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Anleitung: Feuerwerk fotografieren und filmen

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Alle Jahre wieder ist es soweit: Kaum hat das neue Jahr begonnen, da fliegen auch schon die ersten Dinge in die Luft. Das durchaus effektvoll, farbenfroh und auch gerne einmal etwas lauter. Und auch so gibt es des Öfteren im Jahr einmal die Chance ein großes Feuerwerk zu sehen. Grund genug einmal einen Blick darauf zu werfen, wie man ein Feuerwerk am Besten fotografieren und filmen kann!

Video oder Foto?

Zu allererste steht natürlich die Frage: Will ich filmen oder fotografieren? Diese Frage lässt sich weder eindeutig klären, noch ist sie überhaupt generell zu beantworten. Am Liebsten wäre einem natürlich beides - klar.

Am Ende hängt es davon ab, was man mit dem Material später einmal anzustellen gedenkt. Will man den Bekannten mit dem großen Finale neidisch machen, nur mal schnell ein paar Bilder für die Foto-Show haben? Oder vielleicht doch lieber als Poster ausdrucken? In diesen Fällen ist die Wahl natürlich eindeutig: Das große Finale wirkt nur im Zusammenhang, für die Fotoshow reichen auch ein paar tolle Bilder und drucken kann man Filme auch nicht (wirklich sinnvoll).

Vereinfacht gesagt: Will man "nur" Details zeigen und/oder schöne Formen erzeugen, ist eine Foto genau das richtige. Geht es hingegen um das Feuerwerk in seiner Gesamtheit, sollte eben Diese auch vermittelt werden. Und was wäre ein Feuerwerk ohne Ton?

Audio / Video

Wie bereits angeschnitten bringen Videos vor allem dann etwas, wenn man probiert das Feuerwerk in seiner Gesamtheit zu zeigen. Das heißt einen möglichst großen oder Aussagekräftigen Teil einzufangen und, ganz wichtig, den Ton nicht zu vernachlässigen.

Wir haben uns für die Canon EOS 550D (inkl. Magic Lantern) mit dem [[ASIN:B002ZNJB32|Sigma 17-70 mm f/2.8-4]] sowie für das [[ASIN:B000I5W7K8|Rode Stereo VideoMic (SVM)]] entschieden. Die EOS 550D erlaubt dank der Magic Lantern-Firmwaremod sehr viele manuelle Einstellmöglichkeiten, besonders die Ansteuerung des Mikrofons war für das Feuerwerk sehr wichtig. Das Sigma Objektiv bietet dazu die Möglichkeit im Weitwinkel zu fotografieren. Das Rode SVM erzeugt zudem einen sehr natürlichen Klang und bietet eine gute räumliche Trennung (gut zu hören bei den startenden Raketen).

[[YT:mW5-LmUOCqQ]]

Das Video gibt es übrigens auch in HD samt Dolby Digital-Ton zum Herunterladen (175 MB).

Für das Video wurde eine Verstärkung von lediglich +12 dBA eingestellt und dementsprechend die automatische Pegelkontrolle (AGC = Automatic Gain Control) deaktiviert. Das Ergebnis ist ein äußerst rauscharmer, harmonischer und satter Klang.

Zusammenfassend eine kurze "Video-Check-Liste":

  • Ein Stativ benutzen, sonst wird das Video schnell unscharf. (In dem Fall auch einen ggf. vorhandenen Bildstabilisator deaktivieren)
  • Manuell fokussieren sofern möglich! Ein Autofokus liefert unter diesen Bedingungen praktisch nie brauchbare Ergebnisse
  • Ein weitwinkliges Objektiv (bzw. wenig Zoom bei Camcordern/Kompaktkameras) benutzen um einen großen Bereich des Himmels abzudecken
  • Wenn möglich etwas abblenden (bei DSLR-Kameras Blende f/7.1 oder ähnliches) um eine höhere Tiefenschärfe zu erreichen
  • Film/Sensor-Empfindlichkeiten im Bereich von ISO 320 bis ISO 800 sind meist sinnvoll
  • Die Belichtungszeit ist bei 1/25 bis 1/60 s in einem guten Bereich

Foto

Beim Thema Fotografieren sieht es wieder etwas anders aus. Hier gilt wie so oft: Weniger ist manchmal eben Mehr! Möglichst viel Feuerwerk auf einmal einzufangen, das sollte nicht das Ziel sein. Lieber mehrere Bilder und jeweils auf einen kleinen Ausschnitt konzentrieren.

Ebenfalls elementar beim Feuerwerk ist die Belichtungszeit. Dabei wirken lange Belichtungszeiten meist schöner als kurze, wobei auch hier Ausnahmen die Regel bestätigen und experimentieren angesagt ist. Der Vorteil an längeren Belichtungszeiten: Man kann die "Bewegung" des Feuerwerks aufzeichnen und somit einen Ablauf zeigen, der dem menschlichen Auge sonst verschlossen bleibt.
Genauso können extrem kurze Belichtungszeiten dafür genutzt werden um einen, sonst ebenfalls kaum wahrnehmbaren, Moment einzufangen.

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Das obige Bild wurde mit folgenden Einstellungen aufgenommen:

  • Belichtungszeit: 2s
  • Blende: f/7.1
  • Brennweite: 17 mm
  • Empfindlichkeit: ISO 100

Aufgrund der langen Belichtungszeit ist folgenden zu beachten: Die Explosionen sind kurzzeitig extrem Hell. Dementsprechend schnell können die vormals bunten Lichter zu überbelichteten "weißen Flecken" mutieren. Deshalb ist hier eine geringe Film-/Sensorempfindlichkeit sowie eine etwas geschlossene Blende (grob f/5.6 bis f/16) zu empfehlen. Und natürlich ist auch hier auch ein Stativ Pflicht, denn 1/2 bis teilweise 4 Sekunden sind per Hand nicht ruhig zu halten.

Bei kurzen Belichtungszeiten (etwa 1/2000 bis 1/400 Sekunde) ist hingegen auf ein lichtstarkes Objektiv (f/2.8 sollte es schon sein) sowie eine höhere Film-/Sensorempfindlichkeit (ISO 800 oder höher) zu achten, da sonst kein ausreichend belichtetes, scharfes Bild zustande kommt.

Zusammenfassend eine kurze "Foto-Check-Liste":

  • Ein Stativ ist hilfreich, bei langen Belichtungszeiten Pflicht!
  • Manuell fokussieren sofern möglich! Ein Autofokus liefert unter diesen Bedingungen praktisch nie brauchbare Ergebnisse
  • Bei der Brennweite hängt es vom Motiv und der Entfernung ab. Von Weitwinkel bis Tele ist alles "erlaubt"
  • Kurze Belichtungszeiten verlangen ein lichtstarkes Objektiv und hohe Film-/Sensorempfindlichkeiten
  • Lange Belichtungszeiten funktionieren leicht abgeblendet und mit geringen Film-/Sensorempfindlichkeiten besser

Übung macht den Meister

Eines sollte jedem klar sein, egal ob er sich für Foto, Video oder gar beides entscheidet. Das erste Mal wird sicherlich nicht perfekt und es gehört viel Erfahrung dazu, die man nicht mit Worten vermitteln kann. In Zeiten der Digitalkameras kann man aber bereits an einem Abend sehr viel lernen und optimieren!


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