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Olympus OM-D E-M1 Mark II - DSLM mit 4K-Video und Pro Capture im Test

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Mit der OM-D E-M1 Mark II schickt der japanische Kamerahersteller Olympus nach drei Jahren eine Neuauflage seines Spitzenmodells ins Rennen. Wir hatten die Gelegenheit die flinke DSLM-Kamera mit 4K-Video integriertem Bildstabilisator, 60 FPS RAW-Serienbildmodus aka Pro Capture und vielem mehr ausgiebig im spanischen Ronda ausführlich zu testen.

Olympus OM-D E-M1 Mark II [Bildmaterial: Olympus]

Rein äußerlich hat sich nicht viel verändert im Vergleich zum Vorgänger: Geblieben ist das hochwertige und zugleich kompakte Kameragehäuse aus Metall mit einem umfangreichen Staub- und Spritzwasserschutz. Vergrößert wurde der Akku, der der OM-D E-M1 Mark II zu einer beachtlichen Laufzeit verhilft. Nach einem fotoreichen Nachmittag mit 750 Fotos (ohne Blitz, etwa 90 Prozent im Sucherbetrieb) inklusive nachträglicher Bildkontrolle und Einstellungen über das Display sowie knapp zehn Minuten 4K-Videoaufnahme hatte der Akku noch eine Restkapazität von 43 Prozent. An die ausgezeichnete Laufzeit von DSLR-Kameras im Sucherbetrieb kommt man zwar weiterhin nicht heran, von Sonys DSLM-Konkurrenz kann man sich indes mehr als deutlich absetzen.

Autofokus und Serienbildmodus | Pro Capture

Hinweis (11.11.2016)
Wir wurden von Olympus Deutschland informiert, dass es sich bei den in Ronda verwendeten Kameras um Vorserienmuster (mit finaler Firmware) handelte. Die im Folgenden geschilderten Autofokusprobleme gehen womöglich auf einen Defekt oder Firmware-Bug zurück, entsprechende Nachforschungen führt Olympus derzeit durch. Wir werden den Artikel bei neuen Erkenntnissen zeitnah aktualisieren.

Neu ist ebenfalls der TruePic VIII-Bildprozessor, der zusammen mit den 121-Crosstype-Autofokusfeldern auf dem Bildsensor die Objektverfolgung „so einfach wie nie“ machen soll. Soll. Auch wenn die Kamera durchaus Objekte über das gesamte Bild sehr gut verfolgen kann, hapert es an der Umsetzung durch den Autofokus selbst.

Olympus OM-D E-M1 Mark II: Der kontinuierliche Autofokus (AF-C) ist selten treffsicher

Auf Bewegungen in der Z-Achse (von oder zur Kamera hin) reagierte die Olympus OM-D E-M1 Mark II im Test mit der aktuellen Firmware reproduzierbar über: Rennt beispielsweise eine Herde Bullen auf die Kamera zu, liegt der Fokus nach nur wenigen Bildern immer wieder einige Meter zu weit vorn. Auch das Zoomen während Serienbildaufnahmen mit kontinuierlichem Autofokus (C-AF + Tracking) schmeckt der Kamera nicht. Eine ausführliche Analyse des C-AF finden Sie hier. Zu Sportboliden wie der Nikon D500 oder Fujifilm X-T2 ist es demzufolge noch ein weiter Weg.

Leider, denn der Serienbildmodus schlägt wohl praktisch jede andere Kamera auf dem Markt. Mit Autofokus kommt die OM-D E-M1 Mark II auf nicht weniger als 18 Bilder/s, verzichtet man auf den Nachführ-Autofokus sogar auf 60 Bilder/s in voller Auflösung (Pro Capture) – wahrweise sogar im RAW-Format. Aufgrund der immensen Datenmengen (etwa 1 GB/s) ist eine schnelle wie große UHS-II-Speicherkarte praktisch Pflicht und der Modus zeitlich stark beschränkt.

Testbild Olympus OM-D E-M1 Mark II + M.Zuiko 40-150 mm f/2.8 Pro | 150 mm, f/4, 1/2500 s, ISO-400 (Pro Capture)

Ist Pro Capture als Serienbildmodus ausgewählt, wird mit dem Andrücken des Auslösers der Ringspeicher gestartet, der konstant bis zu 14 Bilder (etwa 1/4 Sekunde) vorhält. Mit dem Durchdrücken des Auslösers werden diese letzten sowie alle kommenden Bilder abgespeichert, bis der Auslöser wieder losgelassen wird. Für sehr actionreiche Szenen und Bewegungsstudien eine spannende Erweiterung zum normalen Serienbildmodus.

Im Vergleich zu Panasonics 4K-Photo (demnächst auch 6K-Photo in der Lumix GH5) sticht vor allem die Bildqualität (volle Auflösung) sowie die Möglichkeit RAW-Bilder abzuspeichern hervor. Panasonic hat hingegen die Verständlichkeit der Funktionsweise und Menüpunkte besser umgesetzt.

Bildqualität

Auch beim Bildsensor macht Olympus nicht halt vor großen Neuerungen und spendiert dem Topmodell einen neuentwickelten Live-MOS-Sensor mit 20 Megapixeln Auflösung. Aufgrund der hohen Pixeldichte ist die Entscheidung von ISO-25.600 als maximale Lichtempfindlichkeit nur verständlich.

Olympus OM-D E-M1 Mark II: ISO-64 (unten) im Vergleich mit ISO-3.200

Auch sonst ist die OM-D E-M1 Mark II kein Künstler bei wenig Licht. Bereits ab ISO-800 gehen erste Details in den Bildern verloren, bis ISO-3200 ist das Rauschen dank der starken Rauschfilter immerhin noch im akzeptablen Bereich. Ein technisch vergleichbar fortschrittlicher Bildsensor mit der „alten“ Auflösung von nur 16 Megapixeln wäre womöglich trotzdem die bessere Wahl gewesen.

Testbild Olympus OM-D E-M1 Mark II + M.Zuiko 300 mm f/4 IS Pro | f/4, 1/1600 s, ISO-400

Auch der High-Resolution-Modus (8 Aufnahmen werden zu einer zusammengefügt) für Bilder mit 50 Megapixeln ist wieder mit dabei und sorgt bei ruhigen Motiven (Stillleben, Architektur, Langzeitbelichtungen etc.) für deutlich mehr Details im Bild.

Videomodus und Bildstabilisator

Endlich gibt es auch einen 4K-Videomodus in einer Olympus-Kamera. Und entgegen früherer Implementierungen bei Olympus kann sich der Videomodus auch grundlegend sehenlassen: Ein flaches Bildprofil sorgt für viel Potential in der Nachbearbeitung, der Ton wird unkomprimiert gespeichert (PCM, 48 kHz @16 bit), Mikrofon wie Kopfhörer lassen sich anschließen und die Datenrate ist mit etwa 90 Mbit/s (4K UHD, 25 FPS) gut gewählt.

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Wirklich erstaunlich wird es jedoch erst in Zusammenarbeit mit dem neuen Bildstabilisator, der in Kombination mit dem passenden Objektiv bis zu 6,5 EV kompensieren soll (entsprechende Tests holen wir später unter kontrollierten Bedingungen nach) und Videoaufnahmen auch unter widrigsten Umständen wie eine Steadycam-Aufnahme aussehen lässt. Das Video oberhalb entstand aus der Hand, auf einem, auf einem holprigen Feldweg schnell fahrenden, Auto sitzend.

Fazit und Empfehlung

Die Olympus OM-D E-M1 Mark II hinterlässt alles in allem einen guten Gesamteindruck: Die Verarbeitung ist auf hohem Niveau, Pro Capture der derzeit wohl schnellste RAW-Serienbildmodus, der Bildstabilisator zu echten Wundern in der Lage, 4K-Video kein Fremdwort mehr und die Akkulaufzeit stark verbessert worden.

Testbild Olympus OM-D E-M1 Mark II + M.Zuiko 12-40 mm f/2.8 Pro | 32 mm, f/2.8, 1/3200 s, ISO-200

Dagegen eher durchschnittlich ist die Leistungsfähigkeit des neuen Bildsensors mit 20 Megapixeln Auflösung unter schwierigen Lichtbedingungen und auch der kontinuierliche Autofokus kann das sonst sehr hohe Niveau nicht mithalten. Vor allem letzteres ist angesichts der Preisgestaltung von 1.999 Euro (nur Kameragehäuse) ein Problem, da sich Olympus nun bereits mit gehobenen Mittelklasse-Vollformatkameras wie der Nikon D750 oder Sony Alpha 7 II messen lassen muss. In Sachen Bildqualität (Rauschverhalten, Bokeh) zieht man aufgrund des viermal kleineren Sensors zwangsläufig den Kürzeren, muss also über die anderen Funktionen punkten. Der kontinuierliche Autofokus könnte hier im aktuellen Zustand zum echten Problem werden.

Hinweis in eigener Sache

Die Reise nach Ronda (Spanien) erfolgte auf Einladung und unter Leitung von Olympus Deutschland. Die Kosten für An-, Abreise und Unterkunft wurden vom einladenden Unternehmen übernommen.


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