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Canon EOS 5D Mark IV - 4.000 Euro für die vierte Generation der EOS 5D

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(Zu) lange mussten Canon-Nutzer auf eine Aktualisierung des Vollformat-Bestseller EOS 5D Mark III warten, zumindest wenn man die Canon EOS 5Ds (R) als Ableger für Studio- und Landschaftsfotografen einmal ausklammert. Mit der Canon EOS 5D Mark IV hat Canon, so viel sei vorab verraten, die 5D-Serie nicht revolutioniert, jedoch viele spannende Neuerungen eingeführt.

Canon EOS 5D Mark IV

Beim Design hat Canon nur äußerst vorsichtig kleinste Änderungen vorgenommen, unter anderem wurde der Spiegel-/Sucherkasten in der Formsprache etwas überarbeitet. Abseits dessen lässt sich die Canon EOS 5D Mark IV fast nur anhand des Aufklebers von den Vorgänger-Generationen unterscheiden. Als neuen Schalter gibt es eine Art Wippe auf der Rückseite, über die sich der Autofokus-Modus verändern lässt.

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Neu ist ferner eine veränderte Anordnung der seitlichen Anschlüsse. So finden nun Kopfhörer- und Mikrofonanschluss unter einer gemeinsamen Abdeckung Platz, was deutlich weniger Angriffsfläche für Staub und Feuchtigkeit beim Filmen bedeutet. Das rückseitige LC-Display löst zudem 60 Prozent höher auf und ist nun auch Touch-fähig. Wie immer lässt sich die Touch-Funktion deaktivieren, sollte Sie vom Fotografen nicht erwünscht sein.

Bildqualität: Foto

Aber auch in der Kerndisziplin hat Canon nichts anbrennen lassen und aktualisiert sowohl den Bildsensor als auch den Bildprozessor. Der neue Bildsensor löst mit 30,1 Megapixeln (6.720 x 4.480 Pixel) etwa 1/3 höher auf als noch die Canon EOS 5D Mark III. Bei der Bildschärfe ist Canon indes keine Ausnahme von der Regel: Wer auf den Pixel scharfe Aufnahmen sucht, braucht vor allem ein sehr gutes Objektiv vor der Kamera. Für eine individuelle Kaufberatung steht Ihnen das ValueTech-Community-Forum zu Verfügung.

Testbild Canon EOS 5D Mark IV + Sigma [A] 35 mm f/1.4 DG HSM | 35 mm, f/2, 1/50 s, ISO-800

Spannend und derzeit einmalig ist Dual Pixel RAW mit der Möglichkeit, den Fokusunkt nach der Aufnahme am PC minimal zu verschieben. Leider wird dies derzeit nur vom Canon-eigenen RAW-Konverter (Canon Photo Professional) und nicht von gebräuchlichen Bearbeitungsprogrammen wir Adobe Lightroom, Capture One oder DxO Optics Pro unterstützt.

Testbild Canon EOS 5D Mark IV + Sigma [A] 35 mm f/1.4 DG HSM | 35 mm, f/1.4, 1/2000 s, ISO-100

Erfreulich für ambitionierte Hobbyfotografen ist der Spielraum der RAW-Aufnahmen: Helle Bildbereiche haben, vor allem bei ISO-100 bis ISO-200, sehr viel Zeichnung und auch die Schatten lassen sich nun deutlich stärker aufhellen ohne ein sichtbares Rauschen zu erzeugen. Dies resultiert in einem HDR-ähnlichen Bildstil, der sich aus einer einzigen Aufnahme erzeugen lässt (siehe Bild oberhalb).

Testbild Canon EOS 5D Mark IV: Bildrauschen bei ISO-100 (li.) im Vergleich mit ISO-6400

Trotz der gesteigerten Auflösung hat Canon das Rauschverhalten deutlich verbessert. Aufnahmen bis ISO-6.400 (siehe Bild über diesem Absatz) lassen sich noch problemlos für Ausdrucke in DIN-A3-Größe einsetzen, mit kleinen Abstrichen auch bis ISO-25.600. Zwar wird das Rauschen bereits ab ISO-3.200 sichtbar, es bleiben jedoch erfreulich viele Details erhalten. ISO-Werte jenseits von 25-600 sind eher für den Notfall zu gebrauchen.

Autofokus und Serienbildmodus

Noch mit am wenigsten Änderungen gab es bei der Serienbildgeschwindigkeit. Sieben Bilder je Sekunde (5D III: sechs) und bis zu 21 RAW-Bilder am Stück sind kein Problem. Alternativ kann die Canon EOS 5D Mark IV auch die Speicherkarte in vollem Tempo vollschreiben, zumindest sofern die Bilder nur als JPEG gespeichert werden sollen. Zur Speicherung stehen weiterhin zwei Card-Slots für je eine SD- und CF-Speicherkarte zur Verfügung. Die maximale Geschwindigkeit im Serienbildmodus sowie die nötigen Schreibraten für 4K-Videoaufnahmen lassen sich mit Compact-Flash-Speicherkarten erreichen.

Testbild Canon EOS 5D Mark IV + Sigma [A] 35 mm f/1.4 DG HSM | 35 mm, f/2.2, 1/40 s, ISO-1600

Der Bildprozessor DIGIC 6+ bekommt ein überarbeitetes Autofokus-Modul zur Seite gestellt. Weiterhin 61 AF-Sensoren (davon 41 Kreuz-AF-Sensoren) bietet die Canon in der jüngsten EOS 5D, die Abdeckung vom Sucherfeld wurde jedoch minimal vergrößert und die Empfindlichkeit bei wenig Licht auf -3 EV glatt verdoppelt. Der Autofokus arbeitet so insgesamt noch etwas robuster als im Vorgänger.

Videomodus, WiFi und GPS

Im Live-View-Betrieb kommt der aus der Canon EOS 70D, 80D und 7D II bekannte Dual-Pixel CMOS AF zum Einsatz. Die bereits sehr gute Gesichtsverfolgung der Canon EOS 80D funktioniert in der EOS 5D Mark IV und erlaubt so selbst mit sehr lichtstarken Objektiven einen weichen Nachführ-Autofokus im Videomodus. Optional lässt sich der Fokus auch über das Touch-Display verschieben.

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Filmer dürfen sich, neben der besseren Gesichtsverfolgung und dem bereits angesprochenen Kopfhörerausgang, auch über Full-HD-Videos mit bis zu 60 Bilder/s, HDR-Video und (endlich auch) 4K-Video freuen. Die HDR-Videofunktion steht dabei leider "nur" in Full HD mit maximal 30 FPS zur Verfügung, ermöglicht dafür jedoch Aufnahmen in sehr kontrastreichen Situationen.

Die DCI-4K-Aufnahmen werden als Motion-JPEG (4.096 x 2.160; 4:2:2) gespeichert, was in sehr großen Datenmengen von etwa 3 GB/Minute resultiert. Von der vermeintlich höheren "Schnitt-Freundlichkeit" der Motion-JPEG-Aufnahmen haben wir indes wenig mitbekommen, lief der Schnitt doch trotz aktueller Hardware mit 5-6 FPS sehr stockend.

Testbild Canon EOS 5D Mark IV + Sigma [A] 35 mm f/1.4 DG HSM | 35 mm, f/2.2, 1/6400 s, ISO-100

Die Verbindung mit dem Smartphone ist, sofern vom Smartphone unterstützt, dank NFC einfach über eine Berührung mit der Kamera möglich. Über die App (Canon Camera Connect, verfügbar für Google Android und Apple iOS) lassen sich weiterhin alle grundlegenden Einstellungen (Belichtungszeit und -korrektur, Blende, ISO-Wert) sowie der Fokus manuell einstellen und die Uhrzeit der Kamera mit dem Smartphone synchronisieren. Neu ist die Möglichkeit auch Videoaufnahmen über die App zu starten.

Das integrierte GPS-Modul arbeitet nun deutlich sparsamer als die erste Implementierung in der Canon EOS 6D (vor allem im Stand-By-Betrieb) und gewohnt präzise. Primär dürften sich Landschafts- und Street-Fotografen sowie Anwender im Bereich Location-Scouting über die neuen Möglichkeiten freuen.

Fazit und Empfehlung

Eine Revolution des DSLR-Marktes ist die [[ASIN:B01L8U5924|Canon EOS 5D Mark IV]] sicherlich nicht, wohl aber eine gelungene Aktualisierung einer der beliebtesten Vollformat-Kameras am Markt. Der Bildsensor hat wieder zur Konkurrenz von Sony und Nikon aufgeschlossen, die Geschwindigkeit wurde verbessert, der Funktionsumfang um ein Touch-Display, WiFi samt NFC, 4K-Video sowie GPS erweitert.

Canon EOS 5D Mark IV: Das Display auf der Rückseite löst nun 60 Prozent höher auf und ist Touch-fähig

Einzig und allein der Preis von 4.065 Euro (UVP) scheint uns, trotz aller Wechselkursprobleme, übertrieben hoch angesetzt. Auf der anderen Seite ist auch Sonys Alpha 7R II kaum günstiger, der deutlich günstigeren Nikon D810 fehlt es hingegen an modernen Funktionen wie 4K-Video, WiFi oder einem Touch-Display.


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