ValueTech
Technik. Einfach. Verstehen.

Canon EF 70-300 mm IS II USM - Der wohl schnellste Autofokus für Canon-DSLRs

|

Es war unser ganz persönliches, ja fast schon heimliches Highlight der photokina 2016: Das Canon EF 70-300 mm f/4-5.6 IS II USM. Ein Telezoom-Objektiv für knapp über 500 Euro und das nicht einmal aus der L-Serie? Genau das! Der Grund dafür liegt im neuen Nano-USM-Autofokus, der uns in Sachen Geschwindigkeit schon auf der Messe kaum mehr hätte beeindrucken können.

Canon EF 70-300 mm f/4-5.6 IS II USM

Rein äußerlich ist das neue 70-300 mm (fast) nichts Besonderes und passt sich in Canons aktuelle Familie günstigerer Nicht-L-Objektive ein. Hervorzuheben ist jedoch das LC-Display auf der Oberseite, das den Platz der sonst oft zu findenden Fokusskala einnimmt. Das LCD kann eben diese Funktion übernehmen, auf Wunsch aber auch die Aktivität des Bildstabilisators oder eine Brennweitenskala anzeigen. Leider ist letztere etwas unsinnig und zeigt exakt die gleichen Informationen wie die, kaum einen Zentimeter darüber aufgedruckte, Skala. Hier wäre eine direkte Angabe (237 mm) deutlich sinnvoller gewesen als redundante Informationen einzublenden.

Autofokus (USD) und Bildstabilisator (VC)

Das echte Aushängeschild ist aber zweifelsohne der neue Nano-USM-Autofokus. Die benötigte Zeit zum Fokussieren lässt sich kaum anders angeben als "wird der Auslöser halb angedrückt, ist der Vorgang bereits beendet". Die Scharfstellung erfolgt praktisch sofort. Auch die gute Naheinstellgrenze von 120 cm (max. Abbildungsmaßstab 1:4 bei f = 300 mm) wird dem Objektiv dabei nicht zum Verhängnis. Einzig und allein ein manueller Eingriff in den Fokus ist nicht dauerhaft, sondern nur im MF-Modus möglich.

Testbild Canon EF 70-300 mm f/4-5.6 IS II USM + Canon EOS 5Ds R | 300 mm, f/7.1, 1/200 s, ISO-200

Der optische Bildstabilisator ist bei sehr langen Brennweiten praktisch Pflicht, andernfalls wären Belichtungszeiten für ein scharfes Bild (unter ISO-400) nur im prallen Sonnenlicht möglich. Auch hier spart Canon nicht und ermöglicht, selbst in Kombination mit der hochauflösenden Canon EOS 5Ds R (50 Megapixel), scharfe Aufnahmen bei 300 mm mit 1/20 bis 1/15 s Belichtungszeit. Die Herstellerangabe von 4 EV wird damit sogar zuweilen noch leicht übertroffen.

Bildqualität

Spätestens bei der Bildschärfe haben wir, nach den bis dahin sehr guten Ergebnissen, mit Kompromissen gerechnet. Aber auch hier: Fehlanzeige. Natürlich ist auch beim Canon EF 70-300 mm f/4-5.6 IS II USM ein Abblenden notwendig um das Maximum an Bildschärfe aus dem Objektiv herauszuholen, insbesondere am kurzen Ende (70 mm). Dennoch kann die Bildschärfe über den gesamten Brennweitenbereich hinweg überzeugen und muss sich auch vor teuren L-Objektiven nicht verstecken.

Testbild Canon EF 70-300 mm f/4-5.6 IS II USM + Canon EOS 5Ds R | 160 mm, f/5.6, 1/200 s, ISO-100

Das Bokeh, die "Schönheit der Hintergrundunschärfe", ist da schon eher ein kleines Problem und trotz neun abgerundeter Blendenlamellen unruhiger als bei anderen, ebenfalls günstigen 70-300-mm-Objektiven. Im unteren Beispiel ist ein direkter Vergleich mit dem Tamron SP 70-300 mm DI VC USD (rechts) bei 300 mm zu sehen.

Canon EF 70-300 mm f/4-5.6 IS II USM: Bokeh im Vergleich zum Tamron SP 70-300 mm DI VC USD (rechts)

Die Chromatische Aberration (Farbquer- und längsfehler) ist indes vorbildlich durch Canons Entwickler korrigiert worden. Selbst in den äußersten Bildecken sind an einer 50-Megapixel-Vollformatkamera kaum ein Pixel breite Farbsäume zu erkennen, bei mittleren Brennweiten (135 mm) sogar praktisch gar keine.

Canon EF 70-300 mm f/4-5.6 IS II USM: Bildschärfe bei 70 mm am Bildrand. links: f/4, rechts: f/5.6

Die Vignettierung (Randabschattung) lässt sich sehr einfach im Nachhinein beheben, und ist nur an Vollformat-Kameras bei komplett geöffneter Blende mit bloßem Auge sichtbar. Knapp -1 EV beträgt die Abdunkelung am Bildrand, verschwindet beim Abblenden um eine Stufe dann aber schon beinahe vollständig. Besitzer von Kameras mit APS-C-Bildsensor profitieren indes vom großen Bildkreis und haben selbst bei Offenblende keine Einschränkungen zu befürchten.

Fazit und Empfehlung

Es gibt wirklich äußerst wenig zu bemängeln: Höchstens der etwas knapp gehaltene Lieferumfang ohne Streulichtblende trübt das sonst sehr gute Gesamtbild ein wenig. Das [[ASIN:B007VMAL68|Canon EF 70-300 mm IS II USM]] ist mehr als nur ein würdiger Nachfolger, dank Nano-USM-Autofokus setzt Canon vielmehr echte Maßstäbe in Sachen DSLR-Autofokus-Geschwindigkeit. Ein klarer Kauftipp!

[[YT:0cXq-zSL-kk]]

Dazu kommt ein fairer Preis, der das Objektiv ideal zwischen dem noch einmal 200 Euro günstigeren [[ASIN:B003YUBTIA|Tamron SP 70-300 mm Di VC USD]] sowie Canons L-Serien-Objektiven für über 1.000 Euro positioniert. Einen Vergleich zum o.g. Tamron SP 70-300 mm finden Sie im Video.


Kommentare