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Sony Alpha 7R IV: Wenn ein flotter Autofokus 60 Megapixel jagt

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Nach dem großen Sprung bei der dritten Generation, kümmert sich Sony bei der Alpha 7R IV wieder primär um Detailoptimierungen. Die größte Änderung aus Marketing-Gesichtspunkten bleibt jedoch ganz klar der neue Bildsensor mit nun 60 Megapixeln Auflösung. Welche Vor- und auch Nachteile der neue Sensor bringt und was sich sonst noch getan hat, beantworten wir im ausführlichen Test.

Sony Alpha 7R IV: Der Vollformat-CMOS-Sensor löst mit 60 Megapixeln auf

Die eingangs erwähnten Detailoptimierungen beginnen bereits beim Gehäuse: Die Dichtungen auf der Kameraunterseits wurden verbessert, der als wenig griffig kritisierte Joystick beim Vorgänger lässt sich nun auch mit Handschuhen besser bedienen und das Wahlrad zur Belichtungskorrektur hat nun endlich einen Lock-Schalter erhalten.

Beim Sucher löst nun mit knackigen 5,8 Megapixeln auf und zieht mit der Lumix-S1-Serie von Panasonic gleich. Eine der letzten Schwächen bleibt das nur kippbare, 3 Zoll große Touch-Display auf der Rückseite, dessen Touch-Funktionalität vor allem mit Abwesenheit glänzt. Ein Touch-fähiges Menü, Quickset-Menü oder das Starten von Videos? Alles unmöglich im Sony-Universum 2019. Lediglich AF-Punkte lassen sich setzen. Auch die Auflösung von einer Million Pixeln wirkt im Vergleich zur Konkurrenz altbacken.

Eine alte Schwäche ist zudem zurückgekehrt: Die Akkulaufzeit fällt merklich geringer als beim Vorgänger aus, insbesondere wenn man die Vorteile der Alpha 7R IV auch nutzt (Anzeigequalität auf "Hoch", kontinuierlicher Autofokus mit Tracking). Zwar fällt Sony längst nicht auf das Niveau der ersten und zweiten Generation zurück, die Laufzeit einer Alpha 7(R) III ist jedoch ebenfalls in weiter Ferne.

Serienbild und Autofokus

Das mag auch an der zweifelsfrei notwendigen Rechenleistung liegen, die der BIONZ X-Bildprozessor samt Front-End LSI bereitstellen müssen. Immerhin bleibt die Serienbildgeschwindigkeit mit bis zu 10 Bilder/s konstant hoch – und das trotz 43% höherer Auflösung. Aufgrund der großen Datenmengen und des guten Speicherkarten-Controllers (Dual UHS-II), empfehlen sich UHS-II-Speicherkarten.

Sony Alpha 7R IV: Beide Speicherkarten-Fächer unterstützen nun die UHS-II-Schnittstelle

Zwar hat der Vorgänger, die Sony Alpha 7R III, seit Erscheinen diverse Firmware-Updates mit Verbesserungen des Autofokus erhalten, die vierte Generation bietet dennoch ein paar Extras. Mit von der Partie ist natürlich auch der erst kürzlich via Firmware-Update veröffentlichte Augen-Autofokus für Tiere, das "Echtzeit-Tracking" für beliebige Objekte (Sony Alpha 6400) darf jedoch nicht fehlen.

Testbild Sony Alpha 7R IV + Sony FE 90 mm F2.8 G Macro OSS | f/4.5, 1/1250 s, ISO-400

Letzterer kann zum Beispiel in der Makro-Fotografie eingesetzt werden und verfolgt selbst eine Biene auf der Blüte zuverlässig. Bei sehr schnellen, ruckartigen Bewegungen ist aber auch die Sony Alpha 7R IV bzw. das benutzte Objektiv am Limit. Dennoch: Der Tracking-Autofokus funktionierte im Test derart zuverlässig, dass am Ende die Frage aufkam, warum man noch den Single-AF nutzen soll?

Bildqualität

60 statt vormals 42 Megapixel oder 43 Prozent mehr: Damit holt sich Sony die Megapixel-Krone im Vollformat von Canon zurück (EOS 5Ds R: 50 MP), erfindet das Rad dabei aber auch nicht neu. Bereits ab ISO-800 ist das Rauschen deutlich sichtbar, bei ISO-3.200 gehen vergleichsweise viele Details verloren. ISO-25.600 und höhere Lichtempfindlichkeiten sind kaum mehr praxistauglich.

Testbild Sony Alpha 7R IV: Rauschverhalten bei ISO-100 und ISO-3200 im Vergleich

Dafür bietet der neue Sensor, Sony-typisch, einen hohen Dynamikumfang bei tiefen ISO-Werten, was insbesondere Landschaftsfotografen freuen dürfte. Zusammen mit der Sensorstabilisierung kann die Sony A7R IV aber noch mehr, genauer: 240 MP.

Testbild Sony Alpha 7R IV: 60 Megapixel im Vergleich zum 'Pixel Shift Multi Shoot' mit 240 Megapixel

Beim "Pixel Shift Multi-Shooting" werden 16 Fotos hintereinander aufgenommen und können anschließend zu einem Bild mit 240 Megapixeln Auflösung und geringerem Bildrauschen zusammengesetzt werden. Anschließend.

Denn im Gegensatz zu den Implementierungen von Panasonic oder Olympus speichert Sony 16 einzelne RAW-Dateien, die derzeit nur der hauseigene Konverter Imaging Edge zusammenfügen kann. Mangels Hardware-Beschleunigung eine quälend langsame Arbeit, die zudem noch mehr Artefakte bei leichten Bewegungen im Bild produziert als die In-Kamera-Lösungen der Konkurrenz.

4K-Videomodus

Beinahe-Stillstand beim Videomodus: Während Panasonic mit der Lumix S1H eine Kamera für Video-Enthusiasten geschaffen hat, die einen Vollformat-Sensor mit Dual-Native-ISO, DCI-4K 60 FPS, anamorphem 6K-Video, HD-Audio, interner 4:2:2 10-bit Aufzeichnung und vieles mehr bietet, tritt Sony seit nunmehr vielen Jahren fast auf der Stelle.

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4K ist mit maximal 30 Bilder/s möglich, an eine interne 10-bit-Aufzeichnung ist nicht zu denken und spätestens der microHDMI-Anschluss macht einen professionellen Einsatz mit externem Rekorder zu einer wackligen Angelegenheit. Eine echte Verbesserung ist der Augen-Autofokus, der nun auch im Videomodus bis hinauf zu 4K-Aufnahmen ein sehr gutes Tracking erlaubt.

Fazit und Empfehlung

Lange Zeit hatte Sony freies Feld im Markt der spiegellosen Vollformatkameras und die Alpha 7R IV wäre als sehr guter Allrounder für Profis durchgegangen. Mit gleich vier neuen Konkurrenten gibt es jedoch Bereiche, in denen Schwächen auffallen. So besetzt beispielsweise Panasonic zweifelsfrei die Pole-Position bei Videoaufnahmen und ist Sony mindestens eine Generation voraus.

Testbild Sony Alpha 7R IV + Sony FE 90 mm F2.8 G Macro OSS | f/2.8, 1/1000 s, ISO-100

Sonys Paradedisziplin ist hingegen der zuverlässige und flotte Autofokus, inklusive Tracking, Nachverfolgung und auf Wunsch bei bis zu 10 Bildern pro Sekunde im Serienbildmodus. Wer auf 60 Megapixel und das letzte bisschen Autofokus-Leistung verzichten kann, fährt mit dem Vorgänger, der Sony Alpha 7R III, derzeit jedoch deutlich günstiger.