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Sigma 45 mm F2.8 DG DN - Kompakt, leicht und exklusiv für Vollformat-DSLMs

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Bisher bestand Sigmas Angebot für spiegellose Systemkameras mit Vollformatsensor aus adaptierten DSLR-Optiken aus der Art-Familie, die nicht kleiner oder leichter waren als ihre DSLR-Geschwister zuzüglich Adapter. Die ersten Gehversuche mit einem nativen Design macht Sigma mit dem 45 mm f/2.8 DG DN aus der Contemporary-Serie – inklusive überarbeitetem Design.

Sigma 45 mm f/2.8 DG DN Contemporary: Einen manuellen Blendenring gab es bei Sigma schon länger nicht mehr

Die gute Nachricht für alle Kenner der bisherigen Contemporary-Objektive: Sigma setzt auf einen neuen Fokus-Ring, der nun rundherum und deutlich tiefer geriffelt ist als zuvor. Eine weitere Besonderheit ist ein Blendenring am Objektiv, der ein präzises haptisches Feedback für jede ⅓-EV-Stufe gibt. Auf der Stellung "A" geht die Kontrolle zurück an die Kamera. Im Falle von Sony-Kameras bedeutet letzteres jedoch keine Blendenautomatik, sondern die Möglichkeit die Blende über die Wahlräder an der Kamera einzustellen.

Ebenfalls eher ungewöhnlich für Sigmas Einsteiger-Serie ist die Materialwahl: Sowohl das Bajonett als auch das Gehäuse bestehen vollständig aus Metall, das Gewicht bleibt mit 215 g dennoch human. Das Bajonett besitzt zudem einen kleinen Dichtungsring, wodurch das Objektiv auch sehr straff auf dem Kameragehäuse sitzt. Der Lieferumfang fällt mit einer Streulichtblende klassenüblich aus.

Verfügbar ist das Sigma 45 mm F2.8 DG DN derzeit für Kameras mit Sony-E- sowie L-Mount (Leica, Panasonic S-Serie, Sigma fp).

Autofokus

Wie bei den meisten DSLM-Objektiven setzt auch Sigma auf einen Schrittmotor zur Fokussierung. Der Vorteil besteht in einer praktisch lautlosen Arbeitsweise. Die Geschwindigkeit ist hingegen eher durchschnittlich und kommt nicht an die derzeit schnellsten Vollformat-Implementierungen wie Canons Nano-USM oder Nikons AF-P- sowie vielen Z-Objektiven heran.

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Der Fokusring ist bei Schrittmotoren stets elektrisch übersetzt – und damit gewissermaßen Fluch und Segen in einem: Während dies einerseits eine äußerst präzise Fokussierung mit sehr langem Drehweg ermöglicht (langsame Drehungen für präzise Einstellung, schnelle Drehungen für große Unterschiede), unterstützen nicht alle Kameras eine optionale, lineare Arbeitsweise, bei der die gleiche Drehung immer zur gleichen Änderung der Fokusdistanz führt, wie sie viele Filmer bevorzugen.

Bildqualität

Ein hausgemachtes Problem ist die, für eine Festbrennweite, vergleichsweise geringe Lichtstärke von maximal f/2.8, die sich folglich nicht von lichtstarken Zoom-Objektiven absetzen kann. Immerhin ist die Bildschärfe bereits bei Offenblende bis zum Bildrand gut und erreicht gegen f/5.6 das Maximum mit hohem Mikrokontrast für knackige Bilder. 

Sigma 45 mm f/2.8 DG DN Contemporary + Sony Alpha 7 III | f/5.6, 1/1600 s, ISO-100

Auf gewohnt hohem Niveau ist das Bokeh, die Schönheit, Weichheit oder Rundheit der Hintergrundunschärfe. Das Sigma 45 mm DG DN zeichnet auch bei f/4 noch einen ruhigen Hintergrund. Zum Vorteil wird dem Objektiv auch die kurze Naheinstellgrenze von nur 24 cm (Abbildungsmaßstab 1:4). Jedoch bleibt, leider, die Einschränkung von f/2.8 als maximaler Blendenöffnung, die visuell weit vom mächtigen Bokeh eines Objektives mit f/1.4 oder zumindest f/1.8 entfernt ist.

Sigma 45 mm f/2.8 DG DN Contemporary + Sony Alpha 7 III | f/4, 1/800 s, ISO-50

Die Chromatische Aberration (Farbquerfehler) hat Sigma beinahe perfekt korrigiert. Selbst am äußersten Vollformat-Bildrand sind beim Test mit der Sony Alpha 7 III (24 Megapixel) in der 200-Prozent-Ansicht nur minimale Farbsäume erkennbar.

Sigma 45 mm f/2.8 DG DN Contemporary + Sony Alpha 7 III | f/5.6, 1/400 s, ISO-100

Die Vignettierung (Randabschattung) ist trotz der kompakten Bauweise mit nur 55 mm kleinem Frontgewinde erstaunlich gering: Etwa 1⅓ EV wird es in den äußersten Bildecken dunkler - etwas besserer als der Klassendurchschnitt.

Fazit und Empfehlung

In Sachen Bildqualität lässt Sigma nichts anbrennen, stellt aber auch keine neuen Rekorde auf, wie zuletzt häufiger bei der Art-Serie aus eigenem Hause geschehen. Dies ist jedoch auch nicht zwingend der Anspruch der Contemporary-Objektive, die vielmehr ein Kompromiss aus Preis, Leistung und eben auch Größe sind.

Sigma 45 mm f/2.8 DG DN Contemporary: Das Gehäuse besteht vollständig aus Metall

Handwerklich ist am Sigma 45 mm F2.8 DG DN Contemporary nichts zu bemängeln: Vom edlen Metallgehäuse über den fein abgestimmten Blendenring bis zur Bildqualität passt alles. Wenn überhaupt fällt dem Objektiv die vergleichsweise geringe Lichtstärke von f/2.8 auf die Füße, die im Bereich flexiblerer Zoom-Objektive wie dem Tamron 28-75 mm f/2.8 Di III RXD liegt.