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Sony Alpha 7 III - 'Vollformat fürs Volk' im Test

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Die dritte Generation von Sonys Alpha-7-Serie adressiert viele Kritikpunkte der beiden Vorgängergenerationen: Zu kleine Akkus, zu kleine Handgriffe, kein Dual-SD-Slot, kein AF-Joystick, Hitzeprobleme bei 4K-Videos und vieles mehr. Umso erfreulicher, dass Sony die zahlreichen Verbesserungen auch dem Einsteigermodell Alpha 7 III nicht vorenthält.

Sony Alpha 7 III mit FE 28-70 mm OSS Kit-Objektiv [Bildmaterial: Sony]

Erstmals in der dritten Alpha-7-Generation (und der Alpha 9) ist ein Joystick zu finden, der sich zum Verschieben der Fokusfelder einsetzen lässt. Wie bei fast allen anderen Bedienelementen der Kamera fällt auch hier die Bedienbarkeit mit Handschuhen bestenfalls umständlich aus. Auch das fehlende Schulterdisplay ist ein klares Manko gegenüber vergleichbaren DSLRs.

Der Vorteil der Alpha 7 III liegt dafür wortwörtlich in der Hand: Mit 650 g hat die A7 III gegenüber dem Vorgänger zwar fast 100 Gramm Winterspeck angelegt, wiegt aber weiterhin mehrere 100 Gramm weniger als die Vollformat-DSLR-Konkurrenz. Trotz der knappen Platzverhältnisse integriert Sony, neben einem alten micro-USB- und einem empfindlichen micro-HDMI-Stecker, auch einen modernen USB-C-Anschluss. Am zuweilen chaotisch strukturierten Menü ändert sich leider wenig.

Der neue [[ASIN:B071NHTQMJ|NP-FZ100]] speichert mit 16,4 Wh ferner mehr als doppelt so viel Energie wie der bisherige NP-FW50 (7,7 Wh). Leider verzichtet Sony, schon traditionsgemäß, auch bei der über 2.000 Euro teuren Alpha 7 III auf ein passendes [[ASIN:B071HLW46F|Schnellladegerät]] und legt stattdessen nur einen USB-Netzadapter sowie ein USB-Kabel zum Laden des Akkus in der Kamera bei.

Serienbild und Autofokus

Der BIONZ X-Bildprozessor wird vom sogenannten Front-End LSI unterstützt und erreicht Serienbildgeschwindigkeit von bis zu 10 Bilder/s in voller Auflösung (24 MP) und Qualität (RAW). Aufgrund der großen Datenmengen und des nach vielen Jahren endlich flotten Speicherkarten-Controllers, empfehlen sich UHS-II-Speicherkarten für eine möglichst schnelle Speicherung von Bild- und Videomaterial.

Testbild Sony Alpha 7 III + Tamron 28-75mm F2.8 Di III RXD | 34 mm, f/2.8, 1/1600 s, ISO-100

Ebenfalls lange überfällig im (Semi-)Profi-Segment war ein Dual-SD-Slot: Insbesondere in Situationen ohne Möglichkeit zur Wiederholung (z.B. Hochzeitsfotografie) ist ein direktes Back-Up oft unerlässlich. Leider ist nur der untere Steckplatz (#1) in der Lage UHS-II-Speicherkarten voll auszureizen. Auch ist die Sony Alpha 7 III nicht intelligent genug selbstständig von Slot 1 auf 2 umzuschalten, sollte sich einmal keine Karte in Fach 1 befinden und selbiges ausgewählt sein.

Der Hybrid-Autofokus kommt auf 693 Phasen-AF-Punkte, kombiniert mit dem 425-Feld-Kontrast-AF vom Bildsensor. Neben der guten Nachverfolgung (Tracking-AF) hat auch die Geschwindigkeit gegenüber dem Vorgänger deutlich zugelegt und kann so auch anspruchsvollere Nutzer überzeugen. Selbst die suboptimale Kombination mit adaptierten Dritthersteller-Objektiven (Canon EF 70-300 mm IS II USM + Sigma MC-11) bringt den Autofokus der Sony A7 III nicht aus dem Konzept.

Bildqualität

Im Vergleich zu den sonstigen Verbesserungen ist die Bildqualität des Bildsensors schon "enttäuschend normal". Zur Klarstellung: Das Bildrauschen ist auf dem Niveau der Konkurrenz mit ähnlichen Bildsensoren (Vollformat, ca. 24 Megapixel). Bis ISO-6400 lassen sich die Bilder noch gut verwenden, bei höheren ISO-Werten verschluckt aber auch bei der Alpha 7 III das Bildrauschen extrem viele Details.

Testbild Sony Alpha 7 III + Tamron 28-75mm F2.8 Di III RXD | 28 mm, f/4, 1/500 s, ISO-100

Zwar eignet sich die Sony Alpha 7 III, dank des sehr hohen Dynamikumfangs bei ISO-100, prinzipiell ausgezeichnet für Landschaftsaufnahmen, jedoch finden hierfür zunehmend hochauflösendere Modelle wie die Nikon D850 oder Sony Alpha 7R III Verwendung. Wer auf 40 oder mehr Megapixel für große Ausdrucke verzichten kann, findet jedoch einen sehr potenten Begleiter.

4K-Videomodus

Beinahe-Stillstand beim Videomodus: Panasonic hat zuletzt mit Timecode-Generator, Dual-Native-ISO (Lumix GH5s), DCI-4K 60 FPS, HD-Audio und Co vor allem beim Funktionsumfang massiv vorgelegt. Sony kann qualitativ (Full-Sensor-Readout, hoher Dynamikumfang, S-Log Gamma) zweifelsohne mithalten und bietet auch einen sehr guten Video-Autofokus, selbst bei 4K-Aufnahmen. Im Detail disqualifiziert sich die A7 III dann jedoch für Video-Spezialisten. Angesichts der bald erwarteten A7s III kein echtes Problem.

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Anschlussseitig ist der empfindliche micro-HDMI-Stecker keine gute Wahl für Video-Enthusiasten. Gleiches gilt für das nicht vorhandene, dedizierte Video-Menü mit allen wichtigen Einstellungen an einem Ort. Mikrofon-Eingang und Kopfhörer-Ausgang sind vorhanden, befinden sich aus unverständlichen Gründen jedoch unter zwei verschiedenen Abdeckungen.

Fazit und Empfehlung

Trotz aller Detailkritik: Die [[ASIN:B07B4R8QGM|Sony Alpha 7 III]] ist eine der besten Vollformat-Kameras im Preisbereich um die 2.000 Euro. Sinnvollen Neuerungen wie dem zweiten Cardslot, Autofokus-Joystick und größeren Akku steht ein solider 24-Megapixel-Sensor und technisch ausgezeichneter 4K-Videomodus zur Seite.

Testbild Sony Alpha 7 III + Tamron 28-75mm F2.8 Di III RXD | 28 mm, f/4, 1/200 s, ISO-100

Echte Fehltritte gibt es indes nicht. Natürlich fiel die ein oder andere Funktion der deutlich teureren Alpha 9 und Alpha 7R III dem Rotstift zum Opfer, jedoch lässt Sony erfreulich viel High-End-Technik auch beim kleinsten A7-Modell übrig. Nur ein dediziertes Akku-Ladegerät sollte bei einer 2.000-Euro-Kamera nicht optional sein – schon gar nicht für happige 100 Euro.


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