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Tamron SP 90 mm F2.8 Di VC USD Makro - 2016er Neuauflage F017 im Test

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Manchmal geht es schneller als man denkt: Keine 4 Jahre nach der letzten Neuauflage kündigte Tamron auf der CP+ 2016 die zweite Reinkarnation vom beinahe schon legendären 90 mm Makro an. Las sich die Pressemitteilung noch eher bodenständig, konnten uns die Testergebnisse aus der Praxis wirklich überzeugen: Nicht nur am Design hat Tamron viel geändert und verbessert.

Tamron SP 90 mm f/2.8 Di VC USD Makro

Beim Vorgänger aus dem Jahr 2012 (F004) setzte Tamron noch auf ein Metallskelet mit Kunststoffhülle, die Neuauflage im neuen SP-Design ist nun auch äußerlich ein edler Metallbolide geworden. Auch der Staub- und Spitzwasserschutz wurde noch einmal verbessert. Zentral befinden sich eine, nun etwas größere, geschützte Skala mit der aktuellen Fokusdistanz (in Metern und Fuß) sowie dem daraus resultierenden Abbildungsmaßstab und drei Schalter zum (de-)aktivieren von Autofokus und Bildstabilisator inklusive eines Autofokus-Limiters. Der breite Fokusring weiter oberhalb kann auch bei aktiviertem Autofokus benutzt werden (Ring-USM) und erlaubt zudem eine sehr feine Einstellung der Fokusdistanz.

Autofokus und Bildstabilisator

Häufig sind manuelle Eingriffe jedoch nicht von Nöten, arbeitet doch der Ultraschallmotor im Tamron 90 mm Makro meist sehr schnell und zuverlässig. Das "über das Ziel hinausschießen" vom Autofokus hat Tamron ebenfalls in den Griff bekommen und somit die Zeit bis zum Auslösen leicht reduzieren können. Die eingesetzte Innenfokussierung hat zudem den Vorteil, dass das Objektiv auch bei einem Abbildungsmaßstab von 1:1 nicht seine Größe ändert und das 62-mm-Filtergewinde an der Front nicht rotiert. Besonders letzterer Punkt ist beim Einsatz von Grauverlaufs- und Polfiltern sehr wichtig.

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Der optische Bildstabilisator (VC) ist im Makro-Betrieb eher selten von Vorteil, hier sorgen bereits minimale Bewegungen des Motives (z.B. eine Blüte bei sehr seichtem Wind) für weit mehr Unschärfe als das Zittern der Hände. Nichts desto trotz lassen sich, insbesondere im Makro-Betrieb, Verbesserungen im Vergleich zum Vorgänger ausmachen: Selbst bei nahezu 1:1 Makros lassen sich bei 1/60 Sekunden Belichtungszeit noch scharfe Bilder anfertigen.

Bildqualität

Kommen wir zu dem Teil des Tests, bei dem wir am wenigsten Änderungen erwartet, nach dem Design aber die größten gesehen haben: Die Bildschärfe. Tamron selbst spricht vom gleichen optischen Aufbau wie beim Vorgänger mit den üblichen Optimierungen (Coatings etc.).

Testbild Tamron SP 90 mm f/2.8 Di VC USD Makro [F017] + Canon EOS 5Ds R | 90 mm, f/8, 1/2 s, ISO-400

Umso überraschter waren wir beim direkten Vergleich beider Objektive, zeigt die Neuauflage doch eine deutlich höhere Bildschärfe. Die bereits bei Offenblende erreichbare Auflösung erreichte der Vorgänger erst bei Blende f/4-4.5 (siehe Bild unten), gleiches gilt für den Vergleich von Blende f/4 (neu) und f/5.6 (alt). Kurzum: Das neue Tamron SP 90 mm F2.8 Di VC USD Makro ist merklich schärfer und das auch schon bei einer stärker geöffneten Blende. Sehr gut!

Im Vergleich: Das neue Tamron 90 mm Makro [F017, links] bei Blende f/2.8 und das alte [F004, rechts] bei Blende f/4 - aufgenommen mit Canon EOS 5Ds R

Sowohl offenblendig (Portrait) als auch mehr oder weniger stark abgeblendet (Makrofotografie) ist das Bokeh, die Schönheit, Weichheit oder Rundheit der Hintergrundunschärfe, ein nicht zu unterschätzender Einflussfaktor auf die subjektiv empfundene Bildqualität. Dank seiner neun abgerundeten Blendenlamellen erzeugt das 90 mm Makro auch hier ausgezeichnete Resultate.

Testbild Tamron SP 90 mm f/2.8 Di VC USD Makro [F017] + Canon EOS 5Ds R | 90 mm, f/2.8, 1/1600 s, ISO-100

Die Chromatische Aberration (Farbquer- und längsfehler) hat man ebenfalls gut im Griff: Selbst bei Offenblende und am Bildrand (Vollformat) sind kaum Farbsäume zu erkennen. Korrekturen in der Nachbearbeitung sind so prinzipiell nicht zwingend notwendig.

Testbild Tamron SP 90 mm f/2.8 Di VC USD Makro [F017] + Canon EOS 5Ds R | 90 mm, f/2.8, 1/2000 s, ISO-100

Die Vignettierung (Randabschattung) ist prinzipiell zu vernachlässigen, nur an Vollformat-Kameras eingesetzt und bei weit geöffneter Blende (f/2.8-4) lassen sich Helligkeitsabfälle am Rand (etwa -1,3 EV bei f/2.8) feststellen - bei Bedarf aber auch einfach korrigieren. Die Unterschiede zum Vorgänger (etwa -1,5 EV bei f/2.8) sind eher mess- als sichtbar.

Fazit und Empfehlung

Wie bei Tamron üblich hat sich das Objektiv, kaum verfügbar, schon deutlich von der UVP (999 Euro) entfernt und liegt zum Zeitpunkt der Artikelveröffentlichung bei etwa 730-750 Euro. Die 2012er-Version vom [[ASIN:B00A2I0N2A|Tamron SP 90 mm Makro]] ist vereinzelt noch für knapp über 400 Euro verfügbar, wird von Tamron aber schon nicht mehr produziert. 

Das Duell der Ringe: Tamron SP 90 mm f/2.8 Di VC USD Makro - F017 vs. F004

Insbesondere ambitionierte Makro-Einsteiger müssen also, wohl oder übel, darauf hoffen, dass auch die Neuauflage in absehbarer Zeit in ähnliche Preisregionen vorstößt. Wir rechnen jedoch auch dauerhaft mit etwas höheren Preisen von Tamron. Und das durchaus zurecht! Denn das [[ASIN:B01C2HH826|Tamron F017 SP 90 mm F2.8 Di VC USD Makro]] kann angesichts der verbesserten optischen Leistung sowie merklich besseren Verarbeitung auch mit Canons L-Serie mithalten.


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