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Lytro Illum - Eine Lichtfeldkamera in DSLR-Optik im Test

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Wie eine Kamera mit nur 4 Megapixeln auch im Jahr 2015 noch für Aufsehen sorgen kann? Wir zeigen es am Beispiel der Lichtfeldkamera Lytro Illum. Mit (werbetauglichen) 40 Megaray Auflösung wird die Kamera beworben, genauso wie mit der Möglichkeit lebendige Bilder (Living Pictures) zu erstellen. Auch Fans rund um das Thema 3D werden ihre Freude haben.

Design und Verarbeitung

Äußerlich sieht Lytros erste große Lichtfeldkamera einer DSLR- oder Bridge-Kamera mit großem Objektiv nicht unähnlich. Mit einem Gewicht von 940 Gramm wirkt die Kamera, dank ihrer Größe, sogar sehr leicht und liegt auch trotz der etwas ungewohnten Formgebung gut in der Hand. Nur eine etwas griffigere Gummierung hätten wir uns gewünscht. Das fest verbaute Objektiv bietet eine Brennweite von 30 - 250 mm (entsprechend KB) mit einer konstanten Blende von f/2.Lytro Illum - Die Lichtfeldkamera ist in etwa so groß wie eine DSLR mit Reisezoom-Objektiv, jedoch merklich leichter

Das rückseitige LC-Touch-Display fällt mit 4" Bildschirmdiagonale, für eine Kamera, sehr groß aus. Die Auflösung kann sich mit 800 x 480 Pixeln (235 ppi) ebenfalls sehen lassen. Mit dem eingebauten Klappmechanismus lässt sich das Display in einem Winkel von -10° bis +90° verstellen und erfüllt damit, auch im Studioeinsatz, grundlegende Ergonomiefunktionen.

Lichtfeldfotografie

Was hat es mit der Lichtfeldfotografie eigentlich auf sich? Vereinfacht gesprochen wird die gewohnte, digitale Fotografie um eine Dimension in der Datenaufzeichnung erweitert. Herkömmliche Bildsensoren geben für jedes Pixel in einem zweidimensionalen Raster (x, y) die Helligkeitsinformationen aus - heute meist auf einer Skala von 0 bis 16383 (14 bit). Für jeden Punkt im Raster ist zudem die Information bekannt, ob er die Farbe Rot (R), Grün (G) oder Blau (B) repräsentiert.

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Lichtfeldkameras erweitern diese Information nun noch um die Richtung, in der ein Lichtstrahl auf den Pixel trifft. Über komplexe Berechnungen lässt sich so später ermitteln aus welchem Punkt im dreidimensionalen Raum der Lichtstrahl ursprünglich stammt. Kurz gesagt: Lichtfeldkameras erlauben das nachträgliche Verändern des Fokus (in einem gewissen Maß) sowie das Einstellen der Blende und auch das Exportieren von echten 3D-Bildern aus einer einzigen Aufnahme.

Bildqualität

Fans von Bildern in hoher Auflösung, die auch am PC noch ein x-faches Hineinzoomen ermöglichen, werden mit der Lytro Illum gewiss ihre Probleme haben. Vier Megapixel Auflösung bei den finalen Bildern sind alles andere als berauschend und auch noch schön gerechnet. Denn selbst die exportieren Bilder in voller Auflösung erscheinen uns nicht wirklich bis auf den letzten Pixel scharf.Testbild der Lytro Illum | 36 mm, f/2, /60 s, ISO-100

Auch in der Nachbearbeitung in Lytro Dektop ist Vorsicht geboten: Das Tool zum Nachschärfen sorgt schnell für einen unnatürlichen Bildstil (siehe Abbildung oberhalb). Die wahre Stärke und wohl auch einziger Kaufgrund für die Lytro Illum sind die lebendigen Bilder. Nach der Aufnahme lassen sich Fokus, Perspektive sowie Blende verändern, aus einem einzigen Bild eine 3D-Aufnahme sowie Kamerafahrten exportieren.

Für den harten Außeneinsatz ist die Lytro Illum trotz all der "Spielerein" meist nicht geeignet: Der Dynamikumfang kommt nicht an den Spielraum von aktuellen DSLR- oder DSLM-Kameras heran. Insbesondere überbelichtete Bildpartien lassen sich später kaum noch retten. Auch das Bildrauschen wird schnell zum Problem - Aufnahmen über ISO-800 sind nicht zu empfehlen, auch wenn die Kamera prinzipiell Lichtempfindlichkeiten von bis zu ISO-3200 erlaubt.

Serienbild und Autofokus

Serienbildaufnahmen lassen sich im RAW-Format mit 3 Bildern je Sekunde aufzeichnen - jedoch auch maximal 5 Bilder am Stück. Danach benötigt die Kamera einige Sekunden um die jeweils gut 50-60 MB großen Bildern auf die SD-Speicherkarte zu schreiben.

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Der Autofokus ist, aufgrund der Lichtfeldfotografie, ein besonderer Punkt. Einerseits weisen Objekte im Fokus nicht die maximale Bildschärfe auf, sondern Objekte kurz vor und hinter der Fokusebene. Lytro löst diesen Umstand geschickt durch einen (einstellbaren) Offset. Wird der Autofokus eingesetzt, fokussiert die Kamera einige Zentimeter dahinter um auf dem eigentlichen fokussierten Objekt die maximale Bildschärfe zu ermöglichen.

Andererseits lassen sich Lichtfeldfotografien nicht unendlich stark nachfokussieren sondern nur in einem bestimmten Bereich. Lytro löst auch dieses Problem geschickt durch ein etwas anderes Fokus-Peaking in Blau (vordere Fokusebene) und Orange (hintere Fokusebene). Mehr dazu im Video.

Fazit und Empfehlung

Lichtfeldfotografie hat durchaus die Chance zur Zukunft der Fotografie zu werden, Lytro hat hierfür einen weiteren, wichtigen Grundstein gelegt. Die [[ASIN:B00NFTVWH8|Lytro Illum]] schafft es, das äußerst komplexe Thema Lichtfeldfotografie auch für Fotografen ohne Doktortitel in Physik einfach nutzbar zu machen. Die aufgenommenen Bilder sind jedoch weiterhin, was die reine Bildqualität betrifft, eher in der Kategorie "brauchbar" denn "umwerfend" einzuordnen.

Der Preis liegt mit 1.299 Euro (Stand: 31.05.2015) für experimentierfreudige Fotografen in einem durchaus akzeptablen Bereich.


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