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Panasonic Leica 100-400 mm Power OIS - Super-Telezoom für MFT-Kameras im Test

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Panasonic und Olympus haben mit dem Micro-Four-Thirds-Standard (MFT) eine ungewöhnliche Strategie im Massenmarkt etabliert: Ein herstellerübergreifendes System für Kameraobjektive. Obwohl formell Konkurrenten, ergänzen sich die Angebote beider Hersteller – zum Vorteil für den Kunden. Panasonic füllt mit dem neuen 100-400 mm eine Lücke im MFT-Objektivsortiment: Ein Super-Telezoom.

Panasonic LEICA DG VARIO-ELMAR 4-6.3/ 100-400mm/ Asph./ mit Stativschelle [Bildmaterial: Panasonic Marketing Europe]

Die volle Bezeichnung, Panasonic Leica DG VARIO-ELMAR 100-400 mm f/4.0-6.3 ASPH. Power O.I.S., steht dem Objektiv selbst in Sachen Länge in nichts nach. Auf 17,2 cm packt Panasonic viel Glas in ein sehr stabiles und gut verarbeitetes Metallgehäuse. Mit dabei sind je ein Schalter für Autofokus, Autofokus-Limiter und den optischen Bildstabilisator und kommt auf ein Gesamtgewicht von ziemlich exakt einem Kilogramm. Der Lieferumfang fällt mit einer Streulichtblende, einem Objektivköcher und einer Stativschelle sehr ansehnlich aus. Der einzige Kritikpunkt und in dieser Preisklasse unüblich: Panasonic verzichtet auf eine (geschützte) Fokusskala.

Autofokus und Bildstabilisator (Power O.I.S.)

Der Autofokus vom Panasonic 100-400 mm braucht den Fokus-Limiter eigentlich gar nicht: In maximal einer halben Sekunde rauschen die Linsen von der Nacheinstellgrenze bis zu Unendlich. Natürlich nur sofern die Kamera mitspielt und das Objektiv ausreichend schnell mit Befehlen versorgt. Auch für anspruchsvolle Serien von Tieren oder im Sportstadion ist Panasonic‘s Telezoom-Riese so gut gerüstet.

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An die sehr gute Autofokus-Leistung kann der optische Bildstabilisator leider nicht anschließen. Etwas über zwei EV lassen sich dank des Stabilisators herausholen, die Belichtungszeit für scharfe Bilder (von ruhigen Motiven) steigt demzufolge um Faktor 4-5. Die Konkurrenz von Canon und Nikon erzielt, in der gleichen Preis- und Brennweitenregion, Werte von knapp über oder unter vier EV – das entspricht bis zu 16-fach längeren Belichtungszeiten aus der Hand.

Bildqualität

Die Bildschärfe ist bei Panasonic’s jüngstem Objektiv-Spross ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite steht eine gute bis sehr gute Auflösung im Bildzentrum – vor allem im Bereich zwischen 100 und 200 mm. Auf der Kehrseite der Medaille ist die Auflösung am Bildrand, vor allem bei längeren Brennweiten, bestenfalls als durchschnittlich zu bezeichnen. Unbrauchbar sind die Bilder dadurch freilich nicht, etwas mehr hatten wir angesichts der doch „beherzten“ Preisgestaltung erwartet.

Testbild Panasonic Leica 100-400 mm Asph. Power OIS | Panasonic Lumix DMC-G70, 400 mm, f/6.3, 1/320 s, ISO-200

Das Bokeh (die "Schönheit des Hintergrunds") ist wieder auf klassenüblichen Niveau. Zwar kommt auch Panasonic nicht an das sehr hohe Niveau von, speziell auf ein schönes Bokeh optimierten, Portrait-Festbrennweiten heran, unruhig oder gar störend ist der Hintergrund jedoch keinesfalls.

Testbild Panasonic Leica 100-400 mm Asph. Power OIS | Panasonic Lumix DMC-G70, 400 mm, f/6.3, 1/200 s, ISO-200

Die Chromatische Aberration (Farbquer- und längsfehler) hat Panasonic ebenfalls gut in den Griff bekommen. Selbst bei maximal geöffneter Blende sind auch an harten Kontrastkanten kaum Farbsäume zu erkennen. Sehr gut!

Testbild Panasonic Leica 100-400 mm Asph. Power OIS | Panasonic Lumix DMC-G70, 400 mm, f/6.3, 1/320 s, ISO-200

Mit der Vignettierung (Randabschattung) hat Panasonic nicht mehr zu kämpfen als die meisten anderen Super-Telezoom-Objektive. Vor allem bei etwas kürzeren Brennweiten gibt es eine sichtbare Abschattung in den Bildecken, die sich aber mit Abblenden um eine Stufe im Zweifelsfall beheben lässt, sollte keine Nachbearbeitung am PC erfolgen.

Fazit und Empfehlung

Das erste Super-Telezoom-Objektiv für das Micro-Four-Thirds-Kamerasystem ist gewiss nicht fehlerlos: Vor allem die Bildschärfe zum Rand hin als auch die Leistung vom optischen Bildstabilisator könnten besser sein. Das größte Problem ist jedoch die Preisgestaltung: Mit einem Ladenpreis von derzeit gut 1.700 Euro (Stand: 21.08.2016) liegt das [[ASIN:B01AAGIS9S|Panasonic Leica 100-400 mm ASPH. Power O.I.S.]] fast auf dem Niveau eines Canon EF 100-400 mm f/4.5-5.6L IS II USM, welches mit einer höheren Auflösung, noch etwas besseren Verarbeitung und einem deutlich effektiveren Bildstabilisator punkten kann. Noch dazu muss Canon, aufgrund der Auslegung auf Vollformat-Kameras, deutlich mehr Glas und Metall verbauen, was den Preis weiter in die Höhe treibt.

Testbild Panasonic Leica 100-400 mm Asph. Power OIS | Panasonic Lumix DMC-G70, 213 mm, f/5.6, 1/400 s, ISO-200

Die Preisgestaltung seitens Panasonic ist demzufolge mindestens als „sehr optimistisch“ zu bezeichnen. Die einzige Rechtfertigung kann hier die Quasi-Monopolstellung sein, die Panasonic derzeit mit solch einem Objektiv im MFT-Sortiment hat. Wer nicht Canon- oder Nikon-Objektive an seine MFT-Kamera adaptieren will, kommt um das Panasonic Leica 100-400 mm ASPH. Power O.I.S. im Super-Tele-Segment derzeit nicht herum.


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