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Nokia XR20: 5G-Outdoor-Smartphone im Test

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Lange Zeit galten Outdoor-Smartphones als schwere, unhandliche Brocken mit schlechten Leistungsdaten. Diesen Vorurteilen möchte der Hersteller HMD Global mit dem Nokia XR20 die Grundlage entziehen, denn das 499 Euro (UVP) teure Gerät ist die Outdoor-Version des aktuellen Mittelklasse-Modells Nokia X20. Wir haben den robusten Finnen mit 5G-Schnittstelle getestet.

Das Nokia XR20 ist die Outdoor-Version des ebenfalls brandneuen Nokia X20

Um das Nokia XR20 gegen Stürze zu schützen, hat HMD Global sein neues Modell mit einem Gehäuse und Display ausgestattet, die den strengen US-Militärstandards entsprechen. Logischerweise ist das 248 g schwere und 172 x 82 x 10,6 mm messende Outdoor-Smartphone zudem wasserdicht nach der ebenfalls strengen IP68-Norm. In der Tat werkelte der robuste Finne auch nach mehreren simulierten Stürzen ins Wasser munter weiter.

Dank des robusten Gehäuses ist nach dem Glauben des Herstellers nicht einmal eine Hülle nötig – und deswegen liegt auch keine in der Verpackung. Trotzdem entpuppte sich das Nokia XR20 in der Praxis nicht als komplett vor Kratzern geschützt. Gerade unebene Steinflächen hinterließen ihre Spuren.

Da ist es praktisch, dass HMD Global seinen Kunden im ersten Jahr einen kostenlosen Bildschirmtausch bietet, falls der Bildschirm trotz Corning Gorilla Glass Victus zu Schaden kommen sollte. Das Display selbst ist ein LC-Bildschirm mit matten Farben, aber dafür hoher Blickwinkelstabilität. Immerhin beträgt die Pixeldichte 395 ppi, da die Anzeige 2.400 x 1.080 Bildpunkte aufweist.

Auch ein Wasserbad kann dem Nokia XR20 nichts anhaben

Eine Besonderheit des Nokia XR20 ist der rote Knopf auf der Oberseite des Smartphones, der sich mit einer beliebigen Funktion belegen lässt. Auf der linken Seite befindet sich der Button für den Google Assistant. Entsperren kann man das Android-Smartphone mittels Fingerabdrucksensor im An/Aus-Knopf oder per Gesichtserkennung.

Leistung und Android

Angetrieben wird das Nokia XR20 von einem Qualcomm Snapdragon 480 5G. Den gleichen Prozessor verbaut HMD Global auch im Nokia X20. Allerdings hat das Nokia XR20 nur wahlweise vier oder sechs statt bis zu acht GB RAM. Das reicht zwar im Test für eine ordentliche Performance im Alltagsbetrieb, aber in anspruchsvollen 3D-Benchmark schneidet das Outdoor-Smartphone nicht sonderlich gut ab.

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Die wahlweise 64 GB oder 128 GB internen Speicher lassen sich mit einer microSDXC-Speicherkarte erweitern. Allerdings muss man sich entscheiden, ob man die microSD oder eine zweite Nano-SIM einschiebt, um das Nokia XR20 als Dual-SIM-Handy zu nutzen. Beides zugleich ist nicht möglich.

Als Betriebssystem ist Android 11 installiert und HMD Global sichert drei Jahre lang Updates des Betriebssystems zu. Sicherheitsupdates gibt es sogar vier Jahre lang. Das ist ebenso ein Kaufargument wieder der 4.630 mAh starke Akku, der kabellos geladen werden kann und im Test rund 36 Stunden durchhält. Zudem setzt HMD Global auf Nachhaltigkeit: Ein USB-C-Netzteil liegt standardmäßig nicht bei, um Elektroschrott zu vermeiden.

Kamera und Ton

Während viele günstigere Smartphones teils vier Kameras auf der Rückseite haben, hat das Nokia XR20 deren nur zwei: Eine 48-MP-Hauptkamera und eine 13-MP-Ultraweitwinkel-Kamera, die aber dafür über eine Optik des deutschen Zulieferers Zeiss verfügen. Insofern verwundert es nicht, dass das Outdoor-Smartphone gerade bei Tage gute Fotos schießt.

Die Hauptkamera des Nokia XR20 hinterlässt vor allem bei Tage einen guten Eindruck

Wählt man den zweifachen Zoom, machen sich jedoch schnell Qualitätsverluste bemerkbar. Im Porträt-Modus macht das Nokia XR20 recht passable Bokeh-Aufnahmen:

Im Porträt-Modus schießt das Nokia XR20 natürlich wirkende Bokeh-Fotos

Dank doppeltem LED-Blitzlicht kann man auch in der Dunkelheit gute Fotos schießen, doch manchmal sind die Aufnahmen auch ziemlich unscharf. Die Ultraweitwinkel-Linse fällt gegenüber der Hauptkamera qualitativ ab:

Bilder der Ultraweitwinkel-Kamera des Nokia XR20 zeigen die üblichen Verzerrungen am Rand

Die Acht-MP-Frontkamera des Nokia XR20 punktet mit scharfen Aufnahmen. Ein Weichzeichner ist nicht wie bei vielen anderen Herstellern standardmäßig aktiviert. Die Farben sind bei Tageslicht relativ intensiv und es treten nur minimale Unschärfen auf Bei Nacht-Selfies hingegen macht sich das recht schwache Display-Fotolicht negativ bemerkbar.

Die Frontkamera des Nokia XR20 hat bei Tage wenig Probleme

In puncto Lautsprecher-Sound kann das Nokia XR20 nicht überzeugen. Bei höherer Lautsprecher tendiert es zu Übersteuerungen und blechernem Klang. Eine Audio-Buchse ist zwar an Bord, aber ein Stereo-Headset wird nicht mitgeliefert.

Mobilfunk (5G und LTE)

Nicht selbstverständlich für ein Outdoor-Smartphone ist es, dass das Nokia XR20 über Bluetooth 5.1, NFC, 5G und die schnellen WLAN-Standards ac und ax verfügt. Im schnellen 5G-Netz von Vodafone in Düsseldorf erzielt das robuste Finnen-Handy denn auch gute 207 MBit/s im Download und 108 MBit/s im Upload.

Das Nokia XR20 verfügt über einen ausdauernden Akku und surft wieselflink im 5G-Netz

Auch im 4G-Netz von Vodafone kann sich die Performance sehen lassen. Hier stehen sogar 241 MBit/s im Download und 48 MBit/s im Upload zu Buche. Außerdem glänzt das Nokia XR20 über eine Nokia-typische sehr gute Sprach- und Empfangsqualität selbst im weniger gut ausgebauten O2-Netz.

Fazit und Empfehlung

Das [[MMID:2753893|Nokia XR20]] mit vier GB RAM und 64 GB internem Speicher kostet 499 Euro. Für die Version mit sechs GB RAM und 128 GB internem Speicher sind 579 Euro zu zahlen. Das ist ein faires Angebot, da man hierfür ein klassisches Outdoor-Smartphone in Kombination mit vergleichsweise guter technischer Ausstattung bekommt.

Löblich ist der nachhaltige Ansatz des Nokia XR20. Neben den Outdoor-Eigenschaften ist vor allem die lange Versorgung mit Updates ein Kaufargument. Auch die lange Akkulaufzeit und die Möglichkeit das Display im ersten Jahr kostenlos austauschen zu lassen sprechen für das Nokia XR20.

Haupt- und Frontkamera hinterlassen einen gespaltenen Eindruck, der Sound ist nicht gut und auch der Prozessor macht wenig Laune. Die Display-Auflösung ist in Ordnung, doch Outdoor-typisch wirken die Farben doch recht matt und auch die Bildwiederholrate ist nicht sonderlich gut.