ValueTech.de Logo ValueTech
Technik. Einfach. Verstehen.

Tamron 17-70mm F2.8 Di III-A VC RXD - Die Hausmarke sieht die Rücklichter

|

Lange Zeit kannte die Fotowelt nur ein Trendthema: Vollformat. Auch wenn sich im gehobenen Segment zweifelsohne mehr Geld verdienen lässt, kommen die großen Stückzahlen dennoch aus der APS-C- und MFT-Welt. Entsprechend erfreulich für viele Sony-Nutzer, dass Tamron nun auch hier mitspielt und direkt mit einem richtigen Kracher startet, dem 17-70 mm f/2.8 Di III-A VC RXD.

Tamron 17-70 mm f/2.8 Di III-A VC RXD

Mit einem Gewicht von 525 Gramm ist Tamrons Neuankömmling weder besonders schwer und leicht. Das Kunststoffgehäuse ist hochwertig verarbeitet und das Objektiv sogar wetterfest, allerdings fehlen selbst simple Bedienelemente wie ein AF/MF-Umschalter oder Bildstabilisator An/Aus. Von einer Fokusskala, einem Fokus-Limiter oder frei belegbaren Knopf ganz zu schweigen.

Wie immer bietet Tamron 5 Jahre Garantie für Erstkäufer, sofern das Objektiv auf offiziellem Weg in die EU importiert und spätestens zwei Monate nach dem Kauf beim Hersteller registriert wurde. Die Konkurrenz bietet meist nur zwei oder drei Jahre. Derzeit ist das Objektiv exklusiv für Sonys E-Mount verfügbar, eine baldige Adaption auf Nikon Z und Canon EF-M respektive RF bleibt zu hoffen.

Autofokus (RXD) und Stabilisator (VC)

Tamron setzt auf den RXD getauften Schrittmotor-Antrieb (Rapid eXtra-silent stepping Drive). Dieser kommt nicht an die sehr hohe Geschwindigkeit des Tamron 70-180mm Di III VXD mit Dual-Linearmotor heran, fokussiert aber dennoch sehr flott und braucht selten länger als 1/4 Sekunde zum Scharfstellen. Zu hören ist ferner nichts vom Autofokus. Zudem kann der RXD-Autofokus ruhig nachführen und eignet sich somit auch für Videoaufnahmen mit kontinuierlicher Fokusnachführung. Mehr dazu in folgendem Video.

[[YT:rnVyug3fUaM]]

Bis zu diesem Punkt gibt es keine großen Unterschiede zur "Hausmarke", dem Sony E 16-55 mm f/2.8 G, das zu Preisen von über 1.000 den Besitzer wechselt. Tamrons Standard-Zoom ist schon zum Marktstart günstiger und bietet darüber hinaus eine optische Bildstabilisierung, die dem Sony-Objektiv fehlt. Mögen Architektur- und Landschaftsfotografen noch auf eine Stabilisierung verzichten können, sieht es spätestens beim Filmen gänzlich anders aus.

Im Video am Ende des Beitrags findet sich ein 1:1-Vergleich des Sony E 16-55 mm f/2.8 G und Tamron 17-70mm f/2.8 VC RXD an einer Sony Alpha 6100, die keine Sensor-Stabilisierung besitzt. Das Ergebnis an einer Alpha 6000/6300/6400 sollte identisch ausfallen.

Bildqualität

Noch einmal spannend wird es im Bereich Bildschärfe. Im Folgenden die Resultate des Tamron-Objektivs, der Vergleich mit dem Sony E 16-55 mm f/2.8 G findet sich am Ende des Artikels (Video).

Tamron 17-70 mm f/2.8 Di III-A VC RXD | Bildschärfe bei 17 mm und f/2.8 in der Bildmitte (li.) und am Bildrand (re.)

Das schwächere Ende ist der Weitwinkel um 17 mm, siehe Bild oberhalb. Egal ob bei Offenblende f/2.8 oder etwas abgeblendet bei f/5.6: So richtig scharf wird es nicht, insbesondere am Bildrand (Bild oben; rechts). Zudem ist ohne Software-Korrekturen einiges an chromatischer Aberration sichtbar, die über das integrierte Korrekturprofil jedoch weitgehend entfernt wird.

Den Höhepunkt erreicht das Tamron 17-70mm in unserem Test im mittleren Brennweitenbereich (35 mm). Hier gibt es schon bei Offenblende f/2.8 knackscharfe Bilder und das von der Bildmitte bis zum Rand. Nur etwas schwächer sind die Ergebnisse bei 70 mm Brennweite, zu sehen im Bild unterhalb. 

Tamron 17-70 mm f/2.8 Di III-A VC RXD | Bildschärfe bei 70 mm und f/2.8 in der Bildmitte (li.) und am Bildrand (re.)

Das Bokeh, die Schönheit, Weichheit oder Rundheit der Hintergrundunschärfe, kann sich ebenfalls sehen lassen. Zwar ist das Tamron 17-70mm mit einem maximalen Abbildungsmaßstab von 1:4,8 kein Makro, für ein mächtiges Bokeh reicht es bei 70 mm dennoch. Auch abgeblendet bis f/8 bleiben die Bokeh-Bälle zudem nahezu kreisrund. Ein Ersatz für eine oder mehrere f/1.4-Festbrennweiten ist auch Tamrons neues Standard-Zoom dennoch nicht.

Testbild Sony Alpha 6100 + Tamron 17-70 mm f/2.8 Di III-A VC RXD | 70 mm, f/5.6, 1/50 s, ISO-100

Die Vignettierung (Randabschattung) ist primär im Weitwinkel in den Bildecken deutlich sichtbar, lässt sich dank des integrierten Profils jedoch einfach entfernen. Gleiches gilt für die Verzeichnung: Wer Architekturaufnahmen bei 17 mm anfertigt, kommt um die Korrektur nicht herum. Für alle anderen Einsatzzwecke ist die Verzeichnung wohl nur im direkten Vergleich ersichtlich. 

Fazit und Empfehlung

Das [[FKCH:Tamron-17-70mm-f-2-8-Di-III-A-VC-RXD-Sony-E-Mount_87339.html|Tamron 17-70mm f/2.8 Di III-A VC RXD]] hat abermals das Potential zum Bestseller. Im Vergleich zur Hausmarke gibt es für weniger Geld eine optische Stabilisierung, die sich vor allem an kleineren Alpha-6x00-Modellen ohne IBIS positiv bemerkbar macht. Aber auch die Bildschärfe braucht sich keineswegs vor der teureren Hausmarke zu verstecken, ganz im Gegenteil sogar.

Testbild Sony Alpha 6100 + Tamron 17-70 mm f/2.8 Di III-A VC RXD | 17 mm, f/11, 4 s, ISO-100

Ob nun 16 oder 17 mm im Weitwinkel respektive 55 oder 70 mm im Tele: Für viele Anwender dürfte es kaum einen Unterschied machen. Wer leidenschaftlich Landschaften oder Architektur fotografiert, wird meist ein Ultraweitwinkel(-Zoom) zusätzlich im Rucksack oder dem Wunschzettel haben. Vergleichbares gilt für Sport oder Tierfotografen mit zusätzlichem Tele(-Zoom)-Objektiv.

Sony E 16-55mm F2.8 G vs. Tamron 17-70mm F2.8 Di III-A VC RXD

[[YT:lxi8OwNaqPA]]