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Wiko Rainbow: Dual-SIM-Smartphone aus Frankreich im Test

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Den meisten von unseren Lesern wird der Hersteller Wiko wohl nichts sagen, doch zukünftig sollte man die Franzosen definitiv auf der Rechnung haben. Die Taktik ist ähnlich wie bei Huawei: Günstige Geräte mit großem Display und gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Einer der Bestseller ist das Wiko Rainbow, welches wir heute im Test haben. Dabei handelt es sich um ein schickes Dual-SIM-Smartphone, das bei einem relativ geringen Preis ein großes HD-Display und einen Quad-Core-Prozessor in sich vereint.

Design und Verarbeitung

Wie man bei dem Namen "Rainbow" fast schon vermuten könnte ist dieses Smartphone in vielen knalligen Farben erhältlich, darunter Koralle, Türkis, Neongelb, Lila, aber auch Schwarz und Weiß. Leider ist die Rückseite nur lackiert statt durchgängig gefärbt, weswegen es bei Kratzern schnell zu auffälligen weißen Stellen kommt. Unter der Rückseite sitzen die beiden Mini-SIM-Karten-Slots, der wechselbare Akku und ein microSDHC-Einschub. Durch die Mischung aus leicht gebogener Rückseite und Kanten liegt das Rainbow gut in der Hand, auch wenn man nicht an die Verarbeitung eines Nokia Lumia 630 herankommt. Als eines der wenigen Smartphones verfügt es noch über eine Menü-Taste auf der Vorderseite – manche werden es lieben, inzwischen ist es aber eine Seltenheit geworden.

Wiko Rainbow

Das Display des Rainbow fällt mit 5 Zoll relativ groß aus, scheinbar ist die Nachfrage für derartige Geräte vorhanden. Eine Dicke von 9,3 Millimetern ist schon etwas erhöht, insgesamt aber voll im Rahmen und nicht weiter schlimm. Was uns eher verwundert ist das Gewicht von 167 Gramm, womit es trotz Plastik-Gehäuse schwerer als das HTC One (M8) aus Aluminium ist.

Ansonsten finden sich am Smartphone wenige auffällige Stellen, die Rückseite beherbergt Lautsprecher, Kamera, Blitz und wird vom Firmenlogo verziert. Links findet sich die etwas hoch platzierte Lautstärkewippe, auf der rechten Seite hingegen der Power Button. Micro-USB- und Kopfhöreranschluss an der Oberseite runden das Rainbow ab. Insgesamt hat man an der Rückseite zu sehr gespart, aber die Farben sind auffällig, zudem knarzt oder knackt nichts. Deswegen und angesichts des Preises kann man nicht viel am Wiko Rainbow aussetzen.

Leistung

Zur Überprüfung der Leistungsfähigkeit haben wir einen neuen Testparcours, speziell auf Smartphones und Tablets abgestimmt, erarbeitet. Bei der Zusammenstellung der Testprogramme wurde auf eine möglichst gute Vergleichbarkeit geachtet, auch über mehrere Plattformen hinweg. Nichts desto trotz ist auch weiterhin ein Vergleich zwischen Geräten mit Apple iOS, Google Android und Windows 8 (Tablet) respektive Windows Phone nicht einfach. In den Gesamtwert fließen folgende drei Themenkomplexe mit jeweils gleicher Gewichtung ein:

  1. Ausstattung: Speicherkapazität, Arbeitsspeicher und Pixeldichte
  2. 3D/Spiele: GFX-Bench 2.5/2.7/3.0
  3. Internet: SunSpider (1.0.2) und Rightware BrowserMark 2.0/2.1

GFXbench 2.7 T-Rex HDDes Weiteren finden sie im Diagramm auch Werte für Futuremarks aktuellen 3DMark Ice Storm - da dieser jedoch nicht unter Windows Phone verfügbar ist, fließen die entsprechenden Werte nicht in den Mittelwert ein (die Geräte werden im Diagramm nicht angezeigt). Betrugsversuche der Hersteller, wie Beispielsweise die "Optimierungen" von Samsung und HTC am Futuremark 3DMark, werten wir mit 0 Punkten im entsprechenden Test ab.

[[CHAR:14_phone|4-6,8,11,14,16-17,19-25,26§fff]]

Anmerkung: Um eine bessere Übersichtlichkeit zu gewährleisten, werden nur neue Produkte sowie ältere Produkte, auf welche Bezug genommen wird, angezeigt. Eine komplette Übersicht aller getesteten Smartphones und Tablets entnehmen Sie bitte unserer Rangliste.

Wie die meisten günstigen Android-Geräte in dieser Preisklasse – und vor allem Dual-SIM-Smartphones – setzt das Wiko Rainbow auf einen MediaTek-SoC mit Quad-Core-Prozessor. Das macht sich im Marketing gut, in der Realität hält sich die Leistung aber in Grenzen und liegt sogar unter dem Motorola Moto E, das über "nur" zwei Rechenkerne verfügt. Immerhin verbaut man 1 GB Arbeitsspeicher, der 4 GB große Massenspeicher lässt sich per microSDHC-Karte erweitern.

Die Oberfläche des Wiko Rainbow reicht nur geringfügig von einem Vanilla Android 4.2 ab.

Das Betriebssystem, hier Android 4.2.2 "Jelly Bean", kommt ohne eigene Oberfläche, dafür mit kleinen angepassten Details wie der TouchPal-Tastatur. Leider kommt es hier und da immer wieder zu kleinen Rucklern, auch anspruchsvolle Spiele sind nur bedingt zu genießen. Hier muss zukünftig wohl etwas mehr Optimierungsarbeit geleistet werden, von einem Update auf Android 4.4 gehen wir aktuell nicht aus. Insgesamt ist man mit dem Kazam Thunder Q4.5, welches auf den gleichen SoC setzt, circa gleichauf.

Eine der kleinen Änderungen ist die TouchPal-Tastatur, die unter anderem mit ß-Taste und anderen Features daherkommt.

Multimedia

Zur Darstellung von Videos, Fotos und Co. setzt Wiko beim Rainbow auf ein 5 Zoll großes IPS-Display mit HD-Auflösung (1.280 x 720 Pixel), was in einer für ein Einsteiger-Smartphone, hohen Pixeldichte von 294 PPI resultiert. Die Helligkeit und Farbdarstellung fällt für die Preisklasse ebenfalls erstaunlich gut aus. Wenn etwas zu gut ist um wahr zu sein, dann ist es das meistens aber auch. Während heutige High-End-Displays laminiert sind, das heißt Touchscreen und Display verklebt, ist der Abstand zwischen beiden hier merklich vorhanden, wodurch es weniger stabil wirkt und auch die Blickwinkelstabilität lässt nach.

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Extra gehärtetes Glas wie Gorilla Glass fehlt hier gänzlich, zudem spiegelt das Display stark und ist auch gefühlt anfälliger für Fingerabdrücke. Auch die Empfindlichkeit des Touchscreens auf Eingaben könnte etwas höher sein. Der Akku liegt mit 2.000 mAh im Schnitt, auch wenn wir uns bei dem hohen Gewicht etwas mehr gewünscht hätten. Eine Ladung reicht um über den Tag zu kommen, wenn nur eine SIM-Karte genutzt wird schafft man bei sparsamer Nutzung auch einen weiteren halben Tag.

Selbst bei viel Licht mangelt es den aufgenommenen Fotos an Details. (klicken für Vollbild)

Die Konnektivität ist – wie zu erwarten war – mit WLAN b/g/n und Bluetooth 4.0 nur Standard, zur Ortung wird ebenfalls nur GPS genutzt, eine Unterstützung für andere Ortungssysteme wie GLONASS fehlt gänzlich. NFC fehlt leider ebenfalls, obwohl die Verbreitung langsam aber stetig zunimmt. Funktechnisch unterstützt man HSPA+ bis 21 Mbit/s im Download, ein ordentlicher Wert. Die beiden Kameras mit 8,0 respektive 2,0 Megapixeln sind typisch für Einstiegsgeräte: Bei genügend Licht sind die Ergebnisse durchaus zu gebrauchen, doch sobald es anfängt zu dämmern werden die Fotos zunehmend verrauscht und verwaschen. Zudem "ruckelt" die Kamera-App etwas, das Bild wird durch den Rolling-Shutter-Effekt bei Bewegungen teils stark verzerrt. Über die hintere Kamera lassen sich Full HD-Aufnahmen anfertigen, die vordere hingegen schafft nur VGA-Auflösung (640 x 480 Pixel). Der Lautsprecher schafft eine ordentliche Lautstärke, der Ton wirkt allerdings dumpf, Bass fehlt gänzlich.

Fazit und Empfehlung

Laut Wiko ist das im April vorgestellte Rainbow ein Bestseller, also muss es irgendwelche Vorzüge haben. Für das Wiko Rainbow sprechen auf jeden Fall das (große) HD-Display und das bunte Design, falls man aus der grauen Masse herausstechen möchte. Auch der Preis des [[ASIN:B00JJIC23W|Wiko Rainbow]] ist mit ca. 150 Euro (Stand 25.08.2014) relativ gering für ein Dual-SIM-Smartphone. Die anfällige, lackierte Rückseite, die allgemeine Performance des Betriebssystems sowie die Kamera(-App) lassen zu wünschen übrig - das machen andere Hersteller in dieser Preisklasse etwas besser. Wer allerdings nur nach den Kriterien "groß, bunt, HD-Display und zwei SIM-Karten" geht, der dürfte mit dem Rainbow wohl glücklich werden.

Wiko Rainbow

Das von uns zuvor getestete Huawei Ascend G700 verfügt über ähnliche Daten, läuft deutlich runder, kostet dafür aber auch ein gutes Stück mehr Geld. Weitere Konkurrenten wären das [[ASIN:B00F39Q3C2|Sony Xperia M Dual]] oder auch das [[ASIN:B00JVL2X1I|Nokia Lumia 630 Dual-SIM]] aus dem Windows Phone-Lager, die beide über kleinere Displays verfügen, aber eine bessere Performance und Verarbeitung bieten als das Wiko Rainbow.


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