6 Gbps-Schnittstelle jedoch nicht einfach heute noch eine signifikante Mehrleistung aus den SSDs herauszuholen. Aus dieser Betrachtung heraus ist SanDisks Extreme II SSD durchaus gelungen: Ein bereits sehr gutes Produkt wurde weiter verbessert und Schwachstellen behoben.

SanDisk Ultra Plus SSD (Quelle: SanDisk)[[ASIN:B0093HMLAS|SanDisks Ultra Plus SSD]] beweist sich als solides Produkt in der gehobenen Mittelklasse. Dank SanDisks nCache-Technologie und dem gleichen Flash-Speicher wie in der Extreme II SSD, namentlich 19nm eX2 ABL MLC NAND-Flash, kann man sich trotz des leicht abgespeckten Marvel 88SS9175-Controllers mit nur vier Kanälen behaupten. Die gefühlte Leistung liegt auf einem Niveau mit [[ASIN:B009LI7C9Y|Samsungs 840 Basic Series]] SSDs und dem großen Bruder in Form der Extreme II SSD. Neben der erwähnten Samsung 840 Basic Series SSD unser Tipp SSD-Einsteiger!


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